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Rundbrief 69, Oktober 2019

Liebe Mitglieder, Freundinnen und Freunde

Seit dem Frühlings-Rundbrief ist nicht nur ein weiterer Rekordsommer über die Alpen gezogen. Auch in Sachen Grimsel und Trift hat sich einiges getan. Hier die Übersicht:

Grimsel

Im Mai hat das Berner Verwaltungsgericht sein Urteil zur Staumauererhöhung am Grimselsee veröffentlicht. Es ging dabei um die Interessenabwägung zwischen Energieproduktion auf der einen und dem Wert der einzigartigen Landschaft im BLN-Gebiet "Berner Hochalpen" auf der anderen Seite. Wie befürchtet wurde die gemeinsame Beschwerde der Umweltorganisationen abgelehnt. Das Verwaltungsgericht begründet seinen Entscheid hauptsächlich damit, dass die Landschaft erstens durch den bestehenden Grimselsee bereits beeinträchtigt sei (!) und zweitens bei einem Höherstau nicht wesentlich anders aussehen werde (!). Immerhin wird der Eingriff für die zahlreichen betroffenen Biotope (Arvenwald, Flachmoore, Gleschervorfeld) als "schwerwiegend" bezeichnet. Demgegenüber werden die Interessen der Energieproduktion aber höher bewertet, da die Energiestrategie 2050 einen Ausbau der Wasserkraft verlangt und die Grimsel einen Fünftel des noch möglichen Zubaus decken könnte.

Die meisten Umweltorganisationen haben dieses Urteil hingenommen und auf einen Weiterzug verzichtet. Der Vorstand des Grimselvereins hingegen hat beschlossen, unter Federführung von Greina Stiftung und Aqua Viva nochmals ans Bundesgericht zu gelangen. Dies im Wissen um allfällig hohe Gerichtskosten. Der Vorstand denkt, dass es auch im Sinn der Mitglieder ist, zur Rettung der Sunnig Aar und des Gletschervorfeldes den letzten juristischen Strohhalm zu ergreifen. Die von Rechtsanwalt Reto Nigg verfasste Beschwerde zückt noch einmal alle Register und widerlegt die Auffassungen des Verwaltungsgerichts auf eindrückliche Weise.

Im Übrigen sind diesen Sommer an der Grimsel die Baumaschinen aufgefahren. Die KWO haben mit dem Bau der Ersatzmauer für die Spitallammsperre begonnen. Vorläufig ohne Erhöhung!

Trift

Das Konzessionsgesuch für den Trift-Stausee wurde nach wie vor nicht im Grossen Rat behandelt. Einspracheverhandlungen haben auch keine stattgefunden und der Verwaltungsrat der KWO will sich ebenfalls noch zwei bis drei Jahre Zeit lassen, bis er entscheidet, ob das Projekt überhaupt realisiert werden soll.
Gleichwohl hat der Grosse Rat einer überparteilichen Motion zugestimmt, welche den Regierungsrat auffordert, via die BKW das Trift-Projekt voranzutreiben. Die Begeisterung für den Ausbau der Wasserkraft scheint von rechts bis links ungebremst gross. Deshalb hat der Grimselverein allen Mitgliedern des Grossen Rats einen Brief geschickt mit den wichtigsten Argumenten gegen das Trift-Projekt und mit den prachtvollen Postkartenbildern. Reaktionen kamen bis dato praktisch keine.

Während der Grosse Rat also voller Tatendrang ist, sind die BKW eher zögerlich. Obwohl der Bund 40% der Projektkosten finanzieren würde, fordern die BKW zusätzlich noch bessere Rahmenbedingungen auf Kantonsebene.

Da das Trift-Projekt juristisch kaum verhindert werden kann, sind andere Mittel gefragt. Aufgrund einer letztjährigen Tagung in Salecina hat sich das Triftkomitee gebildet, welches das Thema Trift breiter in die Öffentlichkeit bringen möchte. Zu diesem Zweck wurde im August das Sidelhornfeuer in die Trift verlegt und ein Trift-Camp organisiert. Rund 20 Leute schlugen für vier Tage am Triftsee ihre Zelte auf und protestierten gegen die Zerstörung dieser eindrücklichen, noch unberührten Landschaft. Die Medienarbeit war äusserst erfolgreich. "Tagesanzeiger" und "Bund" brachten Artikel auf der Frontseite, in denen namhafte PolitikerInnen einen Richtungswechsel des Bundes bei der Subventionierung der Wasserkraft forderten. Der Ärger KWO-naher Politiker war verständlicherweise gross.

Auf der neuen Webseite www.rettet-die-trift.ch sind Bilder des Camps zu sehen sowie ein schöner Audiobeitrag zum Feuer in den Alpen zu hören. Ebenfalls auf dieser Webseite befindet sich das Manifest "Rettet die Trift". Alle sind eingeladen, das Manifest direkt auf der Webseite zu unterzeichnen und weiterzuempfehlen.

Energiepolitik

Worauf wir immer hingewiesen haben, kommt langsam im Bundesamt für Energie BFE und in der Öffentlichkeit an: Die Zitrone Wasserkraft ist praktisch ausgepresst. Anfangs September hat das BFE mit einer Studie aufgezeigt, dass die in der Energiestrategie 2050 geplanten Ziele für den Ausbau der Wasserkraft nicht erreicht werden können und dass daher die Photovoltaik stärker vorangetrieben werden muss. Alleine für den Ersatz des Winterstroms aus den AKW bräuchte es 70 Anlagen in der Grösse des geplanten Triftprojektes. Als realistisch werden fünf bewertet (inkl. Trift und Grimsel), weniger realistisch fünf weitere (inkl. Greina). Die Tatsache, dass es neben Stauseen andere Speichermöglichkeiten für den Winter braucht und gibt, ist leider noch zu wenig bekannt. Solarenergie wird im Sommer immer mehr produziert werden als im Winter, was eine Speicherung als power-to-gas (Methan) und power-to-liquid (Methanol) nötig macht. Mit Methan kann im Winter gleichzeitig Strom produziert und geheizt werden. Fahrzeuge, bei denen Batteriebetrieb nicht möglich ist, können Methanol verwenden. Und warum soll nicht ein Teil davon in südlicheren Ländern produziert und dann importiert werden? Uran und die fossilen Brennstoffe werden ebenfalls importiert und niemand verschreit dies als "Importstrategie".

Gletscherwyb

Am 6. Juli sind wir zum Gletscherweib gepilgert, haben bei warmem Sonnenschein den schönen Weg gemacht, uns gefreut an der frischen, farbigen Blumenpracht, dem kleinen Sandsturm und dem Rauschen der jungen Aare. Der Gletscher ist inzwischen weit weg und von Jahr zu Jahr werden die Weiden, Zitterpappeln und Lärchen rund um unsere Steinfigur grösser. Priska Walss ist von einer Alphorn-Schülerin begleitet worden, es gab also auch Duette neben ihren fantastischen Soli. Wir haben Gebetsfahnen mit einem neuen Gedicht von Dres Urweider errichtet. Kinder und Jugendliche waren auch dabei und haben das neu geschmückte Gletscherweib geräuchert. Fritz Lauber, der zu Zeiten von Grimsel West der weitaus bestinformierte Journalist war und jeweils neben den KWO auch den Grimselverein zu Wort kommen liess, hat eine gute Ansprache gehalten mit Aussensicht und Rückblick über die vergangenen mehr als dreissig Jahre Schutzbemühungen an der Grimsel. Es war wie jedes Jahr ein guter Anlass - toll, dass wir fast immer Wetterglück haben und dass einige unbeirrbare Freundinnen und Freunde uns immer wieder begleiten. Merkt Euch das Datum für’s nächste Gletscherweib vor: 4. Juli 2020.
Und noch ein Hinweis: Sehr schön gestaltete Büchlein mit Fotos vom Gletscherweib und den bisherigen Gedichten können bestellt werden bei: .

Feuer in den Alpen

Am 10. August wurden in der Trift zwei Feuer entzündet. Ein grosses zwischen Windegghütte und Triftbrücke, ein kleineres hinten am See beim Trift-Camp. In seiner Rede beim grossen Feuer berichtete Dominik Siegrist von der ganz besonderen Stimmung hinten am Triftsee, wo er zwei Nächte unter grossem Sternenhimmel verbracht hatte. Er betonte, dass für die Energiewende keine weiteren Stauseen gebaut werden müssten, wenn auf Solarstrom und neue Technologien gesetzt werde: Energiewende und Landschaftsschutz sind vereinbar. Und während er sprach, lichtete sich wie von Zauberhand bewegt der Nebel, der Blick über den See wurde frei, die beiden Feuer grüssten sich...

Dank

Wir möchten uns bei allen Mitgliedern, die sich in irgendeiner Form an den Vereinsaktivitäten beteiligt haben, und bei allen Spenderinnen und Spendern herzlich bedanken. Ihr seid auch in Zukunft die Basis unseres Vereins!

Der Vorstand: Hans, Johannes, John, Katharina, Mäni, Nick, Thomas
(1.11.2019)