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Rundbrief 53, Mai 2012

Liebe Mitglieder, Freundinnen und Freunde

1987 haben wir im Löwen-Saal in Meiringen (heute Lyon‘s-Pub) den Grimselverein gegründet mit dem Ziel, das Naturschutzgebiet Grimsel auch künftigen Generationen zu erhalten. Die einmaligen über 400-jährigen Arven sollen noch Jahrhunderte weitergedeihen. Der weltweit am längsten und besten erforschte Unteraargletscher sowie sein facettenreiches Vorfeld dürfen nicht überflutet werden. Das Vierteljahrhundert währende und erfolgreiche Wirken des Grimselvereins wird in diesem September gefeiert.

Die beiden KWO-Plus Projekte Tandem und Grimsel 3, gegen die der Grimselverein keine Einsprache gemacht hatte, sind nun konzessioniert. Als nächstes Geschäft steht die Mauer-erhöhung am Grimselsee an. Wir werden hier unseren Einsatz zur Erhaltung der Sunnig Aar und des Gletschervorfeldes Unteraar unbeirrt und motiviert weiterführen. Die Position und die Argumente des Grimselvereins werden im vorliegenden Rundbrief dargelegt.
Moorschutz:
Das nächste Geschäft im Bernischen Grossrat im Zusammenhang mit "KWO Plus" ist die Erhöhung der Grimselmauer um 23 Meter. Der Grimselverein wird seine Kräfte weiterhin dafür einsetzen, dass dieses unverständliche Unterfangen nie in Angriff genommen wird. Das Gebiet ist eine der bedeutendsten Moorlandschaften der Schweiz und damit ist eine Güterabwägung tabu! Zudem ist das Gebiet Bestandteil des BLN-Inventars. Dies auch im Falle, dass der vom Bundesrat um 27 Meter erhöhte untere Moorschutzperimeter vom Bundesgericht rechtlich geschützt würde. Ein BLN-Gebiet darf nur beeinträchtigt werden, wenn ein anderes, nationales Interesse (Mauererhöhung) überwiegt und nachgewiesen werden kann, wobei gilt, dass Der Fortbestand der Sunnig Aar ist durch den Moorschutzartikel der Schweizerischen Bundesverfassung garantiert. Darum hätten wir es bei der Gründung des Grimselvereins nicht für möglich gehalten,
Ein Beispiel für die juristische Kraft des Moorschutzes:
Das Kloster Einsiedeln hatte vor zweieinhalb Jahren vier Baugesuche für Änderungsvorhaben in der Moorlandschaft auf der Insel Ufenau im Zürichsee eingereicht: Kernstück sollte der Neubau eines Sommerrestaurants vom Star-Architekten Peter Zumthor bilden. Die vom Kanton Schwyz erteilte Baubewilligung wurde von Aqua Viva angefochten. Das Bundesgericht hat am 6. Januar 2012 Aqua Viva Recht gegeben und die Baubewilligung für das Restaurant aufgehoben. Laut Urteil zählt die Insel Ufenau (Zürichsee) zu den Moorlandschaften von besonderer Schönheit und gesamtschweizerischer Bedeutung. Dieser Bundesgerichtsentscheid stützt unsere Argumentation, dass bei Moorschutzgebieten keine Güterabwägung möglich ist. Die Erfolgsaussichten zur Realisierung der geplanten Mauererhöhung um 23 Meter schwinden.
Das sollte die Berner Grossräte aufrütteln: Sie könnten mit einer Konzessionsverweigerung zur Mauererhöhung/Vergrösserung Grimselsee ihre Rolle als Hüter der Gesetze wahrnehmen und das Unterfangen der KWO (25 Jahre Fehlplanung) endlich stoppen.
Zur Energiedebatte:
Was wir aber alle wissen: Geld regiert die Welt. Und hier ist die geplante Mauererhöhung eines vieler Beispiele. Es geht einzig und allein um erhoffte Renditen und Gewinne und nicht um eine ausgewogene "nachhaltige" Energieversorgung, wie dauernd behauptet wird. Wir stehen ein Jahr nach dem schrecklichen Atomunglück in Fukushima. Hat sich - ausser der Absichtserklärung, aus der Kernenergie auszusteigen - in der Schweizerischen Energiepolitik wirklich etwas geändert? Wir wissen es nicht und bleiben skeptisch.

Enttäuschung über die Politiker

Das soeben konzessionierte Projekt Grimsel 3 wurde als Speicher für die Überschüsse aus erneuerbaren Energien (Wind, Sonne) propagiert. Der Grimselverein hat dagegen keine Einsprache erhoben und auch keine öffentliche Diskussion geführt.
Der Verein beteiligte sich mit den Herren Urs Eichenberger und Luca Vetterli jedoch aktiv im Ausschuss der Begleitgruppe "Tandem und Grimsel 3" des Kantons Bern.
Vor und während der Grossratsdebatte tauchten dann zwei Fragen auf: Der Bernische Grossrat setzte sich nicht mit diesen Fragen auseinander, sondern folgte dem Vorschlag des Regierungsrates, dass "der im Pumpbetrieb verwertete Strom soweit technisch möglich und wirtschaftlich tragbar aus erneuerbaren Energiequellen zu stammen hat". Der Grossrat verzichtete demnach mit grosser Mehrheit darauf, den Kraftwerken klare Richtlinien für ein Pumpen mit ausschliesslich sauberer Energie vorzugeben. Der Traum einer "Grünen Batterie" ist ausgeträumt (Bund und Berner Zeitung je am 26.03.2012). "KWO Plus" bedeutet Erwirtschaftung harter Franken ohne Wenn und Aber, primär auch die Verwertung überschüssiger billiger Bandenergie aus Atomkraftwerken im In- und Ausland und aus Kohlenkraftwerken. Die Weiterbetreibung von alten Atom- und Kohlekraftwerken wird dadurch querfinanziert.

Der Grimselverein begrüsst Aufwertung Handegg 2 und Innertkirchen 1

Das Teilprojekt "Tandem" der Kraftwerke Oberhasli AG wurde auch vom Grimselverein öffentlich befürwortet. Es macht Sinn, die Leistung der KWO zu steigern mittels der zwei neuen Kraftwerke Handegg 2 und Innertkirchen 1. Dabei resultiert eine Verbesserung des Wirkungsgrades schon alleine durch die Reduktion der Reibung an den Stollen (plus 40 MW). Insgesamt werden zusätzliche 70 GWh produziert.

AKW Mühleberg und Erhöhung Grimselmauer: Beide sind unnötig!

Beides war vielen schon lange klar: Das AKW Mühleberg ist nicht sicher, und eine Erhöhung der Grimselmauer kann und tut den Strom aus Mühleberg nicht ersetzen. Gemäss (offiziell noch nicht publizierten) Studien des Bundesamtes für Energie ist der Ausstieg aus der Atomenergie möglich, ohne dass ein einziges geschütztes Gebiet der Schweiz zerstört werden müsste. Momentan kalkuliert man in der Schweiz mit einem Energieverbrauch pro Kopf von 6‘000 Watt (ca. 60‘000 kWh). Ein sinnvolles Spar-Szenario müsste zu einem Energieverbrauch pro Kopf von 2‘000 Watt führen, genügend - aber nicht unbeschränkt. Effizienz führt zu Suffizienz.

Warum die 23 Meter keine zusätzliche Energie bringen (von Emil Feuz, Unterbach)

Viele Bürgerinnen und Bürger unseres Landes denken, mit einem grösseren Stausee an der Grimsel könnte man zum Beispiel das AKW Mühleberg ersetzen. Das geht leider nicht, weil das hinter der Staumauer anfallende Niederschlags- und Schmelzwasser schon bisher fast vollständig (mageres Restwaser) über die gesamte Höhe von rund 1300 Metern zur Stromerzeugung genutzt wurde. Was können die Kraftwerke mit dem grösseren See? Sie können lediglich länger warten, bis sie turbinieren müssen und damit haben sie etwas mehr zeitliche Flexibilität. Das sagen ja die Kraftwerksbetreiber selber so. Einem Milchbauern, der nur seinen hofeigenen Dünger ausbringt und nur hofeigenes Futter braucht, nützt ein um 2/3 grösserer Milchtank auch nicht mehr, als dass der Tankwagen zum Beispiel statt jeden zweiten bloss jeden dritten Tag die Milch abholen muss.
Es gibt im Fall Grimsel ein weiteres Problem: Auf dieser Landschaft liegt mehrfacher Schutz (Moorschutz, BLN, Naturschutzgebiet und anderes). Die Frage, ob ausgerechnet in einem so gut geschützten Gebiet Recht gebogen oder gebrochen werden soll, muss gestellt werden. Mit einem Höherstau geht nicht nur wertvolle Natur zugrunde, es leidet auch die Glaubwürdigkeit des Rechtsstaates, die Rechtssicherheit. Die Verlagerung der Stromproduktion an der Grimsel in den Winter hinein sollten wir auch einmal in Beziehung setzen zur saisonalen Verlagerung im ganzen Schweizer Alpenraum. Dann wird die Bedeutung deutlich kleiner.
Zur energiewirtschaftlichen Bedeutungslosigkeit der Mauererhöhung: die jährliche Strommehrproduktion von 20 GWh beträgt weniger als 0.1% der Stromproduktion in der Schweiz und die Verlagerung von 240 GWh vom Sommer in den Winter ergäbe eine Wintermehrproduktion von weniger als 0.4% !
Das Vereinsleben jenseits der Tagespolitik:

Rückblick Skitourentage 16.-18. März 2012 (von Andrea Gertsch, Unterseen)

"Bei besten Wetter- und Schneeverhältnissen fanden auch dieses Jahr die Skitourentage des Grimselvereins unter kundiger Führung von Res Leibundgut und Dres Schild statt. Von Grindelwald aus gelangten wir über die Wart zur Brochhütte. Gerstensattel, Schwarzenberg, Gstelliwang und Wandelhorn waren Ziele von Aufstiegen und Ausgangspunkte für rassige Pulver- und Sulzabfahrten. Danke allen für die drei Tage gemeinsames Er-Leben in unversehrter Natur, es war gut."

Abschied von Hans Willi, Hasliberg

Hans Willi, unser Revisor, hat uns für immer verlassen. Wir hatten in ihm einen treuen Freund und konnten gemeinsam die Solaranlage Ecole d’Humanité realisieren.

Jahresbeitrag

Der Jahresbeitrag beträgt CHF 20.00 für Einzelmitglieder und Familien sowie CHF 100.00 für Vereine und Gruppen. Spenden über den Jahresbeitrag hinaus sind stets sehr willkommen! Ein Einzahlungsschein liegt diesem Schreiben bei.
Kommende Anlässe des Grimselvereins :

Gletscherweib: Samstag, 7. Juli 2012

Und gerade weil die Landschaft am und hinter dem Grimselsee geschützt ist, steht das Gletscherweib auf dem Gletschervorfeld. Es ermahnt alle Wanderer und Berggänger, dieser einzigartigen Landschaft Sorge zu tragen. Wir besuchen und schmücken das Gletscherweib auch dieses Jahr. Priska Walss wird mit ihren bezaubernden Alphornklängen unseren Besuch musikalisch umrahmen. Treffpunkt Grimsel Hospiz um 10.10 (Meiringen ab 09:20). Es ist immer schön den Abend in der Lauteraarhütte zu verbringen, um gemeinsam zu essen, zu trinken und v.a. zu tratschen. Bitte Platz in der Hütte selber reservieren 033 973 11 10.


Termine bitte reservieren (Einladung erfolgt Ende Mai per Post)
Feuer in den Alpen:Samstag, 11. August 2012
Zum Jubiläum "25-Jahre Grimselverein":
Begleitausstellung l'art pour l'aar, Apéro ab 18.00 
Freitag, 7. September 2012
Grimselexkursion:Samstag, 8. September 2012
Jubiläum 25-Jahre Grimselverein:Samstag, 8. September 2012
Jahresversammlung:Sonntag, 18. November 2012
Der Vorstand des Grimselvereins wünscht euch einen Frühling voller erfüllender Momente.

Vorstand Grimselverein