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Rundbrief 39, April 2005

Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde

Hoffen und harren
hält manchen zum Narren.


Der Grimselverein hat gehofft und ausgeharrt. Sind wir nun zu Narren geworden, nachdem die KWO uns die Mitsprache im Grimsel-Spirit definitiv verweigert hat? Ich meine nicht. Wir haben Wort gehalten bezüglich unserer Gesprächsbereitschaft. Nun sind wir auch erleichtert: die Verantwortung, vor der Baueingabe von KWO+ einen akzeptablen Kompromiss aushandeln zu wollen / zu müssen, ist weg. Wir sind frei, frei wie die Narren. Wir können und wollen unsere Anliegen und unseren Standpunkt wieder klar und offen kommunizieren.

Die Generalversammlung fand am 21. November im Saal der Hasli Lodge in Meiringen statt. Anwesend waren an die 40 Vereinsmitglieder, einige Pressevertreter, dafür keine KWO-Leute. Musikalisch begleitet haben uns Johannes Grossniklaus aus Brienz und Hans Neiger von Meiringen. Hans ist kürzlich bei einer Skitour auf den Gemsberg in ein Schneebrett geraten und tödlich verunglückt. Lieber Hans, wir danken dir für die jahrelange Unterstützung.

Bereits im Vorfeld der Generalversammlung zeichnete sich ab, dass nicht alle Vereinsmitglieder die aktuelle Politik des Vorstandes vorbehaltlos mittragen. Nach einer knappen halben Stunde waren die ordentlichen Traktanden über die Bühne. Es folgte eine sehr lebhafte Diskussion um die Position des Grimselvereins. Zur Polarisierung beigetragen hat die Bereitschaft des Vorstandes, die Verhandlungen mit den KWO über die Gründung einer Stiftung zur nachhaltigen Entwicklung des Tales und zur Finanzierung von Ausgleichsmassnahmen weiterführen zu wollen. Schliesslich wurde von der Versammlung ein ein umfassender Forderungskatalog für die Verhandlungen im Rahmen des Grimsel-Spirit verabschiedet. Es wurde weiter beschlossen, vorsorglich Einsprache zu erheben, um sich die Mitsprache im Bewilligungsverfahren zu sichern. Zusätzlich verlangen wir, dass die Bewilligungsfähigkeit des Projektes KWO plus nachgewiesen wird und dass die Rechtmässigkeit der Moorperimeterfestlegung durch den Bundesrat durch die Gerichte geprüft wird.

Im Verlauf des Vereinsjahres haben Marianne von Bergen, Reto Schild und Emil Feuz ihren Rücktritt aus dem Vorstand bekannt gegeben. Emil und Marianne gehören zur alten Streitergarde. Reto zählte zum Nachwuchskader. Barbara Schläppi würdigte das Engagement der drei für den Verein und übergab ihnen als Abschiedsgeschenk einen Gutschein für einen Gleitschirmflug, symbolisch verpackt in einem farbigen Regenschirm. Aus der Versammlungsmitte neu gewählt wurde Eva von Arx aus Meiringen.

Anschliessend an die Versammlung haben wir uns den Film „Grimsel - ein Augenschein“ von Peter Liechti zu Gemüte geführt. Der Film ist inzwischen ein Zeitdokument über die Auseinandersetzung um Grimsel West geworden. Weil der Zahn der Zeit am Filmmaterial (16 mm) nagt, wurde der Verein um eine Spende ersucht, damit der Film auf DVD-Träger überspielt werden kann. Der Grimselverein hat dazu 2000.- bewilligt. Die KWO und die Gemeinde Guttannen haben ein entsprechendes Gesuch abgelehnt. Die Umarbeitung ist mittlerweile trotzdem erfolgt. Wir haben kürzlich 25 DVD Filmkopien erhalten. Die Hälfte davon geben wir an interessierte Vereinsmitglieder ab. Wer eine Kopie möchte, kann sich bei Eva von Arx melden (Tel. 033 971 42 09) und eine DVD gegen einen Unkostenbeitrag von Fr. 10.- beziehen.

Die Grimsel Spirit Gespräche wurden fortgesetzt. Die Dialogpartner KWO und Landsgemeinde Oberhasli stellten vor Weihnachten neue Forderungen für die Einsitznahme in der Stiftung. Wir haben das nicht akzeptiert und festgehalten, dass wir weiterverhandeln wollen. An der Januarsitzung kam es dann zum einseitigen Abbruch der Gespräche durch die KWO. Die KWO wollen fürderhin allein mit der Landsgemeinde über Zusatznutzen zum KWO plus Projekt verhandeln. Wir finden das Vorgehen der KWO arrogant und schäbig. Angeblich bilden wir für die Erreichung der Unternehmensziele der KWO einen Risikofaktor. Im nachhinein wird es immer klarer: die KWO konnte oder wollte nicht mit uns über Ausgleichsmassnahmen verhandeln, sondern lediglich über allfällige Finanzierungsgefässe diskutieren. Wir müssen uns nichts vorwerfen lassen, wir sind ehrlich aufgetreten und haben uns für die Lösungssuche engagiert. Im ersten Moment waren wir perplex und enttäuscht. Zur Zeit bereiten wir eine Pressemitteilung über das Scheitern der Gespräche vor.

Die Umweltschutzverbände unter Führung des WWF-Schweiz haben die Broschüre Grimsel in Gefahr herausgegeben. Die Information soll vor allem dazu dienen, die gravierende Problematik der Pumpspeicherung generell aufzuzeigen. Angesprochen werden sollen damit nationale wie kantonale Politiker. Die Broschüre ist sehr informativ und auch sehr schön gestaltet, sie liegt dem Rundbrief bei. Wir sind angefragt worden, ob wir als Co-Herausgeber auftreten wollten. Zum Zeitpunkt der Anfrage standen wir noch in Verhandlungen mit den KWO und der Landsgemeinde und haben deshalb aus Rücksicht auf diese Gespräche auf die Nennung als Co-Herausgeber verzichtet. Wir wollen damit auch unterstreichen, dass wir unabhängig sind, und nicht als verlängerter Arm der nationalen Umweltorganisationen fungieren.

Vom 1. bis 3. April fand bei bestem Wetter die Grimselvereinsskitour 2005 statt. Während drei Tagen tourten zwölf Grimselvereinsmitglieder (geführt von Dres Schild, Mary Leibundgut und Toni Kehrli)) zusammen vom Jungfraujoch über Grünhornlücke, Oberaarjoch, Scheuchzerjoch zur Wiege der Glaziologie (dem Unteraargletscher), und weiter an die Handegg. Mit Abstechern auf Scheuchzerhorn, Sidelhorn und Bächlilücke verbanden wir das UNESCO-Weltnaturerbe Aletsch mit der Osterweiterung dem Grimselgebiet.

Bedenkt man, dass vor rund 200 Jahren auf dem Unteraargletscher die Gletscherforschung begann und Wissenschaftsgeschichte von internationaler Bedeutung geschrieben wurde, so gehören die Aaregletscher nicht nur ins Welt-Naturerbe, sondern auch ins Welt-Kulturerbe. Mit unserer Skitour haben wir diese Ausweitung symbolisch vorweggenommen.

Die KWO haben im Verlauf des letzten Jahres einige Male die baldige Einreichung des Gesuchs für die Staumauererhöhung (KWO plus, Teil 3) angekündigt. Vorgängig soll das Strassenprojekt für die Verlegung der Grimselpassstrasse zur Mitwirkung aufgelegt werden. Diese Mitwirkung verschiebt sich laut zuverlässigen Quellen auf den Spätsommer oder den Herbst. Die eigentliche Planauflage folgt im Anschluss ans Mitwirkungsverfahren. Nach neuster Planung soll es im Dezember so weit sein. Alles deutet zur Zeit darauf hin, dass die KWO und die Behörden das Verfahren über die Baubewilligung und nicht über eine Konzessionserneuerung abwickeln wollen. Ob dies juristisch haltbar ist, ist nur schwer zu beurteilen.

In unserer Auseinandersetzung mit dem Projekt KWO+ erhalten wir nach wie vor Unterstützung durch die Umweltschutzorganisationen. Support ist auch auf lokaler Ebene in Sicht. Der Fischerverein Oberhasli hat an seiner Generalversammlung im März 2005 die Grundlage geschaffen, um allenfalls Einsprache gegen die Staumauererhöhung erheben zu können. Die Versammlung hat einen Anteil von Fr. 2‘500.- an den Kampffonds des Bernischen Kantonalen Fischereiverbandes von Fr. 10'000.- bewilligt. Der Kraftwerksbetrieb bewirkt grosse Schwankungen des Pegelstandes der Aare und gefährdet die Fischpopulation ausserordentlich stark. Mit der Einsprache soll die Mitsprache im Verfahren gesichert werden.

In den Städten Bern, Basel und Zürich laufen Bemühungen, durch politische Entscheide auf die KWO-Verwaltungsräte dieser Minderheitsaktionäre Einfluss zu nehmen. Z.B. haben Vertreter aus dem links-grünen Lager in der Stadt Bern eine Motion eingereicht, die den Verzicht auf eine Beteiligung am Ausbau der KWO-Anlagen verlangt.


Vorhaben und Hinweise

Gletscherweib 2. Juli 2005
Auch diesen Frühsommer wollen wir die Steinfigur am Unteraargletscher - Symbol für Widerstand und Schutz - wieder besuchen und nötigenfalls erneuern. Die Veranstaltung findet bei jeder Witterung statt. Ein Ausflug an die Sunnig Aar und in das einzigartige Gletschervorfeld sei allen empfohlen, die sich bis jetzt keine Vorstellung machen konnten, was eigentlich mit dem vergrösserten See ersäuft würde. Interessierte, die nicht ohnehin jedes Jahr dabei sind, melden sich bitte bei Katharina von Steiger 033 971 36 06.

Parcours du Glacier de l’Aar
Den Parcours kennen zu lernen oder besser gesagt, die darin vorgeschlagene Art, sich unserer schutzbefohlenen Landschaft zu nähern, ist auch im nächsten Sommer möglich. Dieses Angebot ist kein Quotenrenner, es gibt keine Medaillen zu gewinnen, aber dem Neugierigen eröffnen sich bisher unbekannte Zusammenhänge und Naturerkenntnisse. Auskünfte dazu bei Emil Feuz, 3857 Unterbach, Tel.: 033 971 21 45, E-Mail: emilfeuz@bluewin.ch.

„Feuer in den Alpen“ 13. August 2005: Auch dieses Jahr feiern der Grimselverein und seine Freunde wieder ein frohes Fest auf dem Gipfel des Sidelhorns. Hans Weiss, ein führendes Mitglied im Kampf gegen das Irrsinnsprojekt "Galmiz", wird an diesem Samstag ein Referat halten. Je zwei Alphornbläser aus dem Emmental und aus dem Unterland werden uns mit urchigem und modernerem Sound unterhalten. Eine Einladung mit genaueren Informationen liegt diesem Rundbrief bei. Fragen oder Mitteilungen bitte an Kaspar Schiltknecht 033 821 21 59.

Der Mitgliederbeitrag 2005 wird fällig, der Einzahlungsschein liegt bei. Wir stehen im Moment finanziell recht gut da, doch für das bevorstehende Einspracheverfahren sind wir auf die Unterstützung durch Partner in den Umweltverbänden und auf unsere juristischen Berater angewiesen, die wir - wenn auch zu einem verhältnismässig günstigen Preis - zu entschädigen haben.

Auch der Grimselverein verschliesst sich den modernen Medien nicht. Vor zwei Jahren haben wir die Homepage aufgeschaltet. Wir möchten zwischen Vorstand und Vereinsmitgliedern auch via E-Mail kommunizieren können, um mit Informationen und Unterstützungswünschen auch kurzfristiger und kostengünstiger an die Mitglieder gelangen zu können. Bereits heute und auch während der kurzen Einsprachefrist kommunizieren wir mit unseren Partnern vorwiegend via elektronischer Post. Dies kann uns und euch die Arbeit für die Ausarbeitung einer Einsprache immens erleichtern. Wir bitten um Angabe der E-Mail Adressen an Mary Leibundgut leibundgut@unabern.ch. Selbstverständlich bleibt der Kanal über den konventionellen postalischen Weg allen erhalten. Wir werden auch in Zukunft Papier (Rundbriefe, Einzahlungsscheine, etc.) verschicken und freuen uns über Briefe, in denen unsere Arbeiten gelobt oder kritisiert werden.

Wir hoffen, viele von Euch im Sommer an der Grimsel zu sehen und grüssen
Der Vorstand