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Rundbrief 5, März 1990

Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde

der Grimselverein wächst nach wie vor: wir begrüssen herzlich die neuen Mitglieder. Und wir danken für die zum Teil grosszügigen Spenden!

Wichtige Ereignisse seit dem letzten Rundbrief im September 89

Die Pumpspeicher-Tagung in Guttannen, organisiert vom Grimselverein, war sehr gut besucht, interessant und fand in der Presse ein gutes Echo. Auch die anschliessende Exkursion war ein Erfolg - jedenfalls haben einige der TeilnehmerInnen gewünscht, die Tour im kommenden Herbst wieder zu machen.
An unserer Generalversammlung im November hat uns der WWF Schweiz den Grünen Zweig verliehen. Diese Auszeichnung wird einmal jährlich für besondere Leistungen im Umwelt- und Naturschutz vergeben. Wir freuen uns sehr über diese Anerkennung und sind stolz darauf.
Mitte Januar 90 haben die KWO Stellung genommen zu den beiden Grimsel-Berichten, die der Kanton Bern letzten Sommer veröffentlicht hat. Wir hatten allzu zuversichtlich erwartet, die KWO würden ihr Konzessionsgesuch zurückziehen, da das Projekt ja von der zuständigen Behörden als eindeutig nicht umweltverträglich beurteilt wurde und nach einem Gutachten der Elektrowatt unter Energiefachleuten in wirtschaftlicher Hinsicht höchst umstritten ist. Nun: die KWO halten an ihrem monströsen Vorhaben fest. Im Lauf des Jahrs 1990 sollen einzelne Teile des Projekts überprüft, eventuell abgeändert werden mit dem Ziel, das Ganze "umweltverträglicher" zu machen. Was an Varianten zur Zeit studiert und diskutiert wird, kann auf keinen Fall zu einer wesentlichen Verbesserung führen; mehr als Kosmetik ist unmöglich, weil die KWO nicht verzichten wollen auf eine auf den europäischen Markt dimensionierte Anlage. Anfangs 1991 werden die KWO dann ihre Vorschläge dem (neu gewählten!) Regierungsrat des Kantons Bern unterbreiten. Der Regierungsrat nimmt erst nach der Behandlung der Einsprachen, die neu im Frühling 91 zu erwarten ist, Stellung zum Konzessionsgesuch. Das ganze Verfahren verzögert sich also um mindestens ein Jahr.

Wir haben anfangs Februar eine Film-Premiere gefeiert: "Grimsel - ein Augenschein" wurde, nachdem der 45-Minuten-Film an den Solothurner Filmtagen eine ausgesprochen gute Presse gehabt hatte, im voll besetzten Bären-Saal in Guttannen gezeigt. Auch wir selber finden den Film sehr gut und weisen darauf hin, dass er verliehen wird von der Schweiz. Arbeiterbildungszentrale (SABZ), Thomas Hensel, Postfach 54, 3000 Bern 23, Tel. 031 455 669 (für Lehrer gratis!). Die kantonale Aareschutz-Initiative ist anfangs März eingereicht worden mit fast 35'000 Unterschriften - 12'000 wären nötig gewesen. Der Grimselverein gehört zu den Trägerorganisationen der Initiative. Sie kommt allerfrühestens Ende 1991 zur Abstimmung - falls sie angenommen wird, kann die Aare-Landschaft von der Grimsel bis zur Kantonsgrenze wirksam geschützt werden vor weiteren schweren Zerstörungen, und das Projekt Grimsel-West kann nicht realisiert werden.

Zwei Jahre nach dem Ja zur Rothenthurm-Initiative schreitet die Zerstörung der Moore kaum vermindert fort. Der Bundesrat zieht Notrechtsmassnahmen zum Schutz der letzten Moorgebiete in Betracht, der Kanton Bern befürwortet bundesrechtliche Sofortmassnahmen.Dies könnte für die Grimsel wichtig werden: die Moorlandschaften im Arvenwald befinden sich in einem BLN-Gebiet (Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung) und ihr absoluter Schutz ist u.E. in der Bundesverfassung, Artikel 24, vorgesehen.
Politische Vorstösse: Einzelne ParlamentarierInnen setzen sich mit Interpellationen u.ä. für die Erhaltung der Grimsel und für eine gescheitere Energiepolitik ein - danke!

Unsere Vorhaben für die kommenden Monate:

Am 28./29. April 90 wählt das Berner Volk eine neue Regierung und einen neuen Grossrat. Der Grossrat ist Konzessionsbehörde und wird in der nächsten Legislaturperiode über Grimsel-West entscheiden. Einzelne GrossrätInnen können diesen Entscheid vor allem durch ihre Voten und ihre Arbeit in den Fraktionen stark beeinflussen. Wir wollen uns einsetzen dafür, dass Grimsel-West im bereits angelaufenen Wahlkampf möglichst im ganzen Kanton zum Thema gemacht wird, alle KandidatInnen sollten auf ihre "Grimsel-Verträglichkeit" geprüft werden, sollten öffentlich klar und deutlich äussern, was sie im Parlament vertreten werden. Wir rufen alle Berner-Mitglieder des Grimselvereins auf, an Wahlveranstaltungen Fragen zu stellen zum Projekt der KWO und unbedingt grimselverträglich zu wählen! (vergleiche Beilage-Blatt)

Im Sinn einer Vorankündigung für die Mitglieder im Kanton Bern: wir planen im Hinblick auf die eventuell nötige Sammlung von Referendumsunterschriften (für den Fall einer Konzessionserteilung durch den Grossrat) und für den anschliessenden Abstimmungskampf um Grimsel-West, Regionalsekretariate einzurichten. Es wird initiative Vereinsmitglieder brauchen, die bereit sind, in dieser entscheidenden Phase Zeit und Kraft für die Rettung der Grimsel einzusetzen. Die längerfristige Organisation wird uns erleichtert, wenn sich Leute, die, vom Vorstand unterstützt, für ein Regionalsekretariat arbeiten wollen, jetzt schon melden.

Im Frühsommer wollen wir dem Gletscherweib, das sich zum Überwintern in eine Gletscherspalte zurückgezogen hat, wieder ans Licht helfen. Mitglieder aus der näheren Umgebung, die bei der Wiedererrichtung des Gletscherweibs mithelfen wollen, sind sehr willkommen. Bitte schreibt uns bis Ende Mai - wir benachrichtigen Euch, sobald es soweit ist.

Mit einem Feuer auf dem Sidelhorn, Tanz vor dem Gletscher und vielen anderen Freuden haben wir letzten Sommer auf der Grimsel ein heiteres und optimistisches Fest gefeiert. Heuer wird's vielleicht, da der Kampf um die Grimsel noch nicht entschieden ist und wohl Zähigkeit und Beharrlichkeit fordern wird, eher eine Mahnfeier... Wie auch immer: am 28./29. Juli 90 feiern wir auf der Grimsel. Wer teilnehmen möchte, soll sich bitte schriftlich melden bis Ende Mai - wir werden Programm und nähere Angaben an Interessierte verschicken.

Die Spätherbst-Exkursion (mit Bergführer) für Leute, die mit Pickel & Steigeisen umgehen können und ein wenig klettern, findet bei guten Verhältnissen statt vom 19.-21. Oktober 90. Wer mitkommen will, soll uns bitte schreiben bis Ende Mai.

Die folgenden Daten solltet Ihr Euch bitte merken:
- Am 18. Oktober 90 wird für einen Vortrag der Gletscherforscher Dr. Heinz Zumbühl nach Meiringen kommen.
- Unsere Generalversammlung wird am 17. November 90 in Meiringen stattfinden.

Vermischte Mitteilungen

- Der Grimselverein ist dem Verein "Mühleberg unter der Lupe" (MuL) beigetreten - vergleiche beiliegendes Informationsblatt.
- Die Platte mit dem Grimsel-Lied der Oberländer-Gruppe Proton kann für 6.50 im Handel bezogen oder bestellt werden bei: Rudolf Michel, Hauptstr. 10, 3855 Brienz.
- Unsere Postkarten mit den bedrohten Grimsel-Landschaften sind weiterhin erhältlich für 5.- pro Serie. Die farbigen Flugblätter sind gratis erhältlich.
- Die AKW-Lobby rüstet für einen mächtigen Werbefeldzug auf und benutzt den sogenannten Treibhauseffekt (Erwärmung der Atmosphäre) als Argument für mehr Atomkraftwerke. Dass dies eine ungeheuerliche Verdrehung der realen Zusammenhänge ist, kann nachgelesen werden in der sehr empfehlenswerten Broschüre "Ausstieg heisst Einstieg", zu beziehen bei der Schweiz. Energiestiftung SES, Sihlquai 67, 8006 Zürich.
- Zum Vormerken: am 28. April 90 findet zur Erinnerung an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl in Bern eine nationale Anti-AKW-Demo statt.
- Gibt es Vereinsmitglieder, die im Zusammenhang mit Grimsel-Aktivitäten von der Bupo oder von kantonalen oder städtischen Nachrichtendiensten beschnüffelt und registriert worden sind?- Bitte dem Vorstand melden!!

Die Mitgliederbeiträge für 1990 sind fällig - der Einzahlungsschein liegt bei. Wer nach dem 1. Januar 1990 in den Verein eingetreten ist, hat seinen Beitrag bezahlt.

Wir danken Euch allen für tätige und finanzielle Unterstützung und hoffen, dass Ihr in diesem langwierigen, zähen Kampf für die Grimsel den Mut nicht verliert!

Allen liebe Grüsse
der Vorstand