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Rundbrief 35, April 2003

Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde!

Wir danken herzlich für die grosszügigen Spenden und die zahlreichen ermutigenden Zuschriften nach unserem letzten Rundbrief: wenn wir etwa gemeint hätten, das Engagement für die Grimsel sei erlahmt, habt Ihr uns einen eindrücklichen Gegenbeweis geliefert!
Der Mitgliederbeitrag 2003 ist fällig, bitte beachtet den Einzahlungsschein, obwohl wir Euch letzten Herbst in einem vorübergehenden finanziellen Engpass um Spenden gebeten haben.
Endlich: der Grimselverein ist seit 1.3.2003 im Internet: www.grimselverein.ch. Wir danken Marius Schären herzlich für die gute Zusammenarbeit und das schöne, sorgfältig gestaltete Ergebnis!
Der Konfliktlösungsdialog ist gescheitert – trotz allem aufrichtigen Bemühen der Beteiligten haben wir keine Annäherung gefunden in den Rechtsfragen zum Moorschutz und keine gemeinsamen Vorstellungen von allenfalls zu leistenden Ausgleichsmassnahmen entwickeln können. Für die nationalen Umweltverbände (USOs) ist es zentral wichtig, dass geltendes Umweltrecht, wie es im Fall des Moorschutzes in der Verfassung verankert ist, umgesetzt wird, und es ist eine Frage der Glaubwürdigkeit, darauf gegebenenfalls bis vor Bundesgericht zu beharren. Uns selber vom Grimselverein liegen Landschaft und Wasser im Hasli noch mehr am Herzen als der Buchstabe der Verfassung; wir haben (zähneknirschend) eine weitere Beeinträchtigung der Moorlandschaft Grimsel nicht von vornherein ausgeschlossen unter der Bedingung, dass die Natur anderswo ganz wesentlich aufgewertet wird, zum Beispiel mit einer Renaturierung Urbachtal-Gauli oder einer teilweisen Revitalisierung der Aare zwischen Meiringen und Brienzersee. Andere attraktive Werke waren in Diskussion, keins davon hatte Aussichten, allseits akzeptabel zu werden. Und die KWO mochte sich gegen die Stellungnahmen von Bäuertgemeinden, Gewerblern etc. nicht für ein ökologisch wirklich bedeutendes Werk einsetzen. Allerdings: die USOs reagierten auf die aus unserer Sicht prüfenswerten Vorschläge der KWO auch sehr spröde, liessen sich nicht ernsthaft darauf ein. Wir mussten anfangs März den Dialog, wie ihn 1995 die KOWA vorgeschlagen hat, gegen unseren Willen und die Abmachungen beenden. Nach drei Jahren Einsatz für die schliesslich erfolglose Suche nach einem Konsens sind wir elend enttäuscht, dass diese Chance vertan ist. Und gleichzeitig erleichtert: das war ja ein unmöglicher Chrampf, so verstrickt zu sein zwischen all den unterschiedlichen Interessen, die nicht unter einen Hut zu bringen waren! Nun sind wir wieder frei, unsere eigene Politik festzulegen. Und frei, öffentliche Stellungnahmen abzugeben, auf die wir aus Rücksicht auf den Dialog verzichtet haben.

Wie weiter mit dem Grimselverein? Ihr solltet mal die Vorstandsdiskussionen hören! – „Nach dem Scheitern des Dialogs bleibt dem Grimselverein, wenn er nicht seine Ziele verraten will, nichts anderes als der entschlossene Widerstand gegen die Mauererhöhung mit allen Mitteln!“ „Niemand will fundamentale Opposition leisten, nachdem wir uns jetzt auf ein Gespräch eingelassen haben, und wir wollen nicht einen Streit zwischen Juristen um die richtige Auslegung der Bundesverfassung unterstützen; wir müssen uns beteiligen an einem regionalen Dialog zum Projekt KWO plus und dort versuchen, möglichst viel für die Natur herauszumärten!“ „Da haben wir ja bei der allgemein herrschenden unkritischen Euphorie für das Ausbauprojekt der KWO nicht die geringsten Chancen, uns Gehör zu verschaffen. Und wir können natürlich nicht mit der Unterstützung der USOs rechnen, im Gegenteil: wir lassen uns von der KWO auseinanderdividieren.“ „Wozu braucht es den Grimselverein dann überhaupt noch? Wir müssen unsere Machtlosigkeit anerkennen: weder können wir unsere traditionellen Bündnispartner zum Verhandeln bewegen noch können wir im Hasli eine Mehrheit schaffen, die Gewähr bietet für anständige Ausgleichsmassnahmen. Wir können unsere in den Statuten festgelegten Ziele nicht erreichen. Wir sollten den Grimselverein auflösen.“ „Den Grimselverein auflösen?? Den besten Verein, den es im Hasli je gegeben hat: die Organisation, in der sich alle Dissidenten zusammenfinden, die nicht einstimmen mögen in das SVP-FDP-Portemonnaie-Johlen?? Bei all der starken Unterstützung durch unsere Mitglieder? – Unmöglich, einen solchen Wert vernichten zu wollen!“ „Könnte der Grimselverein ein Kulturverein werden mit Gletscherweib, Feuer in den Alpen, l’art pour l’aar etc.?“ „Wir stellen unsere Tätigkeiten erst mal ein. Tun einfach nichts, bis sich eine Stossrichtung aufdrängt.“ – Ihr seht: über die Zukunft des Grimselvereins sind wir uns nicht im klaren, unser vorläufiges Fazit: „ Wir müssen klar und deutlich sagen, dass wir die Mauererhöhung nicht wollen. Wenn wir sie nicht verhindern können, müssen wir das Bestmögliche an Ausgleichsmassnahmen anstreben. Und wenn die Angebote zu dürftig sind, müssen wir die USOs unterstützen im Gang vor Bundesgericht und alle Mittel, den Bau zu verhindern, ausschöpfen.“ - Wir werden diese wichtigen Fragen an der Generalversammlung im November diskutieren. Bitte denkt nach, bereitet Euch vor, am 16.11.03 die Weichen zu stellen, teilt uns mit, wie es aus Eurer Sicht mit dem Grimselverein weitergehen soll und ob wir uns (als Sprachrohr der Natur? als Feigenblatt vor der beschämenden Nacktheit ungezügelter wirtschaftlicher Interessen?) beteiligen sollen an einem regionalen Dialog.

Rochaden im Vorstand im November: die Präsidentin tritt zurück, im Herbst ist die Nachfolge zu regeln. Andere Vorstandsmitglieder treten, ebenfalls aus Altersgründen, zurück – grössere Rochaden zeichnen sich ab. Wer von Euch die Geschicke des Vereins mitgestalten will, ist willkommen im Vorstand und soll sich bitte melden!

Vorhaben und Hinweise

Atomabstimmungen 18.5.03: unbedingt 2 x Ja zu den Initiativen „Strom ohne Atom“ und „MoratoriumPlus“!
Grimselgespräche 2003: im UNO-Jahr des Wassers natürlich zu „Wasser“ am 12.9.03 – bitte vormerken!
Landschaftspark Gadmental, Biosphären-Reservat Oberhasli, R-LEK: im Hasli sind verschiedene Entwicklungskonzepte in harziger Diskussion – nichts Berauschendes in Sicht, eher Fünfer&Weggli-Heischen.
Parcours du Glacier de l’Aar: das Projekt gewinnt Beachtung und Auszeichnungen; sich mit der nötigen Musse im Gelände aufzuhalten, wagen im kommenden Sommer hoffentlich mehr Leute als bisher. Auskunft: Tel 033 971 21 45
Gletscherweib vorverschoben auf 21.6.03!! Wer mitkommen will, ist willkommen: Tel 033 971 36 06
Feuer & Wasser in den Alpen: unser Glanzstück heuer! Beachtet die Einladung, das hochkarätige Programm, die Spitzenbesetzung! Wir freuen uns sehr auf ein schönes Fest und raten den Interessierten, sich rasch anzumelden (Platzzahl in der Hütte beschränkt!) l’art pour l’aar: auch heuer bereitet die Künstlergruppe eine attraktive Kunstaktion im Gelände vor. Auskunft: Tel 033 971 62 93
BKW-Aktien ins Hasli: auf dass wir mehr Anteil haben am natürlichen Reichtum unseres Tals, haben wir den KWO-Aktionären vorgeschlagen, den einheimischen Gemeinden BKW-Aktien im Wert von 1% ihres Jahresgewinns zu vermachen. Sie wollen nicht.

Wir hoffen Viele von Euch im Sommer zu sehen, zum Bau des Gletscherweibs oder im Gauli! Liebe Grüsse Euch allen!
Der Vorstand