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Rundbrief 50, November 2010
Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde
In der Sendung "Reflexe" vom 30. August 2010 auf DRS2 (zu finden unter:
http://www.drs2.ch/www/de/drs2/sendungen/reflexe/) wurden das Schaffen und Wirken des Philosophen und Wissenschaftshistorikers Michel Serres vorgestellt. Die Bemühungen des bald 80-jährigen Franzosen, den Graben zwischen Geistes- und Naturwissenschaften zu schliessen, sind wegweisend für die aktuelle Reflexion über Weltbilder und Lebensweisen. Speziell der Teil der Sendung, wo über Serres 1995 erschienenes Buch "Der Naturvertrag", berichtet wird, ist mit der geplanten Übernutzung an der Grimsel in direkte Verbindung zu bringen. Ganz dem Menschen entsprechend, sollen gemäss Serres juristische Rechte in einem generellen Sinne auch für die Natur gelten. Auch die Natur als juristische Grösse zu betrachten, darf leider noch nicht als garantiert angesehen werden. Die Natur wird vielmehr als Umwelt** betrachtet, demnach als ausbeutbares und schwächeres Glied wahrgenommen. Dies hat diverse Auswirkungen auf die Art und Weise wie der Mensch sich zu verhalten versteht, ohne auf einen Ausgleich erpicht zu sein, der in die Nähe eines respektvollen und vor allem gleichgestellten Umgangs mit der Natur führen würde.
(** Umweltorganisationen sollten sich darum um eine andere Benennung bemühen.)
Die Rolle des Grimselvereins, als Anwalt einer atemberaubenden Landschaft zu agieren, ist nicht naturgegeben. Immerzu das Einhalten von geltendem Recht einzufordern, ohne dass sich Prozeduren und Vorgehensweisen der verschiedenen Akteure über die Jahre geändert hätten, lassen am Staat und dessen Interessen zweifeln. Kann der Staat die Aufgabe des warnend pfeifenden Murmeltiers an einen nicht professionalisierten Verein abschieben? Die Verbandelung von Verwaltung und Wirtschaft führt dazu, dass die Verwaltung vergisst, auch die Wirtschaft in die Verwaltungstätigkeit einzubeziehen, vielmehr entsteht eine zweiläufige Optimierungsdynamik. Der Vorstand des Grimselvereins will sich der Rolle des Murmeltiers nicht entziehen. Es soll an dieser Stelle aber darauf aufmerksam gemacht werden, dass der enorme Kraft- und Zeitaufwand Spuren hinterlässt. Eine gewisse Müdigkeit ob der gemeinsamen Unterhöhlungstaktik von KWO und Kanton will nicht verschwiegen sein.
Ein Widerstandselan, wie er zurzeit gegen das Bahnhofsprojekt in Stuttgart existiert, wird leider im Vorstand wie auch in der Basis vermisst. Grosse und wiederkehrende Kraftspender wie das Gletscherweib und das Feuer in den Alpen – dieses Jahr kam die Einweihung eines weiteren Projekts hinzu – garantieren trotzdem für stetigen Mut und für Mut zum Trotz. Der Vorstand wehrt sich gegen den Vorwurf, der Müdigkeit erlegen und in einen untätigen Schlaf verfallen zu sein; die erwähnte Müdigkeit soll aber als einen weiteren, etwas grellen Pfiff an die Mitglieder gedacht sein. Junge und motivierte Vorständler wie auch aktive Basismitglieder sollen angeworben werden. Auch persönlich mag vielleicht jemand wieder herzhafter in das trotzige Pfeifkonzert im Hasli einstimmen.
Stand KWOplus
Am Montag, den 20. September hat die KWO im Rahmen ihres Investitionsprogramms KWO plus drei Konzessionsgesuche bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern eingereicht und die Konzessionunterlagen auch uns zur Verfügung gestellt.
Die Gesuche betreffen die Aufwertung der Kraftwerkskette Räterichsboden – Handeck (neues Kraftwerk Handegg 2a) – Innertkirchen (neue Turbine Innertkrichen 1), Tandem-Projekt genannt, das Pumpspeicherwerk Grimsel 3 zwischen Rätrichsbodensee und Oberaarsee sowie die Vergrösserung des Grimselsees. In einer späteren Phase müssen noch Baugesuche zu diesen Vorhaben eingereicht werden.
Der Ausschuss der Begleitgruppe, wo Präsident Eichenberger Einsitz hält, hat vorgängig der Eingabe die Ausgleichsmassnahmen diskutiert. Diese sollen in ihrer Gesamtheit für die beiden Projekte (Tandem und Pumpspeicherwerk) das Niveau der Neukonzession für das Aaretal und das Urbachtal erreichen. Im Aaretal ist eine Mehrnutzung vorgesehen, das heisst, es wird weniger Restwsser dotiert als im Gewässerschutzgesetzt vorgesehen ist. Dies wird im Gadmen- und Gental mit Massnahmen (Mehrschutz) ausgeglichen. Ob die vorgeschlagenen Massnahmen genügen, wird zur Zeit nochmals überprüft. Die Massnahmen umfassen nicht nur Dotierungen mit Restwasser, sondern auch andere Verbesserungen an den Gewässern, oder den expliziten zukünftigen Verzicht auf die Nutzung von noch nicht genutzten Gewässern im Konzessionsgebiet. Die KWO wollen u.a. auf die zukünftige Nutzung des Diechterbachs unterhalb der Gelmerhütte verzichten. Dies ist im Rahmen einer Schutz- und Nutzungsplanung (SNP) zulässig. Allerdings soll für die beiden Projekte nur das Prinzip einer SNP angewendet werden, nicht jedoch das Verfahren selbst. Dies ist angeblich das Resultat vertiefter Abklärungen zwischen dem Bundesamt für Umwelt (BafU), dem Amt für Wasser und Abwasser (AWA) des Kt. Bern und der KWO.
Bei der Frage der Grimselsee-Vergrösserung blieben die Differenzen unüberbrückbar. Der Gerichtsweg ist beschlossene Sache. Wir gehen davon aus, dass die künstliche Heraufsetzung des unteren Randes des Moorperimters durch den Bundesrat zwecks Ermöglichung einer Seevergrösserung den verfassungsmässig strengen Moorschutz verletzt. Dies wurde in bisher drei Gutachten u.a. von Herrn Peter Keller, Herrn Kölz und dem EJPD bestätigt. Wir sind guten Mutes. Die Umweltorganisationen erwarten von der Berner Regierung eine unvoreingenommene Prüfung dieser umstritten gebliebenen Rechtsfrage vor der Antragsstellung an den Grossrat.
Das AWA sieht folgenden Terminplan für das weitere Verfahren vor: Die Gesuchsakten (Konzessionsgesuch, Umweltverträglichkeitsbericht) werden formell und materiell geprüft. Dies nimmt Zeit in Anspruch bis Januar 2011. Dann erfolgt die Publikation mit der 30-tägigen Einsprachefrist. Anschliessend erfolgt die Behandlung der Einsprachen. Im Fall des Seevergrösserungsprojektes wird dies voraussichtlich bis November 2011 für die beiden andern Projekte bis April 2011 dauern. Es folgt dann die Phase der Vorbereitung des Konzessionsentscheides, diese dauert wiederum 7 bis 9 Monate. Liegt die Konzessionserteilung vor, so kann dagegen Beschwerde eingereicht werden. Bis sich das Bundesgericht abschliessend zur Moorperimeterfestlegung äussert, dauert es voraussichtlich zwei weitere Jahre.
Ende Oktober will der Kanton Bern für die Wasserfassungen der KWO die Sanierungsverfügung erlassen. Der Ausschuss der Begleitgruppe hat die Gewässersanierung parallel zu den Projektmassnahmen beraten und konnte diese auf viel höherem Niveau festlegen, als dies im Erstentwurf der kantonalen Verwaltung vorgeschlagen wurde. Damit können die Lebensräume der Fische in den Talflüssen bis unmittelbar unter die Fassungen aufgewertet werden und dies bereits vor der Realisierung der eingereichten KWO-Projekte.
Unabhängig davon hat die KWO ein Baugesuch für einen Paralleldruckschacht Kapf – Innertkirchen eingereicht. Die Umweltauswirkungen (Aushubdeponie in der Urweid) sind geringer als bei den Konzessionsprojekten. Durch die Nutzung des Paralleldruckschachts reduziert sich der Reibungsverlust gemäss Aussagen der KWO in einem Ausmass, dass sich die Baukosten von 85 Mio. CHF auch ohne Erweiterung des Kraftwerks Innertkirchen 1 rechnet. Hingegen bildet der Paralleldruckschacht die Voraussetzung für die Installation der zusätzliche Turbine gemäss Tandemprojekt.
Es ist notwendig, dass sich die Umweltorganisationen mit den eingereichten Projekten und der Sanierungsverfügung auseinandersetzen. Es ist deshalb eine Koordinationssitzung auf den 9. November einberufen worden mit den folgenden Themen:
- Orientierung über den allgemeinen Prozess
- Entscheidfindung Sanierungsverfügung
- Entscheidfindung Konzessionsgesuche
Wir bleiben am Ball und spielen fair und hart weiter.
Gletscherweib
Herrlich strahlte die Sonne am ersten Wochenende im Juli auf dem Weg zum Gletscherweib in die Lauteraar. Die Steindame inmitten des Gletschervorfelds demonstrierte erneut die Kraft und Würde der Landschaft. Sie wurde mit Fahnen neu geschmückt. Das Gebet von Fritz Widmer auf der Fahne soll das Anliegen nach Vertrauen, Verständigung und Respekt für die Menschen und die Natur unterstreichen. Durch die Alphornklänge von Priska Walss erhielt der Besuch den feierlichen, fröhlichen Rahmen.
Nicht wenige, welche Zeit und Lust hatten, rundeten den Besuch mit einer Übernachtung (von Heini Glauser organisiert. Herzlichen Dank!) in der Lauteraarhütte ab. Belohnt wurde das Weitergehen reichlich. Köstlich bekocht, konnte die Ruhe hoch über dem Gletscher genossen, die Kraft des Ortes dadurch erlebt werden.
Die Meldung, dass unser Gletscherweib im Laufe des Sommers ihres Schmucks beraubt worden ist, betrübt den Vorstand und alle, die bei der Erstellung des "Wybs" geholfen haben, sehr. Es kann kein Verständnis für diesen feigen Vandalenakt geben; weniger noch, wenn die Beschädigung der Fahnen religiös motiviert ist. Wir rufen dazu auf, falls Mut und Schreibfähigkeiten dazu vorhanden sind, sich bei uns zu melden. Der Grimselverein ist im Dialog geübt und nimmt Kritik gerne entgegen, nicht aber wenn sie auf eine derart plumpe Art und Weise getätigt wird.
Am 10.10.10, bei schönstem Herbstwetter, wurde das Gletscherweib nochmals besucht. Die Steinfrau stand an Ort und Stelle, die Fahnen waren allesamt entfernt. Mit neuen Fahnen bestückt thront sie nun also wieder im Gletschervorfeld. Ausser den Füssen klagte niemand über Müdigkeit, dies wird auch für weitere Instandsetzungen gelten. Spätestens im nächsten Jahr, am ersten Samstag im Juli, werden wir das "Wyb" wieder besuchen, denn ungebrochen ist der Widerstand gegen die Erhöhung der Mauer.
Feuer in den Alpen
Es machte den Anschein als hätte der Grimselverein im 2010 einiges Glück gehabt: Weil sich der Vorstand im Dezember zuvor beim Datum geirrt hatte, fand das Feuer eine Woche zu früh statt. Dies hatte aber positive Folgen: Nicht nur, dass der Kanton die Strasse just für den 7. August wieder geöffnet hatte, um sie am Montag wieder zu schliessen, auch das Wetter war formidabel. Dies war nicht nur für die üblichen Verdächtigen: Alphornbläser, Redner Meinrad Küttel und an die vierzig tapfere Grimselfreunde wichtig, sondern vor allem für das Fernsehteam der ARD, die für das Europamagazin einen Bericht zur Pumpspeicherung realisierten. Der Bericht ist zurzeit auf der Internetseite der ARD unter den Stichworten Europamagazin, Pumpspeicherkraftwerk oder 18.09.2010 zu finden.
Auch ohne Kamerakontrolle wird der Verein diesen frohen und munteren Anlass, der rein vom visuellen Eindruck her ein Vergnügen ist, wieder durchführen.
Einweihung der Solaranlage in Gadmen
Die Einweihung der Solaranlage beim Campingplatz Obermaad von Felix und Lupita Meier konnte am 4. September mit einem würdigen Fest begangen werden. Der Projektleiter Solar von der Firma Soltop machte uns mit den technischen Daten der Anlage bekannt. Dabei waren einige Vorstandsmitglieder, allen voran Peter Anderegg, der Initiant und Organisator der finanziellen Beteiligung am Projekt. Präsident Urs Eichenberger hielt seine obligate Rede, die zusammen mit den restlichen Begebenheiten von einem Journalisten der Jungfrauzeitung notiert und an die Leser getragen wurde.
Umrahmt wurde das Fest von der Musiktruppe "TRI PER DÜ" aus dem Tessin, welche die ausgelassene Stimmung der Anwesenden noch verstärkte. Aufs Königlichste wurden die Anwesenden durch selbstgefertigte mexikanische Gorditas und Tacos vom Ehepaar Meier verpflegt . Vielen Dank!
Skitourentage 2011
Die Skitourentage finden diesmal zu einer Vollmondzeit statt, nämlich vom 18. - 20. März 2011, der Ort ist noch nicht bestimmt. Interessierte sollen sich dieses Datum bitte in ihrer Agenda vormerken.
Generalversammlung
Die Einladung für die Generalversammlung am 21. November in Meiringen liegt diesem Schreiben bei. Die Veranstaltung ist öffentlich.
Herzlich wünschen wir allen einen farb- und lichtintensiven Herbst und dadurch ein kontrolliertes Übergleiten in die kalte Jahreszeit.
Vorstand Grimselverein