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Rundbrief 41, Mai 2006
Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde
Die KWO haben zu Beginn des letzten Novembers ihr
Baugesuch zur Staumauererhöhung eingereicht. Das Baugesuch umfasste einen enormen Aktenberg, die Unterlagen mussten zuerst kopiert und verteilt werden. Thomas Rytz hat dies für uns in kurzer Zeit erledigt. Für die Erstellung der Einspracheschrift haben wir mit den Umweltorganisationen zusammengearbeitet. Wir haben die vierwöchige Einsprachefrist intensiv genutzt. Der Vorstand konnte dabei aber auch auf die Unterstützung durch langjährige Vereinsmitglieder Mäni, Flodi, Höisi, Dres, Peter und Heini zählen. Vor allem Mary und Dres haben einen riesigen Effort geleistet. So ist es uns mit Unterstützung unseres Juristen Tobias Winzeler gelungen, ein Dokument zu schaffen, in dem unsere ablehnende Haltung zur Staumauererhöhung deutlich und umfassend begründet ist. Vielen Dank für die Unterstützung.
Am 20. November fand die
Generalversammlung im Hotel Sherlock in Meiringen statt. Dass gleichzeitig die Einsprachefrist für das Baugesuch lief, hat den Besuch des Anlasses zusätzlich interessant gemacht. Anwesend waren rund 50 Vereinsmitglieder, einige Pressevertreter und vier Vertreter der KWO. Musikalisch begleitet wurden wir durch Fredel und Franziska. Im Eingangsbereich zum Versammlungslokal haben wir unsere neueste Errungenschaft installiert: auf einem grossen Flachbildschirm war eine eindrückliche Auswahl an Bildern der bedrohten Landschaft an der Grimsel zu sehen. Die Bilder verfehlten ihre Wirkung nicht. Unter dem Traktandum Einsprache entwickelte sich eine lebhafte Diskussion zwischen den KWO-Exponenten und engagierten Vereinsmitgliedern. Wie nicht anders zu erwarten war, ist es den KWO Leuten nicht gelungen, uns in letzter Minute von der Einreichung einer Einsprache abzubringen. Bezüglich Hartnäckigkeit haben sie annähernd das Niveau des Grimselvereins erreicht, und was die Präsenz in der Oeffentlichkeit betrifft, könnten wir von ihnen einiges lernen.
Im Verlauf des Vereinsjahres hat Barbara Schläppi (Guttannen) ihren Rücktritt aus dem Vorstand angekündigt. Nach langjähriger Mitarbeit und grossem persönlichen Einsatz tritt sie per Ende Jahr zurück. In Erinnerung an ihre Antrittsworte (sie wolle für Farben und Formen einstehen) wurde ihr als Abschiedsgeschenk ein Oktaskop überreicht. Der Wunsch des Vorstandes, Barbara könnte eine NachfolgerIn aus Guttannen finden, ging nicht in Erfüllung. Der Vorstand umfasst für das kommende Vereinsjahr noch 9 Mitglieder.
Am 30. November haben wir unter Federführung der beiden nationalen Umweltorganisationen WWF und Pro Natura eine
gemeinsame Medienveranstaltung zur Einsprache gegen die Mauererhöhung in Bern durchgeführt. Mit einer eigenen Pressemitteilung und den Bildern von Mary haben wir den Wert der bedrohten Landschaft aus unserer Sicht zu vermitteln versucht. Wir haben damit klar dargelegt, dass für uns die Landschaft und ihre Bedeutung im Zentrum der Auseinandersetzung mit dem Ausbauvorhaben der KWO steht. Die Überflutung des Gletschervorfeldes und eines Teils der mehrfach geschützten Moorlandschaft ist für uns ein zu hoher Preis für die Optimierung der Spitzenstromproduktion.
Es wurde auch klar zum Ausdruck gebracht, dass die Anpassung des ursprünglichen Moorlandschafts-Perimeters zugunsten der geplanten Mauererhöhung aus Sicht der Umweltverbände die Bundesverfassung verletzt. Die Verfassungswidrigkeit dieses Bundesratsentscheides aus dem Jahre 2004 ist mit zwei Rechtsgutachten klar belegt worden. Die zahlreich anwesenden Medienvertreter wurden mit ökologischen, energiepolitischen und juristischen Argumenten gegen die Mauererhöhung eingedeckt. Die Berichterstattung in den Medien erfolgte weitgehend sachlich, neutral und mit Verständnis für die Begründung zur Beschreitung des Rechtsweges. Eine Ausnahme von der Regel machte nicht ganz unerwartet der Kommentar in der Lokalzeitung "Der Oberhasler".
Im Februar ist Peter Anderegg mit der Idee zur Schaffung einer neuen Broschüre an den Vorstand getreten. Ziel des Vorhabens war es, eine Dokumentation über die eingegangenen Einsprachen zusammenzustellen, ergänzt mit Begründungen und Interviews mit den EinsprecherInnen. Peter hat sich anerboten, den Aufwand für die Kontaktaufnahme mit den EinsprecherInnen zu übernehmen und hat vorgeschlagen, die redaktionelle Arbeit der Journalistin Sybille Hunziker gegen Bezahlung zu übertragen. Der Vorstand hat eine erste Phase des Vorhabens, welche die Kontaktaufnahme durch Peter und die Sichtung der zur Verfügung gestellten Einsprachen durch Sybille inkl. Führung von Interviews, bewilligt. Nach Vorliegen der gesammelten Stellungnahmen will der Vorstand entscheiden, in welcher Form das "Material" aufbereitet und weiterbenützt werden soll.
Die KWO sind seit Februar in Kontakt mit den nationalen Umweltorganisatoren und einzelnen Einsprechern getreten, so auch mit dem Grimselverein. Präsi und Vize Doris haben sich mit Herrn Tschirren (seit neustem zuständig für "Public Affairs" und somit Verbindungsperson zur Politik bei den KWO) getroffen. Das Gespräch bot Gelegenheit, einander die unveränderten Positionen zu bestätigen. Auch die angefragten Umweltorganisationen haben den KWO ihren Standpunkt gegen die Staumauererhöhung bestätigt.
Vom 31. März bis 2. April fanden die diesjährigen
Skitourentage des Grimselvereins statt. Nachdem die Skitouren letztes Jahr eher anspruchsvoll waren, sollten sie diesmal wieder gemütlicher und einfacher sein, damit auch NeueinsteigerInnen und weniger geübte TourenfahrerInnen an den Skitouren des Grimselvereins teilnehmen können. "Basislager" war in diesem Jahr die Brochhütte im Rosenlaui. Bei noch sehr trüben Aussichten reisten wir am Freitag an und erreichten bei immer schöner werdendem Wetter den Grindelgrat. Am Samstag stiegen wir auf den Wildgärst, die Mittagsrast auf dem Gipfel untermalt von Amades Alphornklängen. Zurück in der Hütte lernten wir die Eigenheiten des faltbaren Hightech-Alphorns noch genauer kennen; Amade Ammann führte uns in einem interessanten Vortrag in die Geheimnisse dieses Instruments ein. Als krönender Abschluss wurde am Sonntag bei strahlendem Frühlingswetter der Gemschberg bestiegen. Die Abfahrt war "la crème fouettée" - echten Schlagrahm gab’s dann auf der Glacé-Coupe auf der Terrasse des Bergrestaurants.
Am 1. Mai hat das Wasserwirtschaftsamt des Kantons Bern (WWA) als verfahrensleitende Behörde eine
verfahrensleitende Verfügung erlassen. Darin ist festgehalten, dass nach Rücksprache mit der Gesuchstellerin auf Einspracheverhandlungen verzichtet wird, dass die amtlichen Akten auf Voranmeldung eingesehen werden können und dass die UVP-Gesamtbeurteilung nach Vorliegen (ca. Ende Mai) auch den Einsprechern zur Kenntnis gebracht wird. Diese haben dann eine Frist von 4 Wochen, um eine Schlussbemerkung einzureichen. Mit einem Entscheid des WWA , ob es dem Baugesuch der KWO stattgeben will oder nicht, ist deshalb frühestens im Sommer zu rechnen. Damit ist das Verfahren aber noch nicht abgeschlossen. Die unterlegene Partei hat die Möglichkeit, den Gerichtsweg via Verwaltungsgericht zum Bundesgericht zu beschreiten. Der Grimselverein kann die Rechtmässigkeit der Moorperimeterfestlegung nicht bis vor Bundesgericht weiterziehen. Stellvertretend für uns wird dies Aqua Viva als nationale Umweltorganisation tun. Hingegen können wir einen allfälligen Baubewilligungsentscheid vor Verwaltungsgericht anfechten. Ob die KWO bei einem für sie negativen Baubewilligungsentscheid durch alle Instanzen gehen will, ist offen - angekündigt haben sie dies hingegen. Dass die KWO auf Einspracheverhandlungen verzichten, haben sie mehrmals kommuniziert. Die projektierte Mauererhöhung war und ist aus KWO-Sicht nicht verhandelbar. Wir können uns dem mittlerweile auch anschliessen; wir sind gegen diese Mauererhöhung und wollen über dieses Baugesuch nicht mehr verhandeln. Die Richter sollen über die Rechtmässigkeit dieses Ausbauschrittes innerhalb des KWO Plus-Projektes entscheiden.
Vorhaben und Hinweise
Gletscherweib 1. Juli 2006
Das Gletscherweib hütet und wacht über die Landschaft, das Gletschervorfeld und den Arvenwald an der Grimsel. Wir werden sie - hoffentlich zahlreich - bei jedem Wetter besuchen, wo nötig wieder verstärken, mit Fahnen schmücken und zusammen mit ihr ein Fest feiern. Der Bus fährt ab Bahnhof Meiringen 09:20. Letzte Abfahrt Grimsel Hospiz 17:20. Ein Verweilen im schönen Lauteraar und ein Besuch der Hütte, hoch über dem Gletscher, lohnt sich. Bitte selber einen Platz für's Übernachten in der Hütte reservieren. Auskunft erteilt Eva von Arx unter 033 971 42 09. Gleichzeitig findet eine geführte Exkursion ( Parcours du Glacier de l’aar) statt (vgl. weiter unten).
"Feuer in den Alpen"
12. August 2006: Alljährlich pilgern Grimselmenschen auf den Gipfel des Sidelhorns, um im Rahmen der alpenweiten Aktion "Feuer in den Alpen" ein eigenes Feuer zu entfachen. Als Festredner konnten wir den Geschäftsleiter der Schweizer Greina-Stiftung, Gallus Cadonau, engagieren. Die Festfreude wird wie jedes Jahr von Alphornklängen untermauert und damit weit über das Sidelhorn hinaus zu hören sein. Eine Einladung mit genaueren Informationen liegt diesem Rundbrief bei. Fragen oder Mitteilungen bitte an Kaspar Schiltknecht, Tel. 033 821 21 59.
Exkursionen Grimselgebiet / Parcours du Glacier de l’Aar
Längst ist unsere Landschaft nicht mehr allein der Natur überlassen, sondern vom Menschen beeinflusst. Seit Jahrhunderten tummeln sich Menschen im Gebiet der Grimsel und des Unteraargletschers, weideten Vieh und bauten Wege. Dies waren kleine Veränderungen, der Bau des Grimselsees war ein grosser Eingriff. Der Parcours du Glacier de l’Aar ist eine Möglichkeit sich all diese Veränderungen bewusst zu machen und zu lernen die Landschaft mit anderen Augen zu sehen.
Geführte Exkursionen findet statt:
- 1./ 2. Juli 2006 mit Uebernachtung in der Lauteraarhütte
- 22. Juli 2006
- 13.August 2006 im Anschluss an Feuer in den Alpen
- 2./3. September 2006 mit Übernachtung in der Lauteraarhütte
- 23./24. September 2006 mit Übernachtung in der Lauteraarhütte
Auskünfte dazu bei Eva von Arx, 3860 Meiringen, Tel.: 033 971 42 09
E-Mail: emilfeuz <ät> bluewin.ch.
www.grimselverein.ch
Seit dem Dezember 2005 ist die Hausseite des Grimselvereins um ein Organ reicher. Der Vorstand hat ein Forum eingerichtet, in dem mehr oder weniger aktuelle Themen diskutiert, analysiert oder auch nur kommentiert werden können. Interessierte und Anregungen zur Verbesserung des Internetauftrittes sind im Forum immer willkommen.
Der
Mitgliederbeitrag 2006 wird fällig, der Einzahlungsschein liegt bei. Der Jahresbeitrag bleibt unverändert Fr. 20.- für Einzelmitglieder und Fr. 100.- für Institutionen und Vereine. Wer noch ein bisschen aufrunden kann, der hilft uns den Vermögensrückgang zu mildern, den wir durch die ausserordentlichen Aufwendungen für die Einreichung der Einsprache zu tragen hatten.
Wir wiederholen hier nochmals unseren Aufruf an die Mitglieder. Wir möchten mit möglichst vielen Vereinsmitgliedern auch
via E-Mail kommunizieren können, um mit Informationen und Unterstützungswünschen auch kurzfristiger und kostengünstiger an die Mitglieder zu gelangen. Wir bitten um Angabe der E-Mail Adressen an Mary Leibundgut, leibundgut[at]unabern.ch. Selbstverständlich werden wir auch in Zukunft Papier (Rundbriefe, Einzahlungsscheine, etc.) verschicken und uns über Unterstützung und Kritik auf postalischem Weg freuen.
Wir hoffen, viele von Euch im Sommer an der Grimsel zu sehen und grüssen
Der Vorstand