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Rundbrief 33, April 2002

Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde!

Es gilt heutzutage nicht gerade als cool, sich für Natur und Umwelt einzusetzen, und wir danken Euch allen, die Ihr unsere Arbeit trägt, herzlich für Eure Unterstützung! Was macht eigentlich der Grimselverein?? Seit wir den Dialog mit der KWO aufgenommen und uns vom fundamentalen Widerstand verabschiedet haben, treten wir in der Öffentlichkeit weniger in Erscheinung – und es kommt vor, dass wir gefragt werden, ob es den Grimselverein überhaupt noch gebe... Wird Zeit, dass wir Euch berichten von der Arbeit des Vorstands und von unseren Vorhaben!
Zuerst und vor allem der schnöde Mammon: wir brauchen Geld und bitten Euch, den Mitgliederbeitrag für 2002 grosszügig aufzurunden und bitten Euch um Extraspenden für den Parcours du Glacier, für ein juristisches Kurzgutachten und für eine schöne Musik zu unserer Generalversammlung.

Stand Projekt KWO plus
Demnächst beginnen die Bauarbeiten für Teil 1 des Projekts KWO plus, den Stollenbau Handeck-Innertkirchen. Voraussichtlich im Spätherbst 02 soll die Eingabe für die Baubwilligung des Teils 2, einer neuen Turbine in der Zentrale Grimsel 1, stattfinden. Beide Ausbauteile sind prinzipiell unbestritten, es handelt sich um Sanierungen und Aufwertungen der bestehenden Anlagen, ohne gravierende Umweltauswirkungen. Anders sieht es aus für Teil 3, den die KWO als Kernstück des Projekts KWO plus bezeichnet: die Mauern des Grimselsees sollen um 23m erhöht werden, der See würde dadurch um 70% vergrössert. Überstaut würden das dynamische Gletschervorfeld des Unteraargletschers und ein Teil der Moorlandschaft samt der dichtesten Baumgruppe des Arvenwalds. Das Abflussregime der Aare und der Brienzersee würden beeinflusst. Die Ausbauteile 4 und 5, ein neuer Verarbeitungsstrang Oberaar-Innertkirchen mit neuen Zentralen und einer zusätzlichen Leistung von 1000 MW, seien vorläufig erst „Optionen“ – sie beschäftigen uns erst in düsteren Alpträumen...

Konfliktlösungsdialog
Wir erleben harte Zeiten! Wohl reden wir miteinander, Umwelt- und Fischereiorganisationen und KWO, und zwar allermeist gesittet und in dezenter Höflichkeit - aber die Auffassungen sind sehr unterschiedlich, und der sanfte Stil kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es kaum überwindbare Gegensätze gibt. Zur Zeit sind wir nicht gerade z’Gstelli, aber es geht harzig voran: die KWO will, dass wir einen Grundkonsens zum Ausbau gefunden haben, bevor Ausgleichs- und Ersatzmassnahmen diskutiert werden. Die Umweltorganisationen ihrerseits machen die Bereitschaft, die Kröte Mauererhöhung zu schlucken, abhängig von der Qualität der Ausgleichsmassnahmen und wollen, dass die KWO Alternativen zum Mauerbau ernsthaft prüft. Damit wir klären können, ob es überhaupt einen kleinsten gemeinsamen Nenner gibt, auf dem ein konstruktiver Dialog weitergeführt werden kann, arbeiten wir zur Zeit an folgenden Fragen:
Gibt es Grundsätze zur Nutzung der Wasserkraft, denen alle am Dialog Beteiligten zustimmen können?
Ist es rechtlich zulässig, die Moorlandschaft Grimsel im vorgesehenen Ausmass zu verkleinern? Sind wir Umweltorganisationen, wenn wir uns hier auf Verhandlungen einlassen, schon dran, selber Verfassungsrecht zu ritzen??
Wenn in einem BLN-Gebiet gebaut werden soll, braucht es den Nachweis eines gleich- oder höherwertigen nationalen Interesses; ein solches kann die KWO für ihr Ausbauprojekt nicht geltend machen. Hebelt hier der liberalisierte Strommarkt Bundesrecht aus?
Wir möchten auf sicherem Boden verhandeln, nicht riskieren, irgendwelche rechtlich bedenklichen Kompromisse einzugehen und haben ein juristisches Kurzgutachten in Auftrag gegeben. Ausserdem beginnen endlich Gespräche über mögliche Ausgleichsmassnahmen. Wenn wir in kleinem Kreis darüber nachdenken, gibt es neben allzu bescheidenen, etwas kleinmütigen Vorschlägen (Schere im Kopf) etliche mehr oder weniger fantastische, teilweise grossartige Ideen: soyez réalistes, demandez l’impossible!
Das am besten greifbare Ergebnis des Konfliktlösungsdialogs bis heute ist die Zusicherung der KWO, die vom Gewässerschutzgesetz verlangte Gewässersanierung in Angriff zu nehmen, bevor sie vom Kanton Bern, der geneigt ist, alle Fristen grosszügig verstreichen zu lassen, dazu gezwungen wird.
Der Grimselverein vertritt im Dialog folgende Haltung: wir befürworten die Nutzung der Wasserkraft im Hasli, die Erneuerung und Verbesserung der bestehenden Anlagen sowie den massvollen Ausbau der KWO-Anlagen. Falls die KWO sich zu angemessenen Ausgleichsmassnahmen verpflichtet, verzichten wir darauf, eine Erhöhung der Grimselstaumauern um bis zu 18m zu bekämpfen, vorausgesetzt, der beabsichtigte Ausbau ist umweltverträglich. Wir können uns nicht vorstellen, eine Mauererhöhung um 23m, wie die KWO sie plant, hinzunehmen; die dichteste Baumgruppe des wertvollen Arvenwalds würde untergehen – wie sollte der Grimselverein, Ersatzmassnahmen hin oder her, einem solchen Verlust zustimmen können? Es ist uns klar, dass wir für eine solche Wertentscheidung keine politische Mehrheit gewinnen können; wir gehören zu den Fossilien, ewiggestrigen IdealistInnen, den belächelten „Gutmenschen“ oder gehassten Bremsklötzen. Und sollten wir deshalb aus unseren Herzen Mördergruben machen? -

Grimselgespräche
Dass die ersten Grimselgespräche vom vergangenen Herbst ein grosser Erfolg gewesen sind, haben wir mitgeteilt. Eine der wesentlichen Einsichten war, dass für jede Schutz- und Nutzungsplanung, für jede umweltverträgliche Entwicklung unseres Tals der Einbezug „des Volks“ unverzichtbar ist. Nur: wie beteiligt man Leute, die in der nie diskutierten Überzeugung leben, ohnehin keinen Einfluss zu haben auf die Geschicke und die Politik unserer Umgebung? Und wie gewinnt man Leute zu konstruktiver Zusammenarbeit, die gewohnt sind, zu befehlen, zu verfügen und beleidigt sind, wenn andere mitdenken wollen?? – Diese Prozesse brauchen Zeit, was vor allem am fulminanten Start des Pilotprojekts Gadmental (eine nachhaltige Entwicklung sollte mit Fantasie und Engagement angestossen werden) und seinem jetzt gedrosselten Tempo sichtbar ist. Die nächsten Grimselgespräche sind in Vorbereitung, sie finden am 13. September 02 statt. Interessierte erfahren mehr bei: Barbara Schläppi, Steinen, 3864 Guttannen, Tel 033 973 11 13.

Parcours du Glacier de l’Aar
Unser Lieblingsprojekt braucht noch Pflege und Unterstützung. Ein Rucksack mit für allerlei Erkundung nötigem Inhalt kann im Grimsel Hospiz oder in der Lauteraarhütte gemietet werden. Der Parcours-Führer samt Materialien ermöglicht es den BesucherInnen der Unteraar, die gwundrig sind und sich ein paar Tage Zeit gönnen, in dieser an Kostbarkeiten reichen Landschaft Ungeahntes zu entdecken, darüber zu staunen. Wir wollen für diesen anspruchsvollen Lern- und Erlebnisparcours kräftig Werbung machen, ihm die verdiente Aufmerksamkeit sichern. Für den 6. Juli 02 laden wir ein für den offiziellen Eröffnungstag. In den darauf folgenden zwei Wochen werden mehrtätige Führungen angeboten, die sich z.B. auch als LehrerInnen-Fortbildung eignen. Auch die Herbstexkursion des Grimselvereins ist diesem Projekt verschrieben. Sie findet vom 3.-6. Oktober statt. Das Erstellen des Parcours ist mit 52'000 Franken veranschlagt und hat bis jetzt rund 31'000 Fr gekostet. An Sponsorengeldern sind bis heute 11'600 Fr eingegangen, wir brauchen also noch Geld. Bitte meldet Euch, wenn Ihr mögliche Geldgeber wisst! Lasst uns, wenn Ihr könnt, Extraspenden zukommen für den Parcours!
Auskünfte, Programme für Führungen, Mitteilungen etc.: Emil Feuz, 3857 Unterbach, Tel/Fax 033 971 21 45, e-mail: emilfeuz@bluewin.ch.

Veranstaltungen

Gletscherweib und Eröffnungstag Parcours du Glacier
Zu unseren liebsten Traditionen gehört das Pilgern zum Gletscherweib: seit 1989 bauen oder erneuern wir jedes Jahr die grosse, schützende Steinfigur am Fuss des Unteraargletschers und schmücken sie mit Gebetsfahnen, je nach Wetter mit mehr oder weniger ausführlichem Zeremoniell. Kinder sind zu diesem Ausflug sehr willkommen; für einen Weg müssen sie etwa zweieinhalb Stunden wandern können. Wer Zeit hat, kann in der Lauteraarhütte übernachten, am andern Tag eine Hochtour machen oder im Eldorado klettern. Heuer findet gleichentags die offizielle Eröffnung des Parcours du Glacier de l’Aar statt, mit Spektakel und Musik. Wir richten es so ein, dass man an beiden Anlässen teilnehmen kann. Interessierte erhalten Auskunft bei Emil Feuz 033 971 21 45 oder bei Katharina von Steiger 033 971 36 06.

Feuer in den Alpen: Sidelhorn
Bitte beachtet die Beilage und kommt in Scharen! Das Sidelhorn-Feuer ist wohl der Höhepunkt unseres Vereinsjahrs: immer ein stimmungsvolles Fest mit heiterer und trauriger Musik, vergnüglich bis feierlich, auf jeden Fall farbig, oft wild in Wind und Wolkenfetzen, und wie die Nacht sinkt, das hell lodernde Feuer sich wandelt in heisse Glut, lange noch rot – es sind unvergessliche Eindrücke. Am gleichen Tag zeigt die KünsterInnengruppe l’art pour l’aar Kunst in der Landschaft, auf dem Grimselpass.

3.-6.10.02: Herbstexkursion Parcours du Glacier de l’Aar
Interessierten Mitgliedern bieten wir eine mehrtägige, geführte Tour in der Lauteraar an, und zwar auch solchen, denen unsere Ski- und Kletterexkursionen zu streng sind. Wir werden, im ganz besonderen Licht und in den atemberaubenden Farben des Herbstes Landschaft, Gletscher und Pflanzenwelt erkunden, uns Zeit nehmen. Interessierte melden sich bitte bei Emil Feuz, 3857 Unterbach, Tel/Fax 033 971 21 45, e-mail: emilfeuz@bluewin.ch.

Hinweise:
„Die Gletscher der Aare – Natur- und Kulturerbe“ von Andreas Wipf und Gustav Tribolet: Es gibt eine neue, ausserordentlich interessante und schöne Arbeit über die Aaregletscher. Die 24seitige, reich illustrierte Broschüre basiert auf einer Vortragsreihe im Spätherbst 2000 und behandelt historische und aktuelle Gletscherforschung, die Aaregletscher in der Kunst, botanische Forschungen im Umfeld und Klimaschwankungen. Wer diese Broschüre kaufen möchte, soll eine Zwanzigfrankennote schicken an: Frau Marianne von Bergen, Lehn/Boden, 3864 Guttannen. Absender bitte leserlich schreiben!
Wir legen diesem Rundbrief die Zeitschrift natur und mensch „Grimselgespräche: Schutz- und Nutzungsplanung im Berggebiet“ bei. Es freut uns, dass es uns gelungen ist, die KWO zu gewinnen für die gemeinsame Planung und Gestaltung der Grimselgespräche und dass die erste Veranstaltung zu einem für uns entscheidend wichtigen Thema so gut dokumentiert und zugänglich ist.
Herr Nationalrat Remo Galli, Präsident der Gewässerschutzorganisation Aqua Viva, leitet am 15. Juni 02 eine Exkursion auf der Expo Arteplage in Yverdon. Interessierte melden sich bitte bis Ende Mai bei Dres Schild, Ittigenstr. 19, 3063 Ittigen, Tel 031 921 56 96, e-mail: schild.flueckiger@pop.agri.ch
Zum UNO-Jahr der Berge gibt es ein Alpenregion-Filmfestival mit aussergewöhnlichen Bergfilmen: 8.7.02 – 14.7.02 in Meiringen, Brienz und im Kraftwerk Handeck 3. Programme und Auskunft: 033 982 20 11 (KWO).
Und der Schweizer Bergführerverband verschenkt zum Jahr der Berge 100 Gipfeltouren: wir rufen die zahlreichen Bergführer im Grimselverein auf, sich an dieser Aktion zwischen 29.8.02 und 1.9.02 zu beteiligen. Bitte informiert Euch bei: www.4000plus.ch.

Zum Schluss: wir bitten Euch, das Datum für unsere Generalversammlung vorzumerken: 17.11.02, mit dem besonderen Gast Tinu Heiniger!! Wir freuen uns, wenn Ihr in grosser Zahl kommt.

Liebe Grüsse allen vom Vorstand!