Diesen Rundbrief
drucken.
Rundbrief 49, Juni 2010
Liebe Mitglieder, Freundinnen und Freunde
Wir schreiben bereits das Jahr 23 der Vereinsgeschichte. Solange wartet die KWO auch auf eine Vergrösserung des Grimselsees. Ebenso lange warten wir auf eine definitive Verunmöglichung des Vorhabens oder einen definitiven Verzicht auf dieses. Die KWO nimmt jedoch einen neuen Anlauf und beabsichtigt das Gesuch einer Konzessionserweiterung für die Mauererhöhung (KWO plus Teilprojekt 3) noch diesen Sommer einzureichen. Ursprünglich hatte sie vorgesehen, dies Anfang Mai in einem Dreierpaket zusammen mit dem Ausbau des Verarbeitungsstranges Rätrichsbodensee – Innertkirchen (Teilprojekt 4 "Tandem", Ausbau Kraftwerk Innertkirchen 1 inkl. Druckschacht, sowie Ausbau Kraftwerk Handegg 2 mit neuem Zulauf vom Rätrichsbodensee und neuem Druckschacht) und des Pumpspeicherbetriebes Rätrichsbodensee – Oberaarsee (Teilprojekt 5) als Gesuch einzubringen. Die Aufteilung ist auf Wunsch des Kantons Bern erfolgt, damit die weniger umstrittenen Projektteile nicht wegen der angekündigten Beschwerde gegen die Mauererhöhung verzögert werden.
Die KWO haben sich entschieden, für jedes Teilprojekt eine Konzessionserneuerung resp. -erweiterung einzureichen und nicht die Gesamtkonzession aus dem Jahre 1962 zu erneuern. Man kann davon ausgehen, dass das Vorgehen mit 3 Teilkonzessionserneuerungen für die KWO Vorteile hat gegenüber einer Gesamtkonzessionserneuerung. Für alle Teilprojekte müssen unseres Wissens die gemäss Art. 31 ff des Gewässerschutzgesetzes (GSchG) notwendigen Restwasserdotierungen festgelegt werden.
Weiter wollen die KWO von Art. 32 Abs. c Gebrauch machen, damit sie die Mindestrestwassermengen tiefer ansetzen können. Dies ist nur möglich, wenn im Rahmen einer Schutz- und Nutzungsplanung (SNP) innerhalb eines begrenzten, topografisch zusammenhängenden Gebietes ein entsprechender Ausgleich mit geeigneten Massnahmen, wie Verzicht auf Wasserentnahmen andernorts erfolgt. Als Perimeter für die Schutz- und Nutzungsplanung hat der Kanton das Gebiet festgelegt, welches die Gemeinden Gadmen, Innertkirchen und Guttannen, sowie die Talebene zwischen Aarschlucht und Brienzersee umfasst. Die Ausdehnung über das eigentliche Wassernutzungsgebiet innert dem Kirchet hinaus, ermöglicht es, dass sich die KWO an Renaturierungsmassnahmen am Hochwasseschutzprojekt Aaresschlucht-Brienzersee beteiligen kann.
Die Schutz- und Nutzungsplanung wird durch eine Fachgruppe bestehend aus Vertretern des Kantons und der KWO mit fachlicher Unterstützung der Firma Sigmaplan erarbeitet. Sie wird dem Ausschuss der Begleitgruppe zur Stellungnahme vorgelegt. Die Schutz- und Nutzungsplanung ist durch den Bundesrat zu genehmigen.
Die grundsätzliche Stossrichtung der KWO besteht darin, im Aaretal, da wo sie Wasser speichern können, mehr zu nutzen und im Gadmental mehr zu schützen. Im Klartext heisst das: weniger Restwasser im Aaretal, dafür mehr Restwasser im Gadmen- und Gental. Anstelle von Restwasser sind auch andere sogenannte Ersatz- und Ausgleichsmassnahmen (Revitalisierung, Aufwertung von Lebensräumen etc.) möglich. Bis heute ist die Zuteilung der einzelnen von den insgesamt 27 Fassungen zu den verschiedenen Teilprojekten von KWO plus noch nicht geklärt, und offen sind auch noch die Anteile der einzelnen KWOplus Projekte am gesamten Massnahmentopf resp. an den Restwasserdotationen gemäss SNP. Die KWO wollen den überwiegenden Teil (70%) erst mit Erhöhung der Grimselmauern umsetzen. Das macht die Sache nicht einfacher, und im Ausschuss der Begleitgruppe, der die technischen und umweltrelevanten Aspekte mit den Kraftwerken direkt verhandeln soll, spielen auch Verfahrensfragen eine grosse Rolle.
Unabhängig davon ob die KWO weitere konzessionspflichtige Ausbauten plant, müssen gemäss GSchG die bereits genutzten Gewässer gemäss Art. 80 ff. saniert werden. Die KWO und der Kanton Bern, aber auch viele andere Wasserkraftwerke sind mit der Sanierung der Gewässer in Verzug. Die ursprünglich festgesetzte Frist wurde vom Gesetzgeber von 15 auf 20 Jahre auf 2012 verlängert. Aktuell erarbeitet der Kanton Bern eine Sanierungsverfügung aus, in der festgehalten wird, bei welchen Fassungen wie viel Restwasser dotiert werden muss. Grundlage dazu bildet ein Sanierungsbericht, den die KWO erstellt hat. Der Kanton erachtete diesen aber als ungenügend und liess in der Folge durch die Firma Sigmaplan einen neuen Bericht erstellen. Mit diesem Ergebnis waren wiederum die KWO nicht einverstanden und sie entwickelte daraus einen Synthesevorschlag, der auch vom Kanton als Grundlage akzeptiert wurde.
Massgebend für die Beurteilung von angemessenen Restwassermengen sind die Art. 31 ff. GSchG. Dies gilt grundsätzlich auch für Sanierungsverfahren nach Art. 80 und basiert auf einem im Gesetz festegelegten Anteil der Abflussmenge Q347. Diese Grösse entspricht derjenigen Wassermenge knapp unterhalb einer Fassung, die an höchstens 20 Tagen im Jahr natürlicherweise unterschritten würde, resp. an 347 Tagen im Jahr mindestens fliessen würde. Bei einigen Fassungen, fehlen offenbar immer noch genauere Daten über die Abflussmengen Q347.
Inzwischen hat sich die KWO nach Rücksprache mit dem Bundesamt für Umwelt entschieden, für die Teilprojekte 4 und 5 keine SNP, sondern nur einen Umweltverträglichkeitsbericht (UVB) zu erstellen, in den die in der SNP vorgesehenen Massnahmen eingebettet werden sollen. Das vorliegende Angebot der KWO zur Gewässersanierung überzeugt noch nicht. Die Sanierungsmöglichkeiten werden offensichtlich nicht ausgeschöpft, geht doch die Behörde selbst davon aus, dass mit einer Erlösminderung von 1 % diese Grenze nicht erreicht wird. Nach Art. 80 Abs. 1 GSchG muss ein Gewässer unterhalb der Entnahmestelle so weit saniert werden, als dies ohne entschädigungsbegründende Eingriffe in bestehende Wassernutzungsrechte möglich ist. Dieser wird gemäss Prof. Riva auf 2% geschätzt. Hauptdefizit orten wir an der Aare und im Leimboden (Gental). Aus unserer Sicht wird hier viel zu wenig dotiert. Wir bleiben dran resp. am Wasser.
Die Arbeit im Ausschuss ist im Vergleich zu den Grimsel Spirit Gesprächen offener, substanzieller, aber auch aufwändiger. Grundlagen und Fachberichte werden auf Anfrage zur Verfügung gestellt. Allerdings sind die Dossiers sehr umfangreich, und ohne Unterstützung durch Luca Vetterli wäre ich an den Sitzungen zeitweise gestresst, weil die KWO immer wieder versuchen, aus ihrem Informationsvorsprung Profit zu ziehen, resp. in letzter Minute wieder Aenderungen zu präsentieren. Sehr dankbar bin ich auch für den Support von Dres Schild, er kennt das Hasli und die KWO seit der Vereinsgründung, sowie Tobias Winzeler. Mit seiner grossen Erfahrung kann er uns immer wieder aufzeigen, wo rechtliche Mängel liegen resp. wo Vorschläge nicht dem Sinn und Geist des Gesetzes entsprechen und wo interveniert werden kann und muss.
Wasserstrategie des Kantons Bern
Der Kanton Bern hat seine im Auftrag des Grossen Rates erstellte Wasserstrategie in die Mitwirkung geschickt. Wie sich den vorliegenden Unterlagen entnehmen liess, wurde die Sicht einseitig auf die Wasserbeschaffung gelegt, der Schutz der Gewässer und der tangierten Lebensräume hatte nicht dasselbe Gewicht, eine ganzheitliche Betrachtung fehlte. Der Kanton hat die Flüsse und Bäche in die Kategorien "realisierbar", "erschwert realisierbar mit Auflagen" und "nicht realisierbar" eingeteilt. Quasi alle noch nicht genutzten Gerinne im Oberhasli sind zur Nutzung mit Auflagen freigegeben. Der Grimselverein hat in seiner Stellungnahme die Einteilung der Gletschervorfelder und der regionstypischen hochwertigen und wenig beeinträchtigten Gebirgsbäche in die Kategorie "keine Nutzung" verlangt. Wir hoffen auf Korrekturen. Ein ganz krasses Beispiel, wie die Jagd nach den letzten Gebirgsbächen erfolgt, erleben wir mit dem Projekt "Schattenhalb4" der BKW, welche den oberen Reichenbach nuzten will.
Schattenhalb4
Mit der Möglichkeit der kostendeckenden Einspeisevergütung für die Stromproduktionsanlagen mit erneuerbaren Energien (Solaranlagen, Windenergieanlagen, Wasserkraftwerke), wurde die Nutzung des oberen Reichenbachs plötzlich rentabel. Die BKW wollen das Projekt umgehend auflegen. Gegen diese Zerstörung haben sich engagierte BewohnerInnen des Haslitals zusammengefunden und den Verein Schattenhalb4 gegründet. Ziel des Vereins ist es, das Projekt durch Einsprachen zu verhindern. Der Grimselverein unterstützt die Anliegen des neuen Vereins und wird ebenfalls Einsprache erheben. Wir empfehlen unsern Mitgliedern, dem Verein beizutreten und diesen nach Möglichkeit persönlich zu unterstützen. Wir dürfen nicht zulassen, dass noch mehr Natur für die Gewinnmaximierung der BKW in nicht akzeptierbarer Weise beeinträchtigt wird. Wir meinen, es genügt, dass bereits der weltberühmte Reichenbachfall quasi trockengelegt ist, der obliegende Bachabschnitt darf nicht tangiert werden. Diesem Rundbrief ist ein Flyer mit Anmeldetalon des neuen Vereins beigelegt.
Windkraftprojekt an der Grimsel
Das Windkraftprojekt an der Grimsel wurde an der Generalversammlung durch den Mitinitiator Andy Imfeld aus Ulrichen vorgestellt. Die Sicht der Umweltverbände vertrat Brigitte Wolf von den Grünen Obewallis. Die Gelegenheit zum Fragen stellen wurde rege benutzt. Das Projekt Windkraft soll gemäss Imfeld jedoch am Griesspass erstellt werden, weil das Grimselpassgebiet als weniger geeignet beurteilt wird, wie auch Brigitte Wolf darlegte. Im Moment muss sich der Verein deshalb noch nicht mit dem Projekt auseinandersetzen, wir werden mit den KWO Projekten genug ausgelastet.
Hochwasserschutzprojekt Meiringen – Brienz
Ende Februar 2010 fand die vorläufig letzte Sitzung der Begleitgruppe statt. Das Konzept sieht nun drei Abschnitte vor. Von der Aareschlucht bis Balm wird das Flussbett für ein 100-jähriges Hochwasser dimensioniert. In diesem Bereich sind auch grössere Renaturierungsmassnahmen denkbar. Die KWO kann sich daran beteiligen. Die KWO ist sehr interessiert, da sie gemäss Aussagen von Max Ursin finanzielle Investitionen bevorzugen und Erhöhungen der Restwassermengen vermeiden möchten. Ab Balm bis Stägmattbrücke wird die Aare rechtsseitig von der Bahn und linksseitig von der Strasse begleitet. Dies wird so bleiben, das heutige Schutzziel für diesen Abschnitt wird belassen, es wird ein Entlastungskorridor (Abflussfläche über den Flugplatz) geschaffen. Im Mündungsbereich der Aare sind grössere naturnahe Gestaltungen vorgesehen.
Skitourentage vom 26.- 28. März 2010
Letztes Jahr mussten wir die GrimslerInnenskitour wegen dem Wetter und den Lawinenverhältnissen absagen, dieses Jahr fand die Skitour des Grimselvereins statt! Zwar haben Wetter und Schneeverhältnisse uns auch dieses Jahr nicht freie Hand gelassen und uns verboten die geplante Route von der Göscheneralp übers Sustenhorn in den Steingletscher und von dort über den Uratstock durchs Wendental nach Gadmen zu wandern und fahren. Aber wir konnten vom Steingletscher aus zwei kleine Ausflüge Richtung Giglistock und Fünffingerstöcke machen. Der Samstag war unser Supertag, da stiegen wir bei Strahlend blauem Himmel auf das Sustenhorn. Zu unserer Freude kam kein einziger Helikopter mit Pseudoskifahrern drin, alle die auf dem Gipfel waren, waren aus eigener Kraft auf den Berg gestiegen.
Blick in die Zukunft
Gletscherweib 3. Juli 2010: Wie jedes Jahr werden wir das Gletscherwyb am ersten Wochenende im Juli besuchen. Wir treffen uns spätestens um 10:08 beim Grimselhospiz (Ankunft des Postauto). Abfahrt Meiringen 09:20. Individuell oder zusammen nehmen wir den Weg entlang des Grimselsees unter die Füsse. Es sollte genug Zeit zum Staunen und Verweilen geben. Um 13:00 wird Thomas Schott das Gletscherwyb und uns begrüssen. Dieses Jahr sind wir ohne Musik. Umso mehr wollen wir das tapfere Wyb mit vielen Fahnen farbig schmücken. Bringt Fahnen und genug Schnüre mit!
Für Rückfragen: Doris Heiniger, P: 033 971 36 68 oder G: 033 972 56 71.
Heini Glauser hat die gesamte Lauteraarhütte am Wochenende 3./4. Juli für den Grimselverein, resp. für Gletscherwyb-TeilnehmerInnen reserviert.
Verbindliche Anmeldungen mit folgenden Angaben:
- Name(n)/Vorname(n) u. Wohnort aller Anzumeldenden
- Verantwortliche(r) für die die Anmeldung, inkl. e-mail-Adresse
- SAC-Mitglied?
- VegetarierIn?
bitte mailen oder per Post an Heini Glauser
L`art pour l`aar: stellt Anfang Juni am Steingletscher ein Gewächshaus auf. Helfer sind willkommen. Das Kunstwerk kann bis Ende September besichtigt werden. Es steht nicht auf KWO Boden. Wer bei der Installation mithelfen möchte, möge sich bitte bei Adolf Urweider melden. Tel. 076 344 62 93 resp. 033 971 62 93
Feuer in den Alpen: 7. August. Siehe Beilage
Einweihung Solaranlage Camping Obermad: 4. September
Der Campingplatz Gadmen, der seit elf Jahren von Felix Meier geführt wird, möchte eine Solaranlage für die Warmwasseraufbereitung installieren. Ausserdem ist eine Leitung zum Wohnhaus der Familie vorgesehen, so dass auch überschüssige Wärme zum Teil noch für Heizungszwecke genutzt werden kann. Die Gesamtkosten der Anlage belaufen sich auf Fr. 40'000.-, von denen der Grimselverein 20'000 Fr.- beisteuern wird. Wir schätzen uns glücklich, in einem KWO-Dorf jemanden mit einem solchen Projekt unterstützen zu können, der sich auch als Unternehmer nicht schämt, als Grimselvereinssympathisant dazustehen. Am 4. September wird die Anlage festlich eingeweiht.
Generalversammlung 2010: 21. November in Meiringen
Jahresbeitrag: Der Jahresbeitrag ist fällig! CHF 20.- für Einzelmitglieder und Familien, CHF 100.- (mindestens) für Vereine und Gruppen, Spenden sind unbegrenzt willkommen. Auf ein baldiges Wiedersehen auf der Grimsel freut sich der Vorstand und wünscht allen eine schöne Zeit.