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Rundbrief 65, September 2017
Jahresbericht des Präsidenten
Seit der GV anfangs Februar war uns nicht bloss das Wetter schlecht gesinnt. Es gab keine Geschenke zum dreissigsten Geburtstag. Entgegen aller Erwartungen hat das Bundesgericht das Urteil des Berner Verwaltungsgerichts zum Moorschutz und der geplanten Erhöhung der Staumauern an der Grimsel gekippt. Vier Richter fanden, dass der Höherstau der Bundesverfassung nicht widerspricht. Auf unserer Homepage kann die schriftliche Urteilsbegründung gelesen werden. Sie scheint logisch zu sein, da im Urteil die mündlichen Einwände des fünften Bundesrichters und der Gerichtsschreiberin nicht publiziert sind. Diese Erläuterungen zeigten auf, dass das Urteil skandalös und politisch ist. Die bisherige Rechtsprechung des Bundesgerichts ist ohne wirklich neue Argumente auf den Kopf gestellt worden. Wissenschaftlich ist das Urteil falsch, da es die Fläche oberhalb des Grimselsees als Randzone der Moorlandschaft betrachtet: die Randzone befand sich aber vor dem Bau der bestehenden Staumauern im Talboden. Die Verhandlung wurde von einem grünen Bundesrichter vorbereitet und geleitet: für die Umsetzung der Energiestrategie 2050 soll der Naturschutz beliebig aufgeweicht werden. Das Berner Verwaltungsgericht wird nun das Konzessionsgesuch erneut beurteilen. Es muss die Schutzwürdigkeit der BLN Landschaft, welche auch das wunderschöne und wertvolle Gletschervorfeld beinhaltet, gegen die wirtschaftlichen Interessen der KWO und die sichere Stromversorgung abwägen. Schlussendlich wird wieder das Bundesgericht das letzte Wort haben...
Unsere Argumentation gegen die drohende Zerstörung ist einfach. Wenn alle in der Schweiz noch möglichen Speicherkraftwerke gebaut werden, so kann die Produktion von 4% des Winterstromverbrauchs vom Sommer in den Winter verlagert werden. Dies löst das Problem der Stromerzeugung im Winter nicht. Das Potential der Solarenergie an Fassaden und auf steilen Dächern dagegen ist im Winter um ein Vielfaches grösser als diese 4 Prozent. Die gleiche Argumentation gilt auch für das Triftprojekt.
Wir müssen erreichen, dass das Hasli gegenüber den KWO selbstbewusster auftritt. Nicht das Hasli muss den KWO dankbar sein sondern deren Aktionäre dem Hasli. Die aktuelle Firmenstruktur kann man mit dem Kolonialismus vergleichen. Erstens gehören dem Hasli keine Aktien, zweitens sind die KWO bloss im juristischen Sinn eine Firma, da sie den Strom nicht selber verkaufen, sondern den Aktionären abgeben und dafür von diesen entschädigt werden. Deshalb konnten die KWO in guten Zeiten nicht genug Reserven anlegen, die einen Personalabbau aufgrund natürlicher Abgänge erlaubt hätten.
Nach über zehn Jahren unermüdlichen Einsatzes verlassen Eva und Kaspar leider den Vorstand, ebenso Gusti. Emil kann das Kassieramt an Johannes Gumpinger abgeben. Wir wären sehr froh, wenn jüngere Vereinsmitglieder im Vorstand mitarbeiten und so das längerfristige Fortbestehen des Vereins ermöglichen würden. Falls jemand interessiert ist, kann mit einem Vorstandsmitglied Kontakt aufgenommen werden, die Telefonnummern und Emailadressen sind auf der Homepage erfasst.
Im nächsten Vereinsjahr werden uns neben den traditionellen Vereinsanlässen die Einsprache gegen das Triftprojekt und die Stellungnahmen zur Erhöhung der Grimselstaumauern beschäftigen.
Wir möchten uns bei allen Vereinsmitgliedern ganz herzlich bedanken. Ohne Eure Unterstützung in allen Belangen könnten wir den Kampf gegen die geplante Zerstörung wunderschöner Landschaften im Hasli nicht weiterführen.
Kraftwerk Handeckfluh
Wir haben während der Auflagefrist die Unterlagen zum Ausbauprojekt Handeckfluh gesichtet. Das Gefälle eines Zuleitungsstollens soll besser genutzt werden, Druckstollen und Zentrale werden gebaut, alles im Berg. Für die Umwelt sind die Auswirkungen während der Bauzeit klein, danach gibt es eher noch eine Verbesserung gegenüber heute, weil unterhalb der Mattenalp mehr Restwasser fliessen wird. Gegen das Projekt Handeckfluh der KWO haben wir keine Einwände, da es eine geringe Mehrproduktion ermöglicht und die Deponie die Natur bloss minimal beeinträchtigt.
Grimselverein-Skitour
Die diesjährige Skitour des Grimselvereins wurde von spätwinterlichen Wetterkapriolen durchwirbelt. Massive Neuschneefälle liessen bloss eine eintägige Tour in der Rosenlaui zu. So pflügten sich sieben unentwegte GrimslerInnen durch knietiefen Schnee auf’s Schrybershiri, einen Vorgipfel des Wildgärst. Bei schönstem Sonnenschein und bester Laune wurde die Grussbotschaft an die Sunnig Aar gehisst. Zauberhaft der Ausblick in‘s frisch überzuckerte Gebirge.
Während der Abfahrt kamen wir schnell zurück auf den Boden der Realität. Der schwere Schnee weckte inzwischen Assoziationen nach Lehm oder frischem Beton. Es galt, mit viel Rücklage die Ski und sich selber vor dem Untergang zu bewahren.
Glücklich erreichten wir schliesslich das Hotel Rosenlaui, wo wir die Ehre hatten, von Christine Kehrli zu einem Trunk eingeladen zu werden.
Whatsalp auf der Grimsel
Vor genau 25 Jahren ist Transalpedes auf der Grimsel vorbeigekommen: eine Gruppe von Frauen und Männern, die zu Fuss von Wien nach Nizza unterwegs waren und aufmerksam machten auf die Übernutzung der Alpen durch Ansprüche des Transitverkehrs, des Tourismus, des Militärs und der Stromwirtschaft.
Jetzt wandern sie wieder, unter dem Namen whatsalp, durch den Alpenbogen. Am 10. August hat sich die Gruppe im Berghaus Oberaar mit dem Grimselverein getroffen und diskutiert: damals, 1992, war ja das monströse Vorhaben „Grimsel West“ noch aktuell – was ist seither im Hasli geschehen? Was hat der Klimawandel in der Unteraar bewirkt? Welche Projekte haben die Kraftwerke Oberhasli verfolgt und teilweise realisiert? Was hat der Widerstand erreicht? – Immerhin ist die Sunnig Aar intakt geblieben und nicht unmittelbar gefährdet. Und wie stellt sich der Grimselverein zum aktuellen Ausbauprojekt Trift? Wenn nun mehr als 90% der schweizerischen Fliessgewässer genutzt sind, ist es da nicht kurzsichtig, auch noch aus den letzten Bächen Strom machen zu wollen? Klar ist, dass die Energiestrategie 2050 die Auseinandersetzung um Wasser und Landschaft stark verändert hat – zur Zeit wird die Wasserkraft im öffentlichen Gespräch glorifiziert, fast mit einem Heiligenschein versehen. Gemeinsame Stellungnahmen der Umweltorganisationen müssen neu erarbeitet werden. Wir beginnen für 2018 eine Wasserkraft-Tagung vorzubereiten.
Dann ist die Gruppe weiter gewandert, durch dicken Nebel Richtung Trübtenlücke und zum nächstem Lokaltermin in Münster im Goms. Für lokale und regionale Vereine und Gruppen, die sich einsetzen für Natur und Umwelt in der engeren Heimat, ist die Vernetzung, die durch Transalpedes und whatsalp gestiftet wird, von unschätzbarem Wert: sie ist der sichtbare, erwanderte Ausdruck länderübergreifender sorgsamer Alpenpolitik.
Feuer in den Alpen
Wie immer am zweiten August-Samstag haben wir im Rahmen von „Feuer in den Alpen“ eins der Feuer zwischen Wien und Nizza entzündet. Heuer hat es kurz vorher geschneit, wir konnten nicht aufs Sidelhorn steigen. Unterwegs zu unserem üblichen Ersatz-Feuerplatz bei Guttannen haben wir gedankenlos und sorglos eine Schiessanzeige nicht beachtet und damit die Schützen sehr verärgert. In der Rotlaui haben wir dann einen guten Platz gefunden. Unser Feuer war gross, prächtig, mit wunderbaren Sprangen, wir haben uns an den tiefen Klängen und wilden Melodien der Alphörner erfreut und eine witzige Festrede, eher schon eine künstlerische Intervention, erlebt. Auch wenn wir nicht auf dem Gipfel gewesen sind: ein Höhepunkt im Vereinsjahr!
Exkursion in die Trift
Kurz bevor wir aufbrechen konnten zu unserer zweitägigen Exkursion in die Trift hat es tief heruntergeschneit, und ergiebiger Dauerregen war angekündigt – wir haben leider absagen müssen. Schade – wir wollten nicht nur die Landschaft besuchen, sehen, wo die KWO wieder eine Mauer bauen wollen, sondern auch etwas lernen über die Geschichte der Trift und Geschichten aus Jahrhunderten hören... Vielleicht nächstes Jahr?
Begleitgruppe Triftprojekt
Die KWO haben den Grimselverein zur Abschlusssitzung der Begleitgruppe Triftprojekt in den Kursaal Bern eingeladen. John Schmocker und Mäni v. Steiger haben teilgenommen.
Der Grimselverein war ja während der Projektierung vom November 2013 bis jetzt jeweils auch eingeladen (18 Sitzungen, 3 Begehungen), hat aber nicht teilgenommen. Um möglichst unabhängig zu bleiben. Aber halt mit dem Nachteil, bei diesem grundsätzlich sinnvollen Dialog nicht dabei zu sein.
Sicher ist das Triftprojekt heute ausgeglichener als zu Beginn der Projektierung, mit einem gewissen Interessenausgleich und vielen Kompensationen. Und offenbar mit sorgfältigen Untersuchungen der Auswirkungen auf die Umwelt. Deutlich zeigt es sich, dass von den grossen Umweltverbänden keine oder kaum Opposition zu erwarten ist.
Noch im September 2017 reichen die KWO nun das Konzessionsgesuch ein. Später auch ein Baugesuch. Sie hoffen 2022 mit dem Bau beginnen zu können und 2030 das Kraftwerk Trift in Betrieb zu nehmen.
Die Begleitgruppe wird aufgelöst. Es soll aber eine sogenannte Informationsgruppe weiterbestehen.
(21.10.2017)