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Rundbrief 37, April 2004
Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde
Es ist Einiges passiert seit dem letzten Rundbrief. Viele von uns sind noch aufgewühlt, wenn auch nicht überrascht vom Entscheid des Bundesrates, den untern Rand der Schutzzone der Moorlandschaft an der Grimsel 27 m höher zu legen als ursprünglich festgelegt. Aber alles schön der Reihe nach und in der von Kathrin von Steiger geprägten und vertrauten Form.
Die
Generalversammlung fand am 16. November im Hotel Kreuz in Meiringen statt. Anwesend waren an die 100 Vereinsmitglieder, einige Pressevertreter, eine Delegation der KWO (Direktor Dr. Biasutti, Direktionsassistent Max Ursin und Marketingchef Ernst Baumberger) und als kulturelles Highlight Gusti Pollack. Die Diskussion um die Zukunft des Grimselvereins wurde auf breiter Basis geführt und die KWO-Vertreter konnten sich von der Bereitschaft zum Widerstand der Versammlung gegen KWO Plus überzeugen lassen. Wie bereits im letzten Rundbrief angekündigt haben die Präsidentin Kathrin von Steiger, Peter Anderegg und Dres Schild, alle drei seit Anbeginn dabei und im Vorstand, ihren Rücktritt bekanntgegeben. Wir alle haben Verständnis dafür, aber wir sind auch verunsichert ob dem Führungsverlust, die drei hatten wesentlichen Anteil am Erfolg im Kampf gegen das monströse Grimsel-West Projekt und waren versierte Gesprächspartner am KOWA-Dialog. Immerhin wurde personell für Nachfolge gesorgt. Die Neuen Andrea Gertsch (Unterseen), Mary Leibundgut (Bern), Thomas Schott (Biel), Kaspar Schiltknecht (Ringgenberg) und Urs Eichenberger (Zürich) wurden in einem rassigen Verfahren gewählt. Erstmals besteht der Vorstand nun aus fast 50% Auswärtigen. Man kann aber davon ausgehen, dass der Grimselverein weit weniger von Auswärtigen geprägt wird als etwa die KWO, die ja zu 100% im Besitz von Kraftwerkfirmen aus dem Unterland ist (Pro memoria: 50% BKW und je zu einem Sechstel die Stadtwerke Bern, Basel und Zürich).
Kaum war die GV Geschichte, hat uns die KWO mit dem
Baugesuch zur Verlegung und Erneuerung des Lauteraarweges beschäftigt. Doris Heiniger und Barbara Schläppi waren an den beiden Begehungen im Herbst dabei. An der Vorstandsitzung im Dezember 2003 haben wir beschlossen, gegen das Ansinnen der KWO Einsprache zu erheben. Bis dato ist nicht bekannt, wie es weitergeht. Gemäss Aussagen der Regierungsstatthalterin Frau Yvonne Kehrli-Zopfi, wartet Sie auf die Stellungnahme der Eidg. Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK). Letztere wollte zuerst den Entscheid des Bundesrates zum Moorlandschaftsperimeter abwarten.
Der Bundesrat hat am 25. Februar entschieden. Wir haben umgehend eine Medienmitteilung mit folgendem Wortlaut verschickt.
Der Grimselverein ist enttäuscht, wenn auch nicht überrascht, über diesen Bundesratsentscheid zum Moorschutz an der Grimsel. Der Bundesrat hat damit dem Antrag des Kantons Bern zur Perimeterverkleinerung der zu schützenden Moorlandschaft entsprochen. Mit der Höhergewichtung der Bedürfnisse der Kraftwerke Oberhasli gegenüber den ökologischen und rechtlichen Aspekten einer geschützten Landschaft missachtet der Bundesrat das Gutachten von Dr. Peter Keller, das eine solche Interessenabwägung zur Festlegung des Moorlandschaftsperimeters klar als unzulässig erklärt hat. BUWAL wie Bundesrat gehen davon aus, dass dieser Bundesratsentscheid akzessorisch vom Bundesgericht im Zusammenhang mit dem Projekt KWO plus überprüft wird.
Der Bundesratsentscheid ist jedoch noch kein Freipass für das KWO-Projekt, der Realisierungsentscheid fällt erst mit der Projektgenehmigung. Weil das Projekt in eine bundesrechtlich geschützte Landschaft (BLN) zu liegen kommt, muss in einer strengen Interessenabwägung nachgewiesen werden, dass gleich- oder höherwertige nationale Interessen am Projekt vorliegen, die einen solchen Eingriff rechtfertigen würden. Aus unserer Sicht ist dies beim Projekt „KWO plus“ sehr schwierig, wenn nicht unmöglich und zudem gilt die avisierte Pumpspeicherung als ökologisch bedenklich. Die KWO hat sich stets dazu bekannt, dass sie mit KWO-Plus eigene betriebswirtschaftliche Interessen verfolgen und keinen Zusammenhang mit der Sicherstellung der nationalen Stromversorgung konstruieren wollen. Wir sind gespannt, wie die KWO diesen Spagat schaffen wollen. Der Grimselverein wird zu „KWO plus“ erst Stellung nehmen, wenn Notwendigkeit und Umweltverträglichkeit des Projekts untersucht sind.
Zum
Verhältnis Grimselverein - KWO: Die KWO haben uns wie üblich im Januar zum KWO-Apéro eingeladen. Eine 5-er Vertretung des Vorstandes hat an dieser PR-Veranstaltung teilgenommen. In unzähligen Voten wurde die Begeisterung für die KWO und die überwältigende Zustimmung zu ihrem Projekt zum Ausdruck gebracht. Wir haben unsere Sicht dargelegt.
Seit unserem Angebot (Brief vom 24.8.03 „Standortbestimmung und Perspektive Grimselverein“) an die KWO, uns als Gesprächspartner für innovative Lösungswege anzubieten und auf fundamentalen Widerstand gegen KWO plus zu verzichten, falls wir Chancen sehen wegweisende Ausgleichsleistungen mit gesamtschweizerischer Ausstrahlung zu erreichen, haben wir aus unserer Sicht keine genügenden Zeichen wahrnehmen können, dass die KWO an einer weiteren Zusammenarbeit mit dem Grimselverein interessiert wären. Wir sind nach wie vor der Meinung, dass nur über die Auseinandersetzung im Dialog konstruktive Lösungen gefunden werden können. Die KWO haben uns zugesagt, dass sie uns über die von ihnen geplanten Ausgleichsmassnahmen informieren werden, bevor sie das Baugesuch zur Mauererhöhung einreichen werden. Wir erachten es aber ebenso als notwendig, dass die KWO insbesondere die
Auswirkungen des Teilprojektes 5 (Leistungsausbau Räterichsboden - Innertkirchen) umgehend abklären und
offen legen, damit das Vorhaben KWO plus als ganzes beurteilt werden kann. Mit diesem neuen Verarbeitungsstrang könnten die KWO 700 MW Mehrleistung zur Produktion von Spitzenenergie nutzen. Dies würde bedeuten, dass kurzfristig doppelt soviel Wasser in Innertkirchen aus den Kraftwerksanlagen fliessen könnte (140 m3/sec) als heute. Die kurzfrisitge Pumpspeicherung und Turbinierung war noch nie so rentabel wie heute. Wie schnell die Strompreise am Spotmarkt der Leipziger Strombörse ändern, kann im Internet unter
www.eex.de/info_center/downloads/index.asp angeschaut werden. Wir sehen unsere Aufgabe weiterhin darin, den Finger auf die groben Mängel des Projektes zu legen und im Rahmen eines regionalen Dialogs um valable Ausgleichsmassnahmen zu kämpfen. Nitz’s niid, so schad’s niid.
Unterstützung in unserer Auseinandersetzung mit dem Projekt KWO plus erhalten wir durch die Umweltschutzorganisationen. Wir treffen uns weiterhin zweimonatlich in der
Begleitgruppe der Naturschutz- und Fischereiorganisationen und weitere an der Grimsel Interessierte zur Diskussion, gegenseitigen Unterstützung aber auch Abgrenzung. Der Grimselverein will auch im Kreise der Umweltorganisationen seinen eigenen Handlungsspielraum behalten.
Vorhaben und Hinweise
Mitgliedschaft im Verein Pro Frutt-Engstlenalp: Der Grimselverein wird Kollektivmitglied. Die beigelegte Unterschriftenkarte (Erklärung gegen das Mammutprojekt Skigebietszusammenlegung Hasliberg-Frutt-Titlis) kann von allen unterschrieben werden, unabhängig von Alter, Wohnort oder Staatszugehörigkeit. Bitte die teilweise oder ganz ausgefüllten Unterschriftskarten bis 14. April retournieren an:
Pro Frutt Engstlenalp, Postfach, 6064 Kerns. Weitere Infos bei Fritz Immer, Engstlenalp oder unter www.profrutt-engstlenalp.ch.
Grimselgespräche: Es finden einstweilen keine Grimselgespräche statt, weil die Vertrauensbasis beidseitig fehlt. Wir wollen für das Jahr 2005 „Frauen in den Bergen“ als Thema mit oder ohne KWO (dann halt unter anderem Namen) lancieren.
Gletscherweib 3. Juli 2004
Bergend beschütze das Weib / Aus Steinen geschichtet / Aus Hoffnung errichtet / Den Gletscher / Das Wasser / Das Tal
Wie alle Jahre im Frühsommer wollen wir die Steinfigur am Unteraargletscher, Symbol für Schutz und Sorge, neu aufbauen und mit Gebetsfahnen schmücken. Sie würde nach einer Mauererhöhung im neuen, vergrösserten See untergehen, wie überhaupt das lebendige, ganz besondere Gletschervorfeld, das sie überblickt. Solange wir können, pilgern wir zum Gletscherweib, bei jedem Wetter und feiern mit Vergnügen, Wein und Räucherwerk. Für alle, die noch nie da gewesen sind, ist dieser Ausflug eine gute Gelegenheit, die Sunnig Aar ein wenig kennen zu lernen. Interessierte, die nicht ohnehin jedes Jahr dabei sind, melden sich bitte bei Katharina von Steiger 033 971 36 06.
Exkursion Parcours du Glacier de l’Aar, 2. - 4. Juli.
In Verbindung mit der Wallfahrt zu unserer Schutzmatrone, dem Gletscherweib, ist vorgesehen, endlich den Parcours kennen zu lernen oder besser gesagt die darin vorgeschlagene Art, sich unserer schutzbefohlenen Landschaft zu nähern. Auskünfte dazu bei Emil Feuz, 3857 Unterbach, Tel.: 033 971 21 45, E-Mail: emilfeuz@bluewin.ch ; Anmeldung daselbst bitte bis am 18. Juni . Angemeldete erhalten dann ein Programm.
Feuer & Wasser in den Alpen 14. August 2004: Nicht mehr ganz so spektakulär wie letztes Jahr, dafür mit ein bisschen Nostalgie und Überraschung, organisiert durch Emil Feuz. Genaueres siehe im beiliegenden Programm. Kaspar Schiltknecht übernimmt die Programmleitung auf dem Sidelhorn (siehe Beilage).
Bildungsexkursion des WWF zu Gletscherschwund, Moorschutz und Stromproduktion 14. / 15. August 2004: an der Grimsel und im Lauteraar, von Erika Loser organisiert, von Emil Feuz begleitet. Besammlung 9.00 Uhr ,Bahnhof Meiringen oder 10 Uhr, Grimsel Hospiz. Am Samstag besuchen wir die Sunnigaar, am Abend, wer will, das läuternde und stärkende Feuer auf dem Sidelhorn und am Sonntag den Oberaar Gletscher. Dabei lernen die TeilnehmerInnen auch die auf unserem Parcours du Glacier de l’Aar mögliche bzw. vorgeschlagene Art der Annäherung an die uns hochwerte Landschaft kennen. Die Teilnahme kostet Fr. 250.- Auskünfte und Anmeldung bei : Bildungszentrum WWF Bollwerk 35, 3011 Bern, Tel.: 031 310 50 50, E-Mail:
service@bildungszentrum.wwf.ch.
Letzte Meldung: Am 25. März, einen Tag bevor dieser Rundbrief an die Druckerei Trummer versandt wurde, haben der Grimselverein, Pro Natura Bern und der WWF Bern, mit Kopien an andere USO’s, an die Regierungsstatthalterin und an die Landsgemeinde Oberhasli von den KWO einen Brief erhalten, worin diese die Umweltorganisationen und uns zur Wiederaufnahme des Dialogs zwecks Kompromisssuche einladen. Wir werden das Angebot an unserer nächsten Vorstandsitzung vom 16. April diskutieren und den KWO Antwort geben. Die KWO Avance wird ebenfalls an der Begleitgruppensitzung vom 3. Mai diskutiert werden.
Wir hoffen viele von Euch im Sommer an der Grimsel zu sehen und grüssen
Der Vorstand