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Rundbrief 9, März 1992
Liebe Mitglieder, Freundinnen und Freunde!
Wir begrüssen herzlich die Neumitglieder und danken für die laufenden und häufigen Spenden. Gruppen und Vereine sind uns als Mitglieder sehr willkommen; bitte diskutiert in Euren Organisationen den Beitritt zum Grimselverein! - Und wir stellen richtig, dass die SAC-Sektion Biel bei uns nicht Mitglied ist.
Mitgliederbeitrag 1992
Diesem Versand liegen Einzahlungsscheine für den Mitgliederbeitrag 1992 bei. Wir überarbeiten unsere Adresskartei und haben den Einzahlungsscheine neu gestaltet: bitte vollständig und leserlich ausfüllen. Wiederholt bitte Eure Angaben betreffend Einzel- oder Familienmitgliedschaft (Anzahl Personen angeben)! Teilt uns Adressänderungen bitte unverzüglich mit, meldet uns Freunde, die noch auf Material von uns warten und reklamiert hängige Bestellungen. Bitte zahlt bar bei Eurer Poststelle oder via Postcheck (bei Bankvergütungen gehen Eure Angaben verloren). Wer für die Werbung neuer Mitglieder Informationsmaterial bestellen will, kann auf dem Einzahlungsschein "weitere Dokumente" ankreuzen. Oder in der Zeile "Bestellungen" T-Shirts (à 25.- mit Grössenangabe), Poster (à 15.-) und Postkartenserien (4 Karten, à 5.-) bestellen.
Dieser Rundbrief wird zusammen mit einem Farbposter verschickt. Das Bild ist von Werner Schild am 10. August 1991 auf dem Sidelhorn aufgenommen worden. An diesem Abend ist nicht nur auf dem Sidelhorn gefeuert worden: es haben im Alpenraum zwischen Wien und Nizza über 700 Mahn- und Warnfeuer gebrannt als Aufruf zum Schutz der Alpen vor drohender Übernutzung: Feuer in den Alpen. Wir haben, wie auch schon, Gebetsfahnen gestellt, heuer auch eine hiesige mit einem Gebet von Pfarrer Dres Urweider - das Bild zeigt die Gebetsfahnen im Abendlicht, im Hintergrund die Lauteraar.
Wir verbinden mit der Versendung dieses Farbposters und den vier Postkarten "Naturschutz-gebiet" die Bitte um grosszügige Spenden: mit den Mitgliederbeiträgen allein können wir unsere Kosten nicht decken. Für die bevorstehenden Abstimmungskampagnen sind wir angewiesen auf Eure kleinen und grossen Zustüpfe!
Das Poster kostet fünfzehn Franken (wir bitten Euch, den Mitgliederbeitrag für 1992 um 15.- aufzurunden); wer es nicht haben will, kann vielleicht versuchen, es weiterzuverkaufen? Oder kann es halt in Gottes Namen zurückschicken: jedenfalls bitten wir diejenigen, die unbestellte Sendungen in der Regel wegschmeissen, hier eine Ausnahme zu machen - wir sind Euch dankbar für Eure Unterstützung! - Wir haben einige wenige überzählige Exemplare drucken lassen: man kann, solang's hat, nachbestellen.
Das beiliegende Postkarten-Set ist gratis; bei Nachbestellungen kostet es 2.-.
Es tut uns leid, dass unsere lang geplante Poster-Aktion mit den Sendungen und Spendenaufrufen der Gewässerschutz-Initiative zeitlich zusammenfällt; das Abstimmungsdatum wurde bekannt, als unsere Aktion schon lief.
Datenschutz: Wir versichern Euch, dass wir keine Adressen an andere Organisationen herausgeben. Ein Versand zur Gewässerschutz-Initiative, den Ihr Ende April erhalten werdet, wird von uns selber adressiert und verschickt.
Höhepunkte unseres Vereinsjahres sollen heuer sein
- Feuer in den Alpen am 8. August 92
Diese Aktion zum Schutz des Alpenraums soll auch 1992 durchgeführt werden und wird vom Grimselverein mitgetragen. Unser traditionelles Feuer auf dem Sidelhorn bildet einen Teil davon. Wir treffen uns wie üblich um 14 00 Uhr auf dem Postauto-Bahnhof Meiringen oder um 16 00 Uhr auf der Grimsel Passhöhe (Postauto und Übernachtung unbedingt reservieren!) Bei schlechtem Wetter treffen wir uns am Samstagabend im Hotel Bären, Guttannen. Über die Durchführung gibt am 8.8.92 ab 08 00 Uhr Tel 181 (Vorwahl 036) Auskunft. - Am Sonntag, 9.8.92 findet bei gutem Wetter eine Wanderung in die Sunnig Aar, geführt von Alexander Schläppi, statt, Postauto Meiringen ab 08 30 Uhr, Abmarsch Hospiz 10 00 Uhr.
Ein Grimselfest wie andere Jahre findet 1992 nicht statt - wir horten die Kräfte und Mittel für ein ganz grosses Fest vor der allenfalls notwendigen kantonalen Abstimmung über Grimsel West!
- TransALPedes
Die Leute, die von Wien nach Nizza wandern und damit auf den notwendigen Schutz des Alpenraums aufmerksam machen, durchqueren unsere Gegend vom 9.8. bis 11.8. und sind am Montagabend, 10. August 1992 in Guttannen. Wir planen eine Aktion und werden im Oberhasler einladen und berichten. Wer teilnehmen oder zwischen Sustenpass und Grimselpass eine Strecke mitwan-dern will, kann sich bei uns näher informieren (Sustenpass - Wendenalp - Gadmen - Furtwang-sattel - Guttannen - Sidelhorn - Münster).
- Gelmertage 25.-27. September 1992
Seit 1988 haben wir jedes Jahr eine mehrtägige Exkursion durchgeführt, um Interessierten die gefährdeten Gebiete zu zeigen. Es sind jedesmal eindrucksvolle, reiche Tage gewesen. In dieser mächtigen Welt zusammen z'Bärg gehen tut gut, gibt Kraft für lange.
Heuer wollen wir von der Gelmerhütte SAC aus spazieren, wandern, klettern, Touren unternehmen... - die Umgebung eignet sich vorzüglich für alle möglichen Ansprüche vom Bedürfnis nach Geruhsamkeit bis zu wildem Tatendrang.
Wir laden Euch herzlich ein, an drei Tagen g'freutem Tun teilzunehmen! Kinder sind willkommen, wenn sie in der Lage sind, den etwa dreistündigen, zum Teil steilen Weg zur Hütte zu bewältigen.
Zu den Kosten können wir noch keine genauen Angaben machen; zu berappen werden Bergführerlöhne, Unterkunft und Essen sein.
Für die Organisation (Reservationen, Bergführer/Seilerste, Material...) benötigen wir bis 30. April 92 Eure Anmeldungen mit Angaben zu den vorgesehenen Betätigungen. Wer mitkommen will, soll bitte den Talon ausfüllen und schicken an: Grimselverein, Postfach, 3860 Meiringen.
Wir werden alles Weitere (Treffpunkt, Ausrüstung, Kosten etc.) rechtzeitig mitteilen.
Kurzmitteilungen
- Gegen das "neue" Projekt 90 sind1100 Einsprachen eingegangen - danke Euch allen! Wer selber eine Einsprache verfasst hat, möge uns bitte eine Kopie davon schicken. Im Frühling sollen die Einspracheverhandlungen beginnen; wir werden orientieren und helfen.
- Wir haben mit über 100 anwesenden Mitgliedern am 23.11.91 eine gefreute Generalversammlung abgehalten.
- Die vom Grimselverein mitlancierte Aareschutz-Initiative ist vom Grossen Rat des Kantons Bern für teilweise ungültig erklärt und insgesamt zur Ablehnung empfohlen worden. Gegen die teilweise Ungültigerklärung hat das Initiativkomitee anfangs Februar beim Bundesgericht Stimmrechtsbeschwerde erhoben - der Entscheid ist in neun bis zwölf Monaten zu erwarten.
- Moorschutz: Die Schutzziele für die Flachmoore in der Sunnig Aar (aufgenommen ins Inventar der Flachmoore von besonderer Schönheit und nationaler Bedeutung) stehen in Konflikt mit dem Projekt Grimsel West - Bundesrat Cotti rechnet zuversichtlich damit, dass bis Mitte 1992 eine einvernehmliche Lösung gefunden wird! Das Inventar der Moorlandschaften von besonderer Schönheit und nationaler Bedeutung (die Sunnig Aar ist aufgenommen) ist bei den Kantonen in die Vernehmlassung gegeben worden. Der Kanton Bern muss die kantonale Vernehmlassung bis Herbst 92 durchgeführt haben.
- Die Umweltverträglichkeit des Projekts 90 wird zur Zeit geprüft. Der Bericht muss mindestens im Entwurf vor den Einspracheverhandlungen vorliegen.
- Die KWO haben eine Werbeschrift "Grimsel West" herausgegeben. Bestellen bei: Informationsdienst der Kraftwerke Oberhasli AG, 3862 Innertkirchen
Rettet unsere Gewässer!
Rettet Grimsel und Aare!
Abstimmung über das Gewässerschutzgesetz und die Gewässerschutz-Initiative am 17. Mai 92
1975 stimmte das Schweizer-Volk mit überwältigender Mehrheit für einen Gewässerschutzartikel in der Bundesverfassung. 17 Jahre lang wurde der klare Volkswille missachtet, der Schutz der Gewässer in endlosen Parlamentsdebatten bis zum heutigen Tag verschleppt. Die Zerstörung der Gewässer ist unterdessen weitergetrieben worden, und es liegen zahlreiche Kraftwerkprojekte vor.
Am 17. Mai kommen gleichzeitig Initiative und Gewässerschutz-Gesetz endlich zur Abstimmung. Dieses Vorlagen-Multipack verringert die Erfolgschancen der Initiative - wir müssen alle Kräfte einsetzen, um bei dieser Ausgangslage der Initiative zur Annahme zu verhelfen!
Gesetz und Initiative annehmen!
Wenn das Gesetz die heutige Situation auch verbessern würde, wäre es vor allem in der Restwasserregelung ungenügend, ökologische und landschaftliche Anliegen blieben gänzlich unberücksichtigt. Das Gesetz allein kann die letzten Überreste an natürlichen Fliessgewässern (noch zehn Prozent!) und Seen nicht vor der Zerstörung bewahren. In diesen Bereichen sieht die Initiative griffige Bestimmungen vor und ergänzt das Gesetz. Ein doppeltes Ja am 17. Mai 92 erweist den Gewässern und der Grimsel den besten Dienst!
Auswirkungen der Initiative auf Grimsel West
Die Bestimmungen der Initiative wären bei einer Annahme sofort rechtskräftig. Die geplanten neuen Fassungen Stein, Trift und Gauli wären praktisch bundesrechtlich untersagt. Im weitern betrifft die Initiative Grimsel West dort, wo sie ökologische und landschaftliche Aspekte des Restwassers berücksichtigt: standortgemässe Lebensgemeinschaften von Tieren und Pflanzen sollen erhalten bleiben und schutzwürdige Landschaften, Grundwasservorkommen und Bodenfruchtbarkeit dürfen nicht erheblich beeinträchtigt werden. Grimsel West würde aber die jahreszeitlichen Abflussverhältnisse der Aare umkehren und damit schutzwürdige Landschaften und die Bodenfruchtbarkeit im Talboden gefährden, die Oberländer Seen beeinträchtigen, die Grundwasser wahrscheinlich bis ins Mittelland beein-flussen.
Die Annahme der Initiative würde Grimsel West nicht direkt verbieten. Weil aber das Projekt auf die neuen Wasserfassungen kaum und auf die Umkehrung des Wasserhaushalts der Aare überhaupt nicht verzichten kann, würden die Realisierungschancen von Grimsel West gegen Null sinken.
Aufruf
Wir bitten Euch alle, aktiv beim Abstimmungskampf mitzuwirken; jetze gilt es, unsere Gewässer, auch die Aare, mit Eurem persönlichen Einsatz zu retten. Wir sind es unseren Nachkommen schuldig. Es ist wichtig, dass wir zur erdrückenden Angstmacherei der Kraftwerkpromotoren einen starken Gegenpol schaffen. In ganzseitigen Inseraten werden irreführende und unwahre Aussagen über Stromproduktionsausfälle gemacht. Wir nutzen unsere Wasserkraft intensiver als jedes andere Land auf der Welt. Und sie ist unbestritten eine umweltfreundliche, erneuerbare Energie. Aber nicht erneuerbar und umweltfreundlich sind zerstörte Gewässer und Landschaften. Ein paar Prozent mehr oder weniger Wasserkraft lösen keine Energieprobleme!
Nehmt an Veranstaltungen teil, tut Eure Meinung kund, überzeugt Eure FreundInnen!
Einige brauchbare Argumente:
- Die Einbussen wegen höherer Restwassermengen können praktisch aufgehoben werden durch Erneuerung und effizienten Betrieb unserer zum Teil alten Kraftwerke. Dies schafft Arbeitsplätze, ebenso wie der Schutz und die Sanierung der Gewässer. Hochwasserschutz ist auch bei Annahme der Initiative immer und sofort möglich.
- Mit neuen Wasserkraftwerken könnten theoretisch noch etwa zehn Prozent mehr Strom produziert werden, aber dafür würden auch noch die letzten nutzbaren Gewässer geopfert. Fortschreitende Technik, vor allem in der sparsamen Energienutzung, wird uns in Zukunft sicher mehr als diese zehn Prozent einsparen, sie wird uns aber niemals Gewässer und Landschaften ersetzen können, die wir heute kapputtmachen.
- Die Zahl der Kleinwasserkraftwerke ist auch ohne Restwasserbestimmungen zurückgegangen, weil sie unrentabel sind. Die Rentabilität der verbleibenden darf nicht über trockene Bäche erreicht werden, sondern mit einer besseren Bezahlung dieser einheimischen und erneuerbaren Energie.
- Ganz sicher ist im unüberschaubaren Dschungel von herumgereichten Zahlen nur eins: wenn die Initiative nicht angenommen wird, verschwinden auch noch die letzten natürlichen Fliessgewässer in unserem Land.