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Rundbrief 43, Mai 2007

Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde

Mitte März hat das Wasserwirtschaftsamt (WWA) des Kantons Bern die Baubewilligung für die Staumauererhöhung erteilt. Dieser Entscheid hat uns nicht überrascht. Die Direktionsvorsteherin Frau Regierungsrätin Barbara Egger hatte sich vor dem Baubewilligungsentscheid wiederholt positiv zu KWO Plus geäussert. An der Medienkonferenz war die Berner Regierung sogar zu zweit vertreten und lobte Projekt und Bauherrin in den höchsten Tönen. Da konnte es nicht erstaunen, dass der Mauererhöhung in mehrfacher Hinsicht nationale Bedeutung attestiert wurde. Das Resultat der regierungsrätlichen Gesamtbeurteilung stand offensichtlich bereits einige Zeit vor Abschluss des Einspracheverfahrens fest. Aufgrund von wiederholten Ankündigungen des WWA rechneten wir mit einer Bekanntgabe des Baubewilligungsentscheids noch vor unserer letztjährigen Generalversammlung.

Die 20. Generalversammlung fand am 19. November im Hotel Sherlock in Meiringen statt. Anwesend waren an die 40 Vereinsmitglieder und einige Pressevertreter. Musikalisch begleitet wurden wir durch die Gruppe "Fross freylekh" (Geige, Akkordeon, Klarinette und Gesang). Sie spielten zu allgemeinem Wohlgefallen schwedische Volksmusik. Zentrale Diskussionsthemen waren die zu erwartende Bekanntgabe der Baubewilligung für die Mauererhöhung und die publizierten Ergebnisse der im Oktober erschienenen, von der KWO in Auftrag gegebenen und finanzierten Studie zur regionalwirtschaftlichen Bedeutung ihrer Firma und ihres Projektes KWO plus. Die Studie bestätigte unsere Einschätzung, dass mit der Mauererhöhung langfristig nur sehr wenige Arbeitsplätze geschaffen werden - in der Studie ist die Rede von ein bis zwei Arbeitsplätzen. Zu unserem Leidwesen ist diese Aussage bei der Medienpräsentation der Studie unerwähnt geblieben. Dafür freuten wir uns am kritischen Beitrag des Kassensturzes des Schweizer Fernsehens zur Pumpspeicherung, der an der Versammlung vorgeführt wurde. Ebenfalls zur guten Stimmung beigetragen haben die zahleichen Wortmeldungen, wie im 2007 der runde Geburtstag - das 20 Jahr Jubiläum - gefeiert werden könnte. Peter Anderegg hat sich nach dreijähriger Vorstandsabstinenz entschlossen, wieder aktiv an vorderster Front für die Anliegen des Vereins einzustehen. Er wurde zusammen mit den bisherigen Vorstandsmitgliedern mit grossem Applaus wiedergewählt. Damit umfasst der Vorstand für das kommende Vereinsjahr wieder 10 Mitglieder.

Kurz nach der Generalversammlung hat uns das WWA mit Verfügung vom 21.11.2006 eine nicht erstreckbare Frist bis zum 19. Januar 2007 angesetzt, um eine Stellungnahme zum Beweisergebnis, d.h. zum Dossier im Baubewilligungsverfahren, einzureichen. Dieses umfasste die Gesamtbeurteilung der Umweltverträglichkeit, die Amtsberichte, Nachbesserungen und Stellungnahme der Bauherrin, sowie Gutachten und Stellungnahmen zu den Einsprachen. In Zusammenarbeit mit den Umweltverbänden hat der Grimselverein eine eigene Stellungnahme erarbeitet. Dabei haben wie bereits bei der Einsprache, vor allem Mary und Dres einen grossen Effort geleistet. Einen wichtigen Beitrag leistete auch Heini Glauser mit einer fachmännischen Beurteilung der nationalen Bedeutung von KWO plus. So ist es uns mit Unterstützung unseres Juristen Tobias Winzeler gelungen, ein sorgfältig erarbeitetes Dokument zu schaffen, indem wir gegen den Standpunkt der KWO kritisch und fundiert Stellung beziehen. Vielen Dank für die Unterstützung.

Die KWO arbeitete auch an der Projektierung von KWO plus Teil 4 weiter (Leistungssteigerung KW Innertkirchen 1). Anfang Dezember hat ein weiteres Treffen zwischen der KWO und einer Delegation von Vertretern der Umweltorganisationen (Pro Natura, WWF und Grimselverein) stattgefunden. Uns wurden keine neuen Erkenntnisse zur Beurteilung der Schwallproblematik in der Aare vorgelegt. Unsere Anregungen in der ersten Sitzung vom 28. August, auch ökologische Parameter und Indikatoren in die Untersuchungen zu integrieren, sind faktisch ohne Folgen geblieben. Nach einer mehrmonatigen Pause mit Briefwechseln zum Thema über das weitere Vorgehen haben wir uns im April ein weiteres Mal getroffen. Dabei haben wir unsere Zielvorstellungen erneut dargelegt und auf die Projektpräsentation der KWO zum Teilprojekt 4 in Meiringen Bezug genommen. Auch wir möchten "Gutes für die Aare tun", doch unterscheiden sich unsere Ziele substanziell von den Vorstellungen der KWO. Wir haben wiederholt betont, dass wir eine umfassende Aufwertung (Vision "Lebendige Hasli-Aare 2015") des gesamten Flusseinzugsgebietes anstreben. Für die Hasli-Aare und ihrer Zuflüsse ist langfristig eine naturnahe Flussdynamik, die natürliche Arten- und Lebensraumvielfalt, der notwendige Hochwasserschutz und eine angemessene Nutzung (z.B. Wasserkraft, Erholung) von den Quellen bis zum Brienzersee sicherzustellen. Die Treffen werden fortgesetzt. Wir wünschen, dass der Kanton Bern als Eigentümer der Gewässer in die Diskussionen eingebunden wird.

Wie eingangs erwähnt, wurde Mitte März die Vergrösserung des Grimselsees vom Kanton Bern bewilligt. Wie wir den Begründungen der Regierung entnehmen konnten, ist auf unsere zentralen Einsprachepunkte kaum eingegangen worden. Dass beim Verwaltungsgericht Beschwerde gegen den Bauentscheid geführt werden soll, war deshalb bald geklärt. Wir haben fristgerecht am 23. April 2007 eine Verwaltungsgerichtsbeschwerde eingereicht. Dabei fokussierten wir uns auf drei Hauptpunkte:
Zusätzlich beanstanden wir im Beschwerdeverfahren die Verletzung zentraler Vorschriften der Gewässerschutzgesetzgebung. Wir stützen uns dabei auf die bereits in der Einsprache vorgebrachten Mängel, insbesondere auch was die noch nicht abschliessend vorliegende Beurteilung der Trübung des Brienzersees betrifft, die durch die zusätzlich vorgesehene Verlagerung der Stromproduktion in den Winter zu erwarten ist.

Für den Fall, dass trotz allen begründeten Beurteilungen die Baubewilligung rechtskräftig wird, beharren wir darauf, dass nur echte und sachlich in Bezug zu zerstörten Landschafts- und Naturwerten stehende Ersatzmassnahmen anerkannt werden, wie zum Beispiel die Auenrenaturierung in Obermad. Bei zahlreichen von den KWO vorgeschlagenen Massnahmen handelt es sich um Vorschläge wie die Umsetzung bereits geschützter Landschaften (Gletschervorfeld Bächli, Moorlandschaft Steingletscher) oder den Verzicht auf künftige Nutzungen. Nur grossräumige und weitreichende Massnahmen wie zum Beispiel die Renaturierung der Hasliaare bis zum Brienzersee oder das hintere Urbachtal / Gauligebiet wären als Ersatz für die schwerwiegenden Eingriffe geeignet.

Wir haben damit nochmals klar dargelegt, dass für uns die Landschaft und ihre Bedeutung im Zentrum der Auseinandersetzung mit dem Ausbauvorhaben der KWO steht. Die Überflutung des einmaligen Gletschervorfeldes und eines Teils der mehrfach geschützten Moorlandschaft ist für uns ein zu hoher Preis für die Optimierung der Spitzenstromproduktion. Die Beschwerde kann eingesehen werden unter http://www.grimselverein.ch/archiv/Beschwerde_GriV_070423.pdf)

Der Grimselverein gilt im Sinne des Verbandsbeschwerderechts nicht als nationale Organisation. Damit unsere Anliegen bis vor Bundesgericht vorgebracht werden können, benötigen wir eine auf nationaler Ebene beschwerdeberechtigte Vertretung. Wir haben uns deshalb bereits 1988 der Dachorganisation Aqua Viva angeschlossen und unsere Einsprache, die Stellungnahme und jetzt auch die Beschwerde auch im Namen der Aqua Viva eingereicht.

Seit der Eingabe der Einsprache zu Grimsel West arbeiten wir mit unserem Anwalt Tobias Winzeler zusammen. Seine Kompetenz und sein Engagement für die Sache sind von unschätzbarem Wert. Lieber Tobias: wir danken dir für deine mit Herzblut geleistete Unterstützung und die stets freundliche Zusammenarbeit. Wir sind glücklich, einen so engagierten und tüchtigen Mitstreiter für die Vertretung vor Gericht gefunden zu haben.

Trotz zweifelhaftem Wetterbericht und einigen Schwierigkeiten bei der Anmeldung fand auch dieses Jahr die Grimselvereinsskitour 2007 bei guten Wetter- und Schneeverhältnissen und bester Stimmung statt. fand. Die Tour vom 30. März bis 1. April wurde von Res und Mary Leibundgut und Dres Schild geführt. Der Aufstieg führte am Freitag von Feldmoos der Sustenstrasse entlang zum Steingletscher und in die Tierberglihütte. Die Unermüdlichen unter den zwölf TeilnehmerInnen machten am Nachmittag noch einen Abstecher auf Mittleren Tierberg. Am Samstag überquerten wir die Tierberglücke und genossen als erstes die Abfahrt von 1100 Höhenmetern hinunter zum Triftgletscher. Dank einer bequemen Aufstiegsspur waren auch die steileren Hänge durchs Trifttälli hinauf zum Sattel gut zu bewältigen, so dass fast alle den Aufstieg bis auf den Gipfel des Steinhüshorn fortsetzten. Als kleines pièce de résistance blieb am Schluss noch der Gegenaufstieg zur Trifthütte. Spätabends kamen schliesslich noch die vielseitigen Fähigkeiten der Grimselvereins-Mitglieder zum Einsatz: Thomas Schott reparierte unter tatkräftiger Mithilfe von Hugo und Dres die solare Stromversorgung. Hier wie schon zuvor in der Tierberglihütte wurden wir von den neuen Hüttenwarten ausgezeichnet bewirtet. Bei bitterer Kälte und steifem Gegenwind stiegen wir am Sonntag von der Trifthütte auf den Tieralplistock und genossen die längste und schon fast traditionelle Skiabfahrt unserer Skitouren, vom Tieralplistock hinunter zum Gelmersee. Über etwas aufgeweichten Frühlingsschnee gelangten wir vom Gelmersee hinunter auf die Grimselstrasse und bis zum Hotel Handegg.


Vorhaben und Hinweise

Gletscherweib, 7. Juli 2007: Wie jedes Jahr erwartet uns das Gletscherwyb, dieses Jahr allerdings mit einer besonderen Überraschung: es ist uns gelungen, das Musikerduo Stimmhorn zu einem Auftritt beim Gletscherweib einzuladen. Wer aussergewöhnliche Musik an einem besonderen Ort schätzt, sollte sich diese einmalige Gelegenheit nicht entgehen lassen! Wir treffen uns am Samstag 07.07.07. um 10:00 beim Grimsel Hospiz (Postauto Meiringen ab 09:20, Grimsel Hospiz an 10:09). Details siehe auch auf dem beiliegenden Flyer. Bringt Freunde und Gäste sowie etwas zum Trinken und Essen mit. Wir wollen unserem Gletscherwyb weiterhin Mut machen, sie zählt auf uns. Ein Verweilen im schönen Lauteraar und ein Besuch der Hütte hoch über dem Gletscher lohnt sich. Bitte selber einen Platz für's Übernachten in der Hütte reservieren (Tel. 033 973 11 10).

Feuer in den Alpen, 11. August 2007: Auch im Jahr des 20-jährigen Bestehens brennt an der Grimsel ein Feuer. Im Rahmen von "Feuer in den Alpen" lädt der Grimselverein am 11.08.2007 zu einem Fest auf dem Sidelhorn. Wie jedes Jahr werden Alphornbläser den Anlass begleiten, Reden gehalten und die alljährliche Wiederkehr an und für sich gefeiert. Details und Organisatorisches ist dem Flyer, der dem Rundschreiben beiliegt, zu entnehmen. Fragen oder Mitteilungen bitte an Kaspar Schiltknecht, Tel. 033 821 21 59.

20-Jahrjubiläum Grimselverein 15. September 2007: Am 17. September 1987 ist der Grimselverein gegründet worden. Wir laden deshalb alle am Samstag 15. September, 17:00 Uhr zu einer kleinen, aber exquisiten Feier auf den Ballenberg ein (siehe Ankündigung auf dem beiliegenden Flyer). Im Sommer wird noch eine Einladung mit dem detaillierten Programm verschickt werden. Fragen oder Mitteilungen bitte an Andrea Gertsch, 033 822 00 57 oder Gisela Straub, 033 971 39 13.

Exkursionen Grimselgebiet / Parcours du Glacier de l’Aar: In Verbindung mit unseren beiden Anlässen im Grimselgebiet bieten wir auch dieses Jahr an, den Parcours kennen zu lernen oder besser gesagt: die darin vorgeschlagene Art, sich unserer schutzbefohlenen Landschaft zu nähern, zu erleben. Begleitete Exkursionen finden statt:
7./ 8. Juli 2006, mit Übernachtung in der Lauteraarhütte, im Anschluss an das Gletscherweib
12. August 2006, im Anschluss an Feuer in den Alpen
Auskünfte dazu bei Eva von Arx, Zaun, 3860 Meiringen, Tel. 033 971 42 09,

Der Mitgliederbeitrag 2007 wird fällig, der Einzahlungsschein liegt bei. Der Jahresbeitrag bleibt gemäss Beschluss der Generalversammlung unverändert bei Fr. 20.- für Einzelmitglieder und Fr. 100.- für Institutionen und Vereine. Wie an dieser Stelle üblich, möchten wir auch dieses Jahr über unsere finanziellen Bedürfnisse und Aufgaben einen Hinweis platzieren: eine freiwillige Verdoppelung des Jahresbeitrages würde uns riesig freuen! Unser Vereinsvermögen ist unsere einzige Garantie, dass wir in der Lage sind, die gestiegenen Aufwendungen für die Einreichung der Einsprache, der Stellungnahme zum Einsprachedossier und der Beschwerde auch termingerecht zu berappen: die Gerichte verlangen von uns einen Vorschuss, so geschehen vom Verwaltungsgericht mit Fr. 3'000.-! Fällt der Gerichtsentscheid zu unseren Ungunsten aus, müssen wir einen Teil der Verfahrenskosten der KWO übernehmen und gleichzeitig für den Weiterzug ans Bundesgereicht wieder einen Vorschuss leisten und die eigenen Anwaltskosten berappen. Wir bitten euch deshalb von der Gelegenheit, den Jahresbeitrag aufzurunden, nach Möglichkeit Gebrauch zu machen und danken für die bisherige Unterstützung.

Wir hoffen, viele von Euch im Sommer an der Grimsel und im Herbst auf dem Ballenberg zu sehen und grüssen

Der Vorstand