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Rundbrief 45, Mai 2008

  Mich ergreift, ich weiss nicht wie,
himmlisches Behagen.

(Anfang von Goethes "Tischlied" , 1802)



Liebe Mitglieder, Freundinnen und Freunde

Das Jubiläumsjahr liegt hinter uns, und an der letztjährigen GV wurden eine Jubilarin und zwei Jubilare wegen ihres besonderen Einsatzes für unseren Verein zu Ehrenmitgliedern gekürt: Adolf Urweider, unser erster Präsident, der die "Karre" überhaupt erst ins Rollen gebracht hatte, gefolgt von Katharina von Steiger, die als zweite Präsidentin das mühsam gesponnene Beziehungsnetz erweiterte, dabei stets die KWO-Oberen im Blickwinkel, und Alexander Schläppi aus Guttannen, der, obwohl nie Präsident, für uns ein absoluter Sonder- und Glücksfall war und immer noch ist. Er schleppte Jahr für Jahr fast 20 mal Brennholz aufs Sidelhorn, würzte Führungen in der Sunnig Aar mit Anekdoten und fesselte selbst die jüngsten Wanderinnen mit Geschichten aus seinem grossen Wissen über bemooste Steine, Pflanzen und deren Zusammenhänge in der Natur.

Ihr Einsatz wurde je mit einer "Laudatio" sowie mit Diplom und Kalender, bestehend aus den Impressionen der Sunnig Aar und dem Gletschervorfeld, eingefangen in den Fotos von Mary Leibundgut, geehrt.

Und was hat sich in der Zwischenzeit sonst noch alles getan?


Die Baubewilligung für die Mauererhöhung ist nichtig!

Das Verwaltungsgericht des Kantons Bern hat entschieden. Der Gesamtbauentscheid des Wasserwirtschaftsamtes des Kantons Bern vom 14. März 2007 und das koordinierte Baubewilligungsverfahren gemäss Baugesuch vom 14. Oktober 2005 zur Erhöhung der Staumauer des Grimselsees wurden von Amtes wegen aufgehoben! Die Kosten des Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht tragen die KWO.
Das Verwaltungsgericht hat festgehalten, dass der Gesamtbauentscheid im falschen Verfahren und durch eine unzuständige Behörde erteilt worden sei. Nötig sei ein Konzessionsverfahren, Bewilligungsbehörde sei der Grosse Rat. Das Projekt gehe wesentlich über die bestehenden Nutzungsrechte gemäss Gesamtkonzession hinaus. Es hätte nicht durch das Baubewilligungsverfahren beurteilt werden dürfen, sondern durch ein Konzessionsverfahren.
Die KWO können gegen den Entscheid beim Bundesgericht rekurrieren oder das Urteil akzeptieren. Die Chance, dass die höhere Instanz einen andern Entscheid fällen wird, sind als gering einzustufen. Die KWO und andere Wasserkraftwerke der Schweiz könnten aber ein Interesse daran haben, die Frage der Anwendbarkeit des Baubewilligungsverfahrens bei Erweiterungen von Wasserkraftanlagen durch das oberste Gericht präzisieren zu lassen. Sie haben dazu 30 Tage Zeit. Wie auch immer die KWO entscheidet, ein definitiver Entscheid zum Projekt der Mauererhöhung liegt frühestens in 2 bis 3 Jahren vor.
Der Grimselverein und die andern beschwerdeführenden Umweltorganisationen haben mit Genugtuung auf den Entscheid reagiert. In einer gemeinsamen Pressemitteilung haben wir so unsere Freude kundgetan. Aktuelle Gewinnerin dieses Entscheides ist die Natur. Hält die KWO am Projekt fest (wir gehen davon aus), dann muss sie eine Änderung der bestehenden Konzession beantragen. Damit kommen die 1992 im Gewässerschutzgesetz festgelegten strengeren Restwasservorschriften zur Anwendung. Das heisst, dass Bachbette unterhalb der bestehenden Wasserfassungen, abgesehen von wenigen im Gesetz festgehaltenen Ausnahmen, nicht mehr trocken gelegt werden dürfen. In der Handeck und damit über den Handeggfall würde wieder Wasser fliessen. Dies wollten die KWO und der Kanton Bern mit einem Baubewilligungsverfahren umgehen. Sie stützten sich dabei auf ein juristisches Gutachten. Wie bisher immer, wäre die KWO gut beraten gewesen, auf den Grimselverein zu hören. Wir haben bereits vor dem Einspracheverfahren auf dieses aus unserer Sicht falsche Verfahren hingewiesen und in Aussicht gestellt, dass wir diesen Punkt von einem Gericht beurteilt haben wollen.
Das Gericht ist nicht auf die andern zwei Hauptpunkte der Beschwerde eingetreten, da grundsätzlich zuerst ein richtiges Verfahren durchgeführt werden müsse. Es sei nicht Aufgabe des Gerichts, Rechtsfragen gleichsam auf Vorrat zu beantworten. Alle Verfahrensbeteiligten haben das Interesse an der Beurteilung der Rechtmässigkeit der Moorperimeterverkleinerung und der Frage, ob die energiewirtschaftliche Bedeutung den Schutz der Landschaft von nationaler Bedeutung (BLN Gebiet Berner Hochalpen) überwiegt. Diese Punkte müssen im Konzessionsverfahren geklärt werden.
Die KWO gehen zusammen mit ihren Besitzern über die Bücher, wie der Verwaltungsratspräsident und Vertreter der BKW Peter Schmid mitteilte. Dies können wir nur begrüssen, denn der Beitrag der "Mauererhöhung" gegen die immer wieder angekündigte Stromversorgungslücke im Winter muss auch vor dem Hintergrund der Klimaveränderung beurteilt werden. Die Niederschläge verlagern sich gemäss Prognose zunehmend vom Sommer in die Spätherbstzeit und fallen bis in grössere Höhen als Regen an. Sie müssen deshalb nicht im August zurückgehalten werden. Zudem hat der Bund Massnahmen zur Reduktion des CO2-Ausstosses eingeleitet und z.B. ein Verbot des Ersatzes von Elektroheizungen durch Elektroheizungen in Aussicht gestellt. Wie kürzlich in der Presse gemeldet, ist wegen des warmen Winters 06 / 07 die Gesamtnachfrage nach Strom im Jahr 2007 erstmals seit 10 Jahren um 0.6% zurückgegangen. Man kann sich erinnern, dass die Schweizer Stauseen zu Beginn des Wiederaufstaus im Frühjahr 07 noch zu durchschnittlich 35% gefüllt waren. Dazu kommt, dass die mit einem Konzessionsverfahren nach Gesetz vorgeschriebenen Restwassermengen nicht mehr turbiniert werden können und damit den Ertrag mindern. Die Zweckmässigkeit der Mauererhöhnung aus betrieblicher und nationaler Sicht nimmt damit ab. Die Chancen des Erhalts des einmaligen dynamischen Gletschervorfeldes und der Sunnig Aar steigen.


Pfuschi 2002


Windkraftprojekt an der Grimsel
So, wie dem Grimselverein anlässlich der letztjährigen Hauptversammlung aufgetragen worden war, hat er sich mit dem Für und Wider auseinander gesetzt und ist zu folgendem Schluss gekommen:
Vorläufig betreibt man noch Kontaktpflege, so mit dem Gemeindepräsidenten von Oberwald, selbst Chef der Kommission, die das Projekt betreut. Die Planung steckt noch in den Anfängen, aber bereits vorgenommene Messungen zum möglichen Standort und Windverhältnissen sind vielversprechend. Andere Fäden laufen zur Vogelwarte Sempach, wo Beobachtungen zu Vogelflug, Flugverhalten u.a. noch längst nicht abgeschlossen sind. Die mit der Kontaktaufnahme betrauten Vorstandsmitglieder stehen wachsam in laufendem Gespräch mit diesen und weiteren Kontaktstellen.


Hochwasserschutzprojekt Meiringen - Brienz
Ende 2007 stellten Ingenieure des Oberingenieurkreises anlässlich einer Veranstaltung in Meiringen den weiteren Ablauf zum Hochwasserschutz vor. Ausser WWF, Pro Natura, Vertreter der KWO und der Gemeinden war auch Urs Eichenberger als Vertreter des Grimselvereins anwesend.
Renaturieren wird der in dieser Sache federführende Kanton, womit das Problem von Schwall/Sunk automatisch mit einbezogen sein wird, losgelöst aus dem Einflussbereich der KWO. Der Bund finanziert das Vorhaben mit, das bis 2009 projektiert sein soll. Zurzeit befasst sich der Kanton mit den Auswirkungen für den Hochwasserschutz.


Baugesetzänderung
Hier geht es darum, in der Revision des Bernischen Baugesetzes das Einspracherecht der lokalen und regionalen Natur- und Heimatschutzorganisationen zu beschneiden. Einspracheberechigt wären nur noch die kantonal tätigen Organisationen. Auch dem Grimselverein würde man dann den Maulkorb verpassen. Ja, das könnte so manchen passen! Aber schlimmsten Falls würden wir unter die Fittiche der zur Beschwerde berechtigten Organisationen Pro Natura oder Aqua Viva schlüpfen und uns von ihnen vertreten lassen.


Skitourentage vom 28. - 30. März 08
Siebzehn Unentwegte bestiegen ab Oberwald drei Gipfel und konnten die Grimsel einmal von der Walliser Seite her betrachten. Die guten Schneeverhältnisse erlaubten wunderbare Abfahrten und legten gnädig einen Mantel über Strassen und andere zivilisatorische Errungenschaften. Ein paar Windräder auf dem Pass hätten den Blick wahrscheinlich nicht gestört. Trotz orkanartiger Winde wurde "unser" Sidelhorn bestiegen. Einige traten den Heimweg ins Hasli direkt an, andere zogen die prächtigen Südhänge vor und kamen so in den Genuss der schnellen, neuen Neat.



Blick in die Zukunft

Besuch der kantonsrätlichen Kommission (ZH) zur Aufsicht über ZKB, EKZ und GVZ im Grimselgebiet:
Am 2. Juli 2008 wird besagte Kommission das Grimselgebiet in Augenschein nehmen und hat ausdrücklich darum gebeten, nicht nur von den KWO informiert zu werden. Auch ist eine Wanderung ins Gebiet vorgesehen, die von Doris Heiniger, Urs Eichenberger, sowie Heini Glauser, Lucca Vetterli und Emil Feuz begleitet werden soll. Als Informationsmaterial stehen die WWF-Broschüre "Grimsel in Gefahr" und zur Dokumentation ein Poster mit Bildern aus dem Gebiet zur Verfügung.

Gletscherweib: Am Samstag, 5. Juli 2008 werden wir wie jedes Jahr das Gletscherwyb besuchen. Sie verdient, noch mehr als alle Jahre davor, grossen Dank für ihre Unterstützung. Sie hebt den Blick und wacht über die Grimsel, das Gletschervorfeld und den Arvenwald und wird weiterhin helfen, dass der Grimsel kein Schaden zustösst. Wir wollen feiern, jubilieren und holejen. Für die musikalische Untermalung sorgen Ruth und Res Margot, zwei Klangkünstler aus dem Berner Mattequartier. Kommt in grosser Zahl, bringt Verwandte und Freunde mit! Es gibt ein Fest, wir verstärken das Gletscherweib wo nötig und schmücken sie mit neuen Fahnen.
Organisatorisches: Wir treffen uns beim Grimselhospiz um 10:10. Anreise mit dem Postauto: Meiringen ab 09:20, Grimsel Hospiz an 10:09. Letzte Rückfahrt: Grimsel Hospiz ab 17:41.
Ein Besuch im Lauteraar lohnt sich. Wer in der Hütte übernachten will, bitte Platz selber reservieren.
Für Rückfragen: Doris Heiniger, P: 033 971 36 68 oder G: 033 972 56 71.

L'art pour l'aar: Je nach Wetter, vom 4. bis 9. August 2008, entlang der Oberaarstrasse, etwas unterhalb des Trübtensees

Feuer in den Alpen: Der Grimselverein lädt am 9. August 2008 zum "Feuer in den Alpen ein." Wir wollen dieses Jahr an das schöne Fest vom 2007 anknüpfen und wiederum auf dem Gipfel des Sidelhorns feiern. Wie es sich eingebürgert hat, werden Alphornbläser und ein Redner die Grimsler bei guter Witterung auf das Sidelhorn begleiten und für die Unterhaltung sorgen. Kommt zuhauf! (Details siehe bieliegender Flyer)

Motorfahrzeugfreier Sustenpass am 20. September 2008:
An diesem Tag (Samstag) wird die Susten Passstrasse von 10.00 - 17.00 Uhr für den motorisierten Verkehr zwischen Gadmen (Obermad) und Wassen gesperrt. Der Verein Frei Pass (www.freipass.ch) organisiert an diesem Tag zusammen mit verschiedenen Partnern ein attraktives Rahmenprogramm. Der Grimselverein unterstützt den Anlass finanziell. Erwartet werden wie letztes Jahr am Furkapass zahlreiche Teilnehmer (Wanderer, Biker etc.). Wer die Passgegend einmal lärmfrei erleben möchte kann dies an diesem Samstag tun. Der Postautobetrieb über den Pass wird aufrecht erhalten. Ein zusätzliches Fahrplanangebot wird vor dem Anlass kommuniziert.
Für Rückfragen: Peter von Arx, P: 033 971 42 09

Generalversammlung: 23. November 2008

Der Jahresbeitrag ist fällig! CHF 20.- für Einzelmitglieder und Familien, CHF 100.- (mindestens) für Vereine und Gruppen, Spenden sind unbegrenzt willkommen.

Auf ein baldiges Wiedersehen freut sich der Vorstand und wünscht allen eine schöne Zeit.