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Rundbrief 44, Oktober 2007
Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde
Das Getöse rund um den unsäglichen Wahlkampf hat die Realpolitik schweizweit in den Hintergrund gerückt, auch im Hasli. Gut, dass die Grimselfrage während dieser Zeit beim Verwaltungsgericht deponiert war. Nach einem kurzen Bericht zum Stand der Dinge im Justizfall Grimsel, wollen wir in diesem schnapszahligen Rundbrief die vielseitigen Festlichkeiten des Jubiläumsjahrs 2007 Revue passieren lassen - Feiern als Kernkompetenz.
Zum laufenden Beschwerdeverfahren:
Das Verwaltungsgericht prüft den Fall offenbar sehr sorgfältig. Die Fragen die wir aufgeworfen haben, sind an die KWO und das Wasserwirtschaftsamt des Kt. Bern (WWA) zur Beantwortung weitergeleitet worden. Es macht den Anschein, dass das Verfahren noch eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen wird. Diese seriöse Abklärung ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass das Verwaltungsgericht davon ausgeht, dass der Fall von einer der Parteien ans Bundesgericht weitergezogen wird.
Jubiläum:
Zwei Jahrzehnte lang hat der Grimselverein Widerstand geleistet. Im Herbst 1987 formierten sich revolutionär angehauchte Freunde des Lebens, Freunde der Natur, Freunde der Grimsel im Oberhasli zu einer Bewegung. Unter grossem Aufwand wurde ein Netz des Widerstands gegen das Irrsinnsprojekt „Grimsel-West“ gestrickt. Seit dem 19.09.1987 haben zahlreiche Mitglieder Herzblut und sehr viel Zeit in den Grimselverein investiert - mit Erfolg: das Projekt „Grimsel-West“ wurde begraben, die Mauer ist noch keinen Meter höher geworden und der Grimselverein findet trotz schwierigen Umständen immer noch Unterstützung in breiten Kreisen, was ein gutes Zeichen ist. Die 20-jährige Geschichte des Grimselvereins ist vielseitig und bewegend - anstatt darin zu schwelgen, wollen wir uns an dieser Stelle den jüngsten Ereignissen widmen: für die viel gepriesene Kernkompetenz des Grimselvereins, das Feiern, bestanden im Jubiläumsjahr viele Gelegenheiten. Nicht zuletzt aus diesen Anlässen schöpfen wir die nötige Energie, weiterhin aufsässig für die Interessen der Grimsel zu kämpfen.
Gletscherweib:
Die alte Dame thront vornehm inmitten des Gletschervorfeldes. Als Symbol für den Erhalt der Bergwelt trotzt sie am Rande des Hüttenwegs in die Lauteraar Wind und Wetter und wird alljährlich von Jüngern neu geschmückt. Nach einem verregneten, trüben Juni bescherte uns das erste Juli-Wochenende einen strahlend schönen Tag. Dieses Jahr wurde anlässlich des Jubiläums zudem ein ganz besonderer musikalischer Leckerbissen geboten. Mit viel Glück gelang es, das international bekannte Duo „Stimmhorn“ zwischen Auftritten in den Konzertsälen von Paris, Frankfurt und Luzern zu einem Freiluft-Auftritt beim Gletscherweib zu bewegen. Die zwei Ausnahmekönner Christian Zehnder und Balthasar Streiff bezauberten die rund hundert anwesenden Personen mit schrägen, berührenden und vor allem ungewohnten Lauten und Tönen aus Kehle und Hörnern. Die vorbeiziehenden Wolken, die flatternden Gebetsfahnen und die begeisternden Klänge trugen zu einer grossartigen Stimmung bei. Dem Gletscherweib wurde ein würdiges Fest beschert.
Feuer in den Alpen:
Auch am zweiten August-Wochenende, an dem alljährlich das Feuer in den Alpen stattfindet, war uns das Wetter wohlgesinnt: endlich konnte wieder auf dem Gipfel des Sidelhorns gefeuert und gefeiert werden. Beim Abmarsch auf der Grimselpasshöhe noch in dichten Nebel gehüllt, rissen die Wolken auf dem Gipfel auf und enhüllten einen prächtigen Sonnenuntergang und eine sternenklare Nacht. Mit windiger Kälte, warmem Feuerschein in den Gesichtern der anwesenden vierzig Grimsler und begleitet von unseren treuen Alphornbläsern aus dem Emmental offenbarte sich das Sidelhorn auch im Jubiläumsjahr als wahrer Feuerhorst.
Jubiläumsfeier:
Am 15. September lud der Grimselverein zum Fest der Feste in den Hof von Novazzano auf dem Ballenberg. Unter freiem Himmel und doch geborgen im laubengesäumten Innenhof des Tessiner Hauses, begleitet von den fröhlichen und gewitzten Klängen des Tessiner-Musikertrios „Tacalà“ und mit köstlichem Buffet bewirtet, verbreitete sich unter den hundert Gästen eine gute Stimmung. Mit Ansprachen des Präsidenten Urs Eichenberger, der Nationalrätin Franziska Teuscher, des Grimsel-Urgesteins Remo Galli und unseres Vorstandsmitglieds Eva von Arx wurde der Festgesellschaft eine breite Palette an Reden geboten. Die Festrede von Eva von Arx ist diesem Rundbrief beigelegt, der Vorstand empfiehlt den Text zur Lektüre. Das Fest präsentierte sich nicht pompös, sondern erfrischend leicht und einprägsam. Gegen Mitternacht führte ein fulminantes Feuerwerk von Ruedi Schatzmann allen vor Augen, dass der Grimselverein schon ganze 20 Jahre alt ist, ein Grund zur Freude!
Allen, die bei der Realisierung der Festlichkeiten mitgeholfen haben, dankt der Vorstand recht herzlich. Ebenfalls ein grosses Dankeschön richtet sich an die Mitglieder. Ein Dankeschön für 20 Jahre Treue und den bitter nötigen Rückhalt. Der Verein ist nur so gut wie seine Mitglieder.
Generalversammlung 2007:
Am
Sonntag, dem 11. November lädt der Vorstand zur ordentlichen Generalversammlung. Anbei die Einladung für die Versammlung. Für die späte Angabe des genauen Datums möchte sich der Vorstand entschuldigen.
Ein baldiges Wiedersehen und eine schöne Zeit wünscht
Der Vorstand
Skitourentage 2008: bitte Datum vormerken: erstes Wochenende nach Ostern, Freitag 28. März bis Sonntag 30. März 2008. Abteilungsleiter Skitouren ist Thomas Schott, Burgerweg 9, 2532 Magglingen, P 032 322 52 37, G 031 324 79 33, thomy.schott@bluewin.ch. Dieses Jahr sind eher gemütliche Skitouren vorgesehen, das Tourengebiet ist noch nicht festgelegt.
Zum Jubiläum 20 Jahre Grimselverein 15. Sept. 2007
Festrede von Eva von Arx, Vorstandsmitglied des Grimselvereins
Liebe Anwesende
Anwesend sein ist keine Kleinigkeit.
Anwesend sein heisst voll und ganz da sein, sich mit der Kraft, die wir sind, einsetzen für ein Ziel, eine Sache. Jeder von euch bezeugt durch seine Anwesenheit, dass ihm an der Landschaft auf der Grimsel etwas liegt.
Dass ich heute hier
anwesend bin und eine Rede halte, kam so:
Vor 3 Jahren nahmen Peter, mein Mann und ich an einem vom WWF Bern organisierten und von dessen Geschäftsführerin Erika Loser, sowie unserem engagierten Mitglied Emil Feuz durchgeführten Exkursion ins Grimselgebiet teil. Das Thema war: Gletscherschwund, Moorschutz und Stromproduktion.
Ich war tief berührt von der Schönheit der Landschaft und tief betroffen von der Möglichkeit einer Zerstörung derselben. In Innertkirchen, am Sitz der KWO, hörten wir dann noch die Gründe für die geplante Mauererhöhung und ich spürte die Arroganz des KWO-Vertreters, der mit der Macht des Geldes bis in die höchsten juristischen Gremien lobbyieren zu können glaubte, sollte das Projekt bis vors Bundesgericht gezogen werden.
Ich war empört! Und diese
Empörung gab mir in der darauf folgenden Mitgliederversammlung des Grimselvereins den Mut und die Bereitschaft, mich spontan zur Mitarbeit im Vorstand zu melden, da ich alles in meiner Macht stehende tun wollte und nach wie vor tun will, um dieser Arroganz entgegenzuhalten. Ich wusste damals noch nicht, wie ich dem Vorstand würde dienen können, aber es war mir ein Anliegen,
anwesend zu sein.
Die Wissenschaft hat erkannt, dass alles aus
Energie besteht. Jedes Ding, Tier, jede Pflanze, jeder Fels setzt sich aus
Atomen zusammen, die in energetischen Beziehungen zueinander stehen. Wir alle sind im Grunde genommen
Energie, eine Kraft!
Manchmal, wenn ich daran denke, wie viel Geld hinter diesem Ausbauvorhaben der KWO steht, wie viele Wirtschaftsinteressen, wie viele Menschen, die eingeschüchtert sind durch die zum Teil noch zusätzlich geschürte Angst vor Arbeitsplatzverlust oder durch die Angst, nicht dazuzugehören, verachtet zu werden, wenn sie eine eigene Meinung vertreten, dann scheint mir die Kraft auf der anderen Seite schier übermächtig und ich frage mich, ob sich unser Einsatz für die wunderbare Landschaft an der Grimsel lohnt.
Haben wir eine Chance? Wir werden von der andern Seite oft so wahr genommen, als stellten wir uns gegen die Menschen, indem wir ihre existentiellen Bedürfnisse nicht wahrnähmen, indem wir Berge, Wasser, Tiere und Pflanzen über die Bedürfnisse der Menschen stellten. Dabei sind wir nur eine Gruppe von Menschen, die sich selbst nicht so sehr absondert von der Natur, die sich eins fühlt mit ihr, die berührt wird vom Anblick der gewaltigen Naturschönheiten und tief in ihrem Innersten spürt, dass wir aus demselben Stoff gemacht sind wie die Felsen, die Gletscher, die Arven, die Moore. Wir spüren es am eigenen Leib, wenn diese
Naturschätze zerstört werden und dadurch verloren gehen und wir realisieren, dass ein Teil von uns selbst zerstört werden würde.
Wir sehen, wie überall auf dieser Welt mit der Natur umgegangen wird, als wäre sie etwas von uns Abgetrenntes, über das wir nach Belieben verfügen dürften. Aber, wir sehen auch, dass nach und nach ein Umdenken stattfindet oder sollten wir besser sagen ein
"Umspüren"? Mehr und mehr Menschen beginnen ihr Eingebundensein in die Natur zu spüren und machen sich Gedanken, wie ein harmonisches Zusammenleben von Natur und Mensch möglich wäre. Wenn es also manchmal so scheint, als wären wir nur eine kleine Minderheit, täuschen wir uns gewaltig.
Denn wir sind nicht allein! Wir haben die geballte Kraft der Erde hinter uns, des unberührten Wassers der Wildbäche, der Pflanzen und Tiere sowie aller gleich denkenden und fühlenden Menschen. Und diese Kraft, die einfach
anwesend ist, trägt uns, inspiriert uns und treibt uns an.
Wir haben eine Chance, ein grosse Chance!
Und selbst wenn unsere Bemühungen in diesem Zeitpunkt der widerstreitenden Energien auf unserer Erde nicht den von uns gewünschten Erfolg haben sollten – sprich, es zur
Mauererhöhung kommen sollte – weil es noch zu früh ist, weil noch nicht genügend Menschen so spüren wie wir, würden wir mit grossem Schmerz von einem weiteren Naturparadies Abschied nehmen, jedoch mit der Gewissheit im Herzen, alles in unserer Macht stehende getan zu haben, alles gegeben zu haben und dass wir da waren,
anwesend waren!
Unterschätzen wir jedoch
die Kraft unserer Verbündeten nicht, der Berge, des Wassers der Wildbäche, der Arven, des Windes, der die Gebetsfahnen auf unserem Gletscherweib bewegt und unser Sidelhornfeuer zum Brennen bringt und somit ihre
Botschaft hinausträgt in die Welt zu andern Menschen, die die Verbundenheit mit der Natur bereits spüren oder neu entdecken. Sie setzen sich an einem andern Ort für ein vergleichbares Ziel ein. Wir
alle sind miteinander verbunden und diese Verbundenheit bildet ein unsichtbares aber spürbares Netz, das sich um die ganze Welt zieht und das jede und jeder von uns jederzeit anzapfen kann.
Deshalb plädiere ich an euch alle:
Nehmt weiterhin wahr, welch grosse Kraft jede und jeder von uns ist und hat. Und dass es einen Unterschied macht, anstatt diese ungenutzt diffus verpuffen oder gar verkümmern zu lassen, sie gezielt und bewusst einzusetzen und
ANWESEND zu sein.
Ich danke euch für eure ANWESENHEIT !!!!