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Rundbrief 38, Oktober 2004
Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde
Langsam aber stetig rückt die Stunde der Wahrheit näher. Die KWO haben bekannt gegeben, demnächst das Teilprojekt III (die Mauererhöhung) zur Bewilligung aufzulegen. Die plötzliche Eile hat verschiedene Gründe: Von der zeitlich stark variierenden Stromnachfrage und den damit verbundenen Strompreisschwankungen wollen auch andere Stromproduzenten profitieren. Konkurrenzprojekte werden entwickelt, und mit jeder weiteren Inbetriebnahme einer Stromproduktionsanlage, welche auf die täglichen Nachfrageschwankungen reagieren kann, sinkt die Wirtschaftlichkeit für zusätzliche Investitionen in diesem Sektor. Einige dieser Vorhaben können wahrscheinlich mit weniger aufwendigen Bewilligungsverfahren erstellt werden als KWOplus. Zudem sind die Positionen klar, es gibt nach dem Abbruch des KOWA Dialogs nichts mehr zu diskutieren zwischen den Umweltorganisationen und den KWO. Die Umweltorganisationen werden gegen das Projekt Einsprache erheben und die Rechtmässigkeit des Moorperimeterentscheids des Bundesrates durch das Bundesgericht überprüfen lassen. Die Hardliner auf beiden Seiten haben Oberwasser. Die Streitlust ist auch auf der Seite der Befürworter gross, obschon sie dies öffentlich in Abrede stellen. Mit geballter wirtschaftlicher Potenz und politischer Kraft soll an diesem Paradeprojekt gezeigt werden, wie hoch Bartli das Wasser stauen kann. Und den USO’s wird unverfroren mit dem Entzug des Verbandsbeschwerderechts gedroht.
Die KWO haben das im Dezember 2003 eingereichte Gesuch um die vorzeitige
Verlegung des Lauteraarweges im Hinblick auf die geplante Seespiegelerhöhung zurückgezogen, weil keine rechtliche Grundlage besteht, um in einem BLN-Gebiet eine erforderliche Ausnahmebewilligung für eine vorzeitige Erstellung zu erteilen. Mit unserer Einsprache haben wir damit Erfolg gehabt. Die KWO beabsichtigen aber das Gesuch um die Verlegung des Lauteraarweges gleichzeitig mit der Eingabe des Teilprojektes III einzureichen.
Die
Begleitgruppe der Naturschutz- und Fischereiorganisationen und weitere an der Grimsel Interessierte hat sich im letzten halben Jahr zweimal getroffen. Die gegenseitige Information und Unterstützung in der Sache ist für beide Seiten von Vorteil. Innerhalb der Umweltorganisationen übernehmen WWF Schweiz und Pro Natura Schweiz die Federführung im Rechtsverfahren. Zu diesem Zweck wird eine Steuerungsgruppe „Rechtsverfahren“ gebildet und ein Kommunikationskonzept festgelegt. Ziel ist die Verhinderung des nicht rechtskonformen Projektes KWOplus. Eine Teilnahme ist mit der Anerkennung des Ziels und des Kommunikationskonzeptes verbunden. Die Position des Grimselvereins, sich einen eigenen Handlungsspielraum zu erhalten, fand verständlicherweise nicht nur Lob. Wir haben bis anhin auf eine Fundamentalopposition gegen das Projekt verzichtet und halten diese Position aufrecht, solange Aussicht besteht auf eine ökologische, soziale und auch ökonomische Verbesserung der Gesamtbilanz der Wasserkraft- und Energieproduktionsanlagen im Hasli, und dafür setzen wir uns im Moment (noch) ein. Deshalb ist ein Beitritt zur Zeit nicht möglich. Wir entscheiden zu einem späteren Zeitpunkt über die Einsprache. In einem solchen Fall werden wir noch intensiver mit den USO’s und der Steuerungsgruppe zusammenarbeiten, als wir es auch ohne Vollmitgliedschaft bereits tun. Der Grimselverein weiss die Unterstützung der USO’s sehr zu schätzen.
Anfang Mai haben wir den KWO auf Ihre Einladung zur Wiederaufnahme des Dialogs geantwortet und unsere grundsätzlich positive Einstellung zu Verhandlungslösungen nochmals bestätigt. Parallel dazu hat unser Vereinsmitlgied Roman Müller eine Initiative ergriffen KWO, Landsgemeinde Oberhasli und Grimselverein an einen Tisch zu bringen. Unter dem Arbeitstitel „
Grimsel Spirit“ und unter Leitung des Moderators Michel Roux fanden seit Juni drei Aussprachen statt. Eine Viererdelegation des Grimselvereins (Kaspar, Barbara, Gisela und Urs) nahm an den gemeinsamen Sitzungen teil. Die KWO beabsichtigen die gesetzlich notwendigen Ersatzmassnahmen ohne Fremdhilfe auf ihrem eigenen Grund und Boden (vorwiegend im Raum Steingletscher) zu evaluieren und der Baubewilligungsbehörde vorzulegen. Für die Erarbeitung zusätzlicher Ersatz- und Ausgleichsmassnahmen reicht die knappe Zeit bis zur geplanten Baueingabe nicht aus. Im Moment steht die Diskussion einer Stiftung im Vordergrund, welche durch die KWO alimentiert werden soll, und mit welcher diese zusätzlichen Massnahmen finanziert werden könnten. Bei allen Beteiligten bestehen berechtigte Zweifel, ob ein tragfähiger Kompromiss gefunden werden kann. Wir sind uns bewusst, dass es wegen unseren unterschiedlichen Werthaltungen fast unmöglich ist, eine allseits befriedigende Konfliktlösung zu finden. Diese unterschiedliche Werthaltung manifestiert sich z.B. auch in der Beurteilung des Entscheides des Bundesrates zum Moorschutz an der Grimsel. Letztendlich kann ein Wertekonflikt i.d.R. nur durch eine höhere Instanz entschieden werden. Aber alle beteiligten Parteien wissen auch, dass es schade ist, Ressourcen im Streit zu verschwenden und sind deshalb bereit die Gespräche fortzuführen.
Position des Grimselvereins: Der Grimselverein hat sich wiederholt und zunehmend mit weniger Erfolg um zusätzliche oekologische Ersatz- und zukunftsfähige oekonomische Ausgleichsmassnahmen bemüht. Von den vielen gemeinsam mit den KWO zusammengetragenen Projektideen ist bis dato nichts Bestandteil des Teilprojektes III geworden. Mit unserem Angebot an die KWO beim Vorliegen (aus unserer Sicht) valabler Ausgleichs- und zusätzlicher Ersatzmassnahmen auf eine Einsprache zu verzichten, haben wir unsere eigenen Möglichkeiten als auch diejenigen der KWO zur Meinungsänderung der Umweltorganisationen und des KWO Verwaltungsrates überschätzt. Mittlerweile ist klar, dass es vor der Eingabe des Projektes fast nichts mehr zu verhandeln gibt. Die KWO wollen erst im Rahmen des Bewilligungsverfahrens die gesetzlich notwendigen Ersatzmassnahmen festlegen. Der Weg der Mitsprache beschränkt sich für uns deshalb im wesentlichen auf die rechtlichen Möglichkeiten der Einsprache gegen das Projekt im Baubewilligungsverfahren.
Der Grimselverein wurde gegründet und versteht sich auch heute in erster Linie als regionale Organisation zur Wahrung der ökologischen Interessen bei der Wassernutzung im Haslital. Wir können und wollen uns in der Diskussion um KWOplus weiterhin für Landschaft und Gewässer stark engagieren und streben nach wie vor eine positive Gesamtbilanz des Projektes an. Wenn wir Rückschau halten, so können wir stolz sein auf die erreichten Ziele. Das unsägliche und vom Grimselverein vehement bekämpfte Projekt Grimsel West ist begraben. Die Moorlandschaft an der Grimsel ist - allerdings ohne die aus landschaftlicher Sicht besonders wertvollen untersten 27m oberhalb des heutigen Seespiegels - definitiv geschützt. Der Bundesratsentscheid ist jedoch noch kein Freipass für das KWO-Projekt, der Realisierungsentscheid fällt erst mit der Projektgenehmigung. Weil das Projekt in eine bundesrechtlich geschützte Landschaft (BLN) zu liegen kommt, muss in einer strengen Interessenabwägung nachgewiesen werden, dass gleich- oder höherwertige nationale Interessen am Projekt vorliegen, die einen solchen Eingriff rechtfertigen würden.
Es wird spannend. Wir sind frei, wir wählen unseren Standpunkt selber. Wir werden, bei aus unserer Sicht ungenügenden Ersatz- und Ausgleichsmassnahmen, Verbesserungen des Projektes KWOplus im Bewilligungsverfahren einfordern, oder das Projekt KWOplus ablehnen. Dies ist leider mit allergrösster Wahrscheinlichkeit der einzig gangbare Weg, um sich die Mitsprache am Projekt zu sichern. Dies haben wir so den KWO kommuniziert. Wichtig ist, dass wir das aus unserer Sicht Richtige tun.
Grimselgespräche fanden auch in diesem Jahr keine statt. Die beiden Partner KWO und Grimselverein haben sich ein wenig auseinandergelebt. Die Beziehung hat sich abgekühlt. Die Zukunft der „Grimselgespräche“ bleibt aber offen.
Die
Skitage vom 2. - 4. April an Engstlen bei Fritz Immer brachten dem neuen Präsi Einblicke in einen bisher noch nicht bekannten Teil des Vereinslebens. Unter kundiger Leitung führungserprobter Vereinsmitglieder wurde ein vielseitiges Programm absolviert. Am zweiten Tag teilte sich die Gruppe wegen Schneefalls auf. Die Wetterfesteren unternahmen eine GPS-Tour. Parallel dazu wurde eine Indoor Konkurrenz Vorstand (Präsi und Andrea) gegen Guttannen (Ernst und Ruth) ausgetragen. Das Duell wurde erst kurz vor 2200 Uhr im letzten Umgang zugunsten der Autochthonen entschieden.
Das
Gletscherweib überstand den Winter weitgehend schadlos, so dass am 3. Juli unter der erfahrenen Leitung der Ex-Präsidentin nur Kopf und Kopfschmuck der robusten steinernen Dame erneuert werden musste (Der Marketingleiter der KWO würde wohl von Facelifting sprechen).
Feuer in den Alpen vom 13. August. Das Ereignis fand ein weiteres Mal wegen garstigen Witterungsverhältnissen auf dem Grimselpass statt. Alphornbläser, Gastredner und wetterfeste SängerInnen standen um das sehr läbige und widerstandsfähige von kräftigen Windböen animierte Feuer.
Skitouren- und Jasstage 2005: Bitte Datum vormerken: 1. - 3. April 2005. Neuer Abteilungsleiter Skitouren ist Thomas Schott, Biel, Tel G: 031 324 79 33, P: 032 322 52 37.
Wer die Zukunft des Grimselvereins mitgestalten will, ist herzlich eingeladen an die Generalversammlung! Wir hoffen viele von Euch zu sehen und grüssen
Der Vorstand