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Rundbrief 32, September 2001

Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde!

Auf der Grimsel liegt schon wieder Schnee, ein wenig früh zwar, und vielleicht schmilzt er nochmals weg; trotzdem wird der baldige Winter ihr wieder etwas mehr Ruhe bringen. In den gut geheizten Büros im Tal unten werden aber Leute weiter Pläne schmieden, was dann dort oben geschehen soll. Auch wir machen da ja mit in dieser Schmiede, indem wir den einen Schmieden dreinreden, ins Handwerk pfuschen, ihnen auch schon das Feuer auf der Esse „vercheibet“ haben – zum Glück – und nun sind wir im Dialog mit den KWO daran, selber zum Zuschlaghammer zu greifen oder wir haben mit dem Parcours du glacier de l’ aar auch schon selber etwas geschmiedet. Hier ein paar Mitteilungen und Gedanken über diese Arbeiten.

Konfliktlösungsdialog KWO plus
Die KWO erwarten die Baubewilligung für den Bau des Parallelstollens und die Sanierung des bestehenden Stollens Handegg – Chapf diesen Herbst und wollen mit dem Bau im nächsten Frühling beginnen. Von unserer Seite sind dazu keine Einwände gemacht worden. Die Einsprachen der Fischer und von Aqua Viva sind nicht zurück- aber auch nicht weiter gezogen worden. Sie waren ja nicht gegen die Stollensanierung an sich gerichtet, sondern als Druckmittel gedacht, um die Abgabe von Restwasser und das Angehen der Brienzerseeproblematik zu beschleunigen. Für den Teil 2 von KWO plus wird das Baugesuch im nächsten Frühling eingereicht und die Bewilligung auf Herbst 02 erwartet; Baubeginn 03. Auch dagegen haben wir nichts einzuwenden. Über die weiteren Ausbauteile berichten wir später.
Logischerweise haben sich die Auseinandersetzungen um die KWO-Vorhaben etwas ins Lager der Umweltschutz Organisationen verlagert. Fast könnte man den Grimsel West - Zeiten nachtrauern, lassen wir das!
Um die Rückbindungen der Delegierten in der Dialoggruppe an die Begleitgruppe zu verbessern, sollen informative Gespräche, z. B. KWO – Begleitgruppe, intensiviert werden. Mehr voneinander wissen, einander besser verstehen, wie sagte doch Gorbatschow: Glasnost! Unter diesem Gesichtspunkt und in dem Sinne haben wir auch gemeinsam ein Palaver abgehalten und die ersten Grimselgespräche organisiert.

Palaver
Dies ist auch eine Plattform, wo Ansichten und Meinungen ausgetauscht werden über die Zukunft. Hier sollen auch Visionen oder gar Utopien genannt werden. Einzige Schranken und Regeln sind dabei unsere Verständnisse von Gesprächskultur und gegenseitigem Respekt. Dadurch verstehen wir besser, vor welchen weltanschaulichen Hintergründen und unter welchen Erwartungsdrücken wir handeln. So, hoffen wir, können wir einander besser verstehen und wahrscheinlich auch besser vorwärts kommen. Erstmals palaverten ihrer neun – von den KWO war Max Ursin dabei – am 6. Juli. Ein sehr interessanter Palaverpunkt war dabei etwa die Frage, welches die Kernaufgabe der Kraftwerke sei, sein sollte oder sein könnte: Im Auftrag der Werksbesitzer möglichst rentabel Strom produzieren? Angesichts der Energienachfrage möglichst viel Strom erzeugen? Die Nachfrage nach hochwertigstem Ökostrom befriedigen? Soviel wie möglich miteinander verbinden, um den Fünfer, das Weggli und dazu noch einen Bitz Käse zu haben?..? ? Jedenfalls war es ein guter, lehrreicher und wiederholenswerter Anlass.

Grimselgespräche
Die vom Grimselverein angeregten und unter dem Patronat desselben und der KWO durchge führten 1. Grimselgespräche verliefen zur allgemeinen Zufriedenheit der Organisatoren.Das Ziel war, hochwertige Informationen über bereits bestehende Schutz- Nutzungsmodelle zu vermitteln und damit den Anstoss für eine breite Diskussion zu geben, was in unserer Region diesbezüglich geschehen könnte oder sollte. Nach einem hochinteressanten Eröffnungsreferat von Prof. Paul Messerli, Uni Bern, wurden vorgestellt. Lebensraum Alpen, Dominik Siegrist, Alpenbüronetz
Modellregion Göschenen, Eugen Rothenfluh, KW Göschenen
Nationalpark, Heinrich Haller, Nationalpark
Biosphärenreservat Entlebuch, Theo Schnyder, Verkehrsdirektor Entlebuch
UNESCO, Meinrad Küttel, BUWAL
Das Echo aus Bevölkerung und Presse tönte gut. Besten Dank für die hervorragende Arbeit, für die exzellenten Referate, für die Stellungnahmen der Podiumsteilnehmer, für das breite Interesse von Besucherinnen und Besuchern und an alle Aussteller/innen für ihr engagiertes Mittun.
Einige ob unserer Dreistigkeit zu GW-Zeiten zutiefst Erschrockene und Empörte hat es allerdings sehr „ghegled“, dass wir mit Zukunftsgestaltern der Kraftwerke zusammen um Teile des Was, Wo, Wie in den nächsten Jahren und Jahrzehnten in unserer und ihrer engeren Heimat reden und mitplanen. Wir glauben aber, dass u. a. mit diesem Anlass ein deutliches Zeichen für die gemeinsame Sorge um Schützen und Nutzen oder – wer lieber will – Nutzen und Schützen im Oberhasli gesetzt ist. Es geht nicht darum, darf und kann nicht darum gehen, immer ganz lieb und einig miteinander zu sein. Wir werden einander sicher hie und da auf die Finger klopfen oder auf die Füsse treten, was auch in gegenseitiger Achtung möglich ist. Bei unbefangenem Denken und Reden geht es nicht anders. Die Bevölkerung vor Ort laden wir dringend ein, dabei mitzumachen.Vor allem ihr Jungen: Es geht darum, ein Stück Zukunft zu gestalten!

Parcours du glacier de l’ aar
Sechs Personen nahmen am Einführungskurs teil. Weiter wurde er bloss beschnuppert. Mehr passierte noch nicht. Halt etwas unscheinbar, dieser Parcours: nur schwarze Rucksäcke mit einigem Plunder drin, sonst nichts. Wer sich aber traut, auf dem Hospiz oder in der Lauteraarhütte einen solchen Rucksack zu leihen, kann mit Hilfe des inliegenden Parcoursführers und Plunders (von der Lupe über die Kerze usw bis zum Indikatorpapier) äusserst faszinierende Entdeckungen zwischen Grimselnollen und dem Abschwung machen. Was auch unabdingbar ist: sich Zeit lassen, viel Zeit! Es ist kein Katzensprung, und an so feine Sachen wie diese gewaltige Landschaft mit ihren unzähligen kleineren und grösseren Kostbarkeiten kommt man nur behutsam und mit Ruhe wirklich heran. Man darf sie gewissermassen nicht erschrecken. Ja, die Begehung des Parcours erfordert schon etwas Mut, viel Zeit und Anstrengung zum selbsttätigen Lernen und Erleben. Er ist nichts für Nur-Konsumenten. Dafür wäre er zu schade.Damit er ab nächstem Jahr aus seiner Unscheinbarkeit heraustritt, müssen wir für ihn noch geeignete und kräftige Werbung machen. Wir sehen deshalb auch vor, den Parcours du glacier de l’ aar auf der Herbstexkursion 2002 unseren interessierten Mitgliedern vorzustellen.
Ausserdem: Es hat sich als schwieriger als erwartet erwiesen, für dieses Vorhaben Geld zusammenzutrommeln. Wer für so was gute Sponsoren weiss, melde das bei emil feuz, 3857 Unterbach, Tel./Fax: 033 / 971 21 45.

Jodlerfest
Ausgejodelt, verhallt, verklungen. Unser Mitmachen dürfte dazu beigetragen haben, dass die Spannungen im Tal zwischen den „verschiedenfarbigen“ Leuten wieder etwas weniger geworden sind. Scheinbar kann um des Jodelns Willen selbst ein bunter Haufen erfolgreich gemeinsame Sache machen. Das können wir vielleicht als die positivste Wirkung bezeichnen. Der eindrückliche Einsatz – v. a. von Frau Wirtin und Herrn Wirt! Danke! Bravo! – hat sich auch finanziell gelohnt, lagen doch im Festgeldbeutel nachher für die Arbeit von uns gut zweitausend Franken.

Gletscherweib und Feuer
Gerade.sechs Unverdrossene erwiesen dem uns unablässig schützenden Weib vor dem Gletscher die Referenz bei grausigem Wetter.Es schüttete wie aus Kübeln, schneite, ein rauer Luft ging, kein Faden blieb trocken. Es herrschten vorzüglichste Bedingungen, um Unverdrossenheit zu üben für die weiteren Einsätze zugunsten der Grimsel. Denn: „ Dialog passiert nicht automatisch, bloss, weil man es will – man muss schon wild entschlossen sein, trotz Stolpersteinen, Gestrüpp, sumpfigen Passagen und zweifelhaftem Wetter weiterzugehen....Der Konfliktlösungsdialog wird uns , falls er z’grächtem zustande kommt, über Jahre beschäftigen und ist vorläufig sehr viel aufwändiger als der gewohnte, bis anhin beschrittene Weg.“ Zitat von unserer Präsidentin aus Rundbrief Mai 2001.

Schöner erlebten wir das Fest ums Feuer auf dem Gipfel des Sidelhorns. Schätzungsweise hundert „Flotte“ und „Oberflotte“ (aus der Begriffskiste des oberflotten Festredners, der treuen Seele Urs Eichenberger) – ich meine, alle Anwesenden gehörten zur zweiten Kategorie – fanden sich da ein. Ein Haufen Freude und Entschlossenheit war da versammelt. Das tat gut!

Und weiter
Habt Ihr Euch schon umgeschaut nach Jungen, die bereit wären, sich in der Grimselsache zu engagieren? Sonst tut es noch. Es ist noch Zeit bis zur Generalversammlung am 11. 11. 01 und natürlich auch nachher noch. Für ein gutes, interessantes Engagement ist es nie zu spät.

Für die Skitouren haben wir das Wochenende vom 15. – 17. März und wieder einmal das Gebiet Windegg – Trift vorgesehn. Wer da mitkommen möchte, soll sich bitte bis am 8. 3. 02 bei Dres Schild, Ittigenstrasse 19, 3063 Ittigen, Tel.: 031 921 56 96 oder bei emil feuz, 3857 Unterbach, Tel./Fax: 033 971 21 45 melden.

Äs wään mengs z’sägen, was’s no brüücht,
Bis’s heiter wurdi uf der Wäld.
Der eint meind diss, den andren ddüücht,
Grad darfir fäälli ds Gäld.


Auch hier könnte noch manches gesagt, bzw. geschrieben werden. Ob’s dadurch heiterer würde, fragt sich. Am Geld fehlt es mir selber nicht. Wer aber den Grimselverein weiterhin unterstützen will, vor allem, indem er ihm die Treue hält und halt hie und da auch mit Beitrag oder Spende, dem sei herzlich gedankt. Allen wünschen wir einen schönen Rest 2001 und einen ebenso schönen Anfang 2002. Das dünkt uns und andere wohl auch.

Wir grüssen Euch herzlich
der Vorstand des Grimselvereins