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Rundbrief 74, April 2022


Liebe Mitglieder, Freundinnen und Freunde
Während wir diesen Rundbrief schreiben, tobt in der Ukraine ein verstörender Krieg. Dies führt uns einmal mehr die globalen Verflechtungen vor Augen. Mit unserem Konsum und unserer Wirtschaft beeinflussen wir diesen Krieg - der Krieg wiederum hat Auswirkungen auf unsere Wirtschaft und unseren Konsum. Die internationalen Abhängigkeiten sind enorm. Im Fokus steht - auch einmal mehr - unser unersättlicher Energiebedarf.
Die Energiedebatte ist allgegenwärtig. Kaum ein Tag, an dem nicht "neue" Lösungen dargeboten werden oder aber alte Probleme und Widersprüche auftauchen. Schlagworte wie Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Unabhängigkeit haben Hochkonjunktur, wobei allzu häufig alter Wein in neuen Schläuchen verkauft wird.

Ist da der Widerstand gegen die Kraftwerksprojekte Grimsel und Trift noch angebracht? Ist der Schutz dieser Landschaften nicht nebensächlich im Vergleich zu den drängenden, grossen Fragen? Sollten wir nicht zu Kompromissen bereit sein? -
Wir denken, an der Grimsel und in der Trift geht es eben gerade um die grossen Fragen. Exemplarisch. Es geht um den erweiterten Blick, über die nächste Welle hinaus. Es geht um das Anerkennen von Zusammenhängen. Weder der Klimawandel noch die Biodiversitätskrise können einzeln betrachtet und gelöst werden. Wir setzen uns für Grimsel und Trift ein, weil sie zu den letzten, raren Gewässer- und Wildnisperlen gehören, die für eine vielfältige Umwelt essenziell sind. Klimaschutz und Biodiversitätsschutz müssen Hand in Hand gehen.

Zur Vertiefung dieser Thematik legen wir euch die schön bebilderte Winterausgabe der Aqua-Viva-Zeitschrift bei: Alpine Gewässerlebensräume unter Druck. Der Grimselverein hat sich daran inhaltlich und finanziell beteiligt.

Mackay Cartoon
Zeichnung: mackaycartoons.net




Runder Tisch Wasserkraft
Der Runde Tisch Wasserkraft wurde von Bundesrätin Simonetta Sommaruga einberufen, um mit verschiedenen Akteuren die Herausforderungen der Wasserkraft zu erörtern. An der Runde nahmen vier Umweltorganisationen teil, neben zahlreichen Vertretern der Energiekonzerne, der Wasserwirtschaft und der Gebirgskantone. In der Schlusserklärung vom Dezember 2021 wurden 15 Projekte der Speicherwasserkraft identifiziert, welche «gemäss heutigem Kenntnis-stand energetisch am meistversprechenden sind und gleichzeitig mit möglichst geringen Auswirkungen auf die Biodiversität und Landschaft umgesetzt werden können». Prominent auf dieser Liste die Erhöhung Grimselsee, das Trift-Projekt, aber auch ein riesiges Neubauprojekt am Gornergletscher. Einige dieser Projekte befinden sich in Schutzgebieten (BLN, UNESCO, Landschaftspark) und würden massive Zerstörungen bewirken.
Unser Standpunkt dazu ist klar: Wir lehnen die Erschliessung von unberührten Landschaften und geschützten Gebieten grundsätzlich ab. Eine ausführliche Stellungnahme ist auf der Webseite des Grimselvereins zu lesen.
Inzwischen hat die Zeitschrift "Beobachter" einige Hintergründe dieses Runden Tischs aufgedeckt. Offenbar lief vieles nicht so harmonisch, wie Bundesrätin Sommaruga es darstellt, und die Schlusserklärung wurde unter sehr manipulativen Umständen verfasst. Nach wie vor unter Verschluss sind die Berechnungsmethoden, die zur ominösen 15er-Liste geführt haben.


Brodeln bei den Umweltorganisationen
Auch die grossen Umweltorganisationen sind an den Themen Klimaschutz und Biodiversität dran: Greenpeace hat in einer aufwändigen Studie aufgezeigt, wie eine Energiewende ohne Atomstrom und fossile Brennstoffe umsetzbar ist. Sie sieht zwar einen minimalen Ausbau der Wasserkraft vor, fordert aber in erster Linie einen "Solar-Sprint", einen forcierten Ausbau der Solarenergie.
Bezüglich Photovoltaik ist eine Debatte über grosse Freiflächenanlagen im alpinen Raum entbrannt, ausgelöst durch das Projekt in Gondo. Pro Natura und die Stiftung für Landschaftsschutz wehren sich gegen solch massive Eingriffe in unberührten, naturnahen Gebieten. Wir können dies nachvollziehen, geben aber zu bedenken: Auch das Triftprojekt und der Grimselausbau sind Freiflächenanlagen in unberührten, schützenswerten Landschaften.


Gletscherweib am 2. Juli 2022
Am Samstag, 2. Juli 2022 wollen wir das Gletscherweib in der Unteraar auffrischen und neu schmücken. Priska Walss wird uns auch dieses Jahr mit ihren Alphornklängen verzaubern.
Treffpunkt: Grimsel Summerloch 10.15 (Postauto Meiringen ab 09.25)
Wegen des Baus der neuen Staumauer Spittellamm beginnt die Wanderung nicht beim Hospiz. Die Bushaltestelle "Summerloch" befindet sich nicht beim Parkplatz Summerloch, sondern bei der Haarnadelkurve direkt unter der Seeuferegg-Staumauer. Von dort 10 Minuten Abstieg zum Parkplatz Summerloch.
Die Wanderzeit hin und zurück beträgt ca. 4 Stunden. Ausrüstung: Gute Schuhe, Sonnen-, Regen- und Kälteschutz, genügend Essen und Trinken.
Wer in der Lauteraarhütte übernachten will, soll bitte direkt dort reservieren: 033 973 11 10
Weitere Auskünfte bei Thomas Rytz: 031 382 33 53


Feuer in den Alpen - Triftvisite
Das Feuer in den Alpen findet heuer am 13. August bei der Windegghütte statt, anlässlich der zweitägigen Triftvisite.
Weitere Infos siehe beigelegten Flyer.

GV des Grimselvereins
Termin zum Vormerken: 19. November 2022


Mitgliederbeitrag
Diesem Rundbrief liegt ein Einzahlungsschein bei. Der Jahresbeitrag beträgt für Einzelmitglieder Fr. 20.-, für Familien Fr. 50.-, für Vereine Fr. 100.-. Für Aufrundungen danken wir im Voraus.


Mit herzlichen Grüssen
Vorstand Grimselverein
Johannes, John, Katharina, Nick, Thomas

(30.5.2022)