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Rundbrief 31, Mai 2001
Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde!
Wir begrüssen herzlich die Neumitglieder und danken allen, die uns weiterhin unterstützen im Einsatz für Landschaft und Gewässer an der Grimsel; wir können ja nicht in aller Selbstverständlichkeit auf starken Rückhalt bei Euch zählen, nachdem das monströse Ausbauvorhaben Grimsel West vom Tisch ist („sistiert“ heisst das bei der KWO) und wir nicht mehr ohne Wenn und Aber Widerstand zu leisten haben. Die Umstellung der KWO auf „KWO plus“ hat uns einen Kurswechsel ermöglicht vom entschiedenen Kampf zum Konfliktlösungsdialog. Und bei den Umweltschutz-Organisationen herrscht, aus bitterer Erfahrung, grosses Misstrauen gegenüber diesem „Dialogisieren“, dem „Händchenhalten mit der Wirtschaft“, der „Fallgrube Dialog“ - etwa nach dem Leitsatz: wer sich drauf einlässt, mit dem Teufel Schach zu spielen, hat bereits verloren. Wir setzen dennoch auf die Suche nach Konsens, in der Überzeugung, dass wir so für die Grimsel mehr erreichen als in jahrelangem Rechtsstreit, und wir sind froh um den Kredit, den Ihr uns für dieses Unterfangen gebt! Auch im ganz buchstäblichen Sinn: diesem Rundbrief liegt der Einzahlungsschein für den Mitgliederbeitrag 2001 bei, Spenden sich hoch willkommen - herzlichen Dank!
Konfliktlösungsdialog KWO plus
Der Konfliktlösungsdialog ist in Gang gekommen, etwas holprig noch und anfällig für allerlei Missgeschicke und Pannen. Die Dialoggruppe, bestehend aus drei Delegierten der Umweltschutz- und Fischereiorganisationen, drei Kaderleuten der KWO und der Regierungsstatthalterin des Amtsbezirks Oberhasli, hat sich bisher zu vier Sitzungen getroffen. Wir haben zunächst die Formalitäten und Rahmenbedinungen des Dialogs in einer Konvention und einem Mandat für den Mediator, der eine faire Verhandlungsführung garantieren soll, geregelt. Weiter haben wir die Konflikte, die im Zusammenhang mit dem Projekt KWO plus zu erwarten sind, besprochen und vier Gruppen zugeordnet: es wird um Gewässerschutz und angemessene Restwassermengen gehen, um den Brienzersee, um Landschafts- und Biotopschutz (hier vor allem um die geplante Mauererhöhung) und um energiepolitische und -wirtschaftliche Aspekte. Wir haben uns darauf geeinigt, demnächst eine Schutz- und Nutzungsplanung SNP in Angriff zu nehmen, wie sie das Gewässerschutzgesetz vorsieht. Der entsprechende Artikel erlaubt es, dass in einem begrenzten, topographisch zusammenhängenden Gebiet in einem Bach eine vom Gesetz geforderte Mindestrestwassermenge unterschritten wird, wenn zum Ausgleich ein anderes Gewässer ökologisch massgeblich aufgewertet wird. Einen weiteren aktuellen Arbeitsschwerpunkt bilden die Probleme mit der ökologischen Qualität des Brienzersees, der Trübung und dem Einbruch des Fischbestands.
Zwischen den Sitzungen mit der KWO haben fünf Sitzungen unserer dreizehnköpfigen Begleitgruppe Umweltschutz- und Fischereiorganisationen stattgefunden. Es ist nicht leicht für all die hier vertretenen traditionsreichen Organisationen, übereinstimmende Verhandlungsziele und eine gemeinsame Politik betreffend KWO plus festzulegen. Was den ersten Teil des Ausbaus, von der KWO allzu rasch und ohne sorgfältige Vorausinformation aufgelegt, angeht, konnten wir uns nicht darauf einigen, ob wir nun Einsprache erheben oder nicht; die Fischer und Aqua Viva haben Einsprache gemacht (die Einspracheverhandlungen sind angesetzt auf 22.5.01), der Rest der Begleitgruppe hat ein Schreiben an die KWO verfasst und auf den Dialog gesetzt - das hat für Unruhe und auch für Klärung gesorgt; wer für die Lösung von Konflikten auf Dauer nur auf Einsprachen und Beschwerden vertraut, kann nicht gleichzeitig im Gespräch Konsens suchen.
Zur Zeit ist unsere Hauptsorge nicht die KWO, sondern die Frage, ob der heterogene Haufen von Umweltorganisationen überhaupt für eine gemeinsame Haltung und für eine allseits gutgeheissene Vorgehensweise zu gewinnen ist. Ein guter Teil unserer bisherigen Arbeit besteht im Koordinieren der unterschiedlichen Interessen in der Begleitgruppe und im Einstehen für den Dialog; nach unseren Erfahrungen mit der neuen KWO-Führung erwarten wir vom Gespräch mehr als vom Rechtsstreit. Allerdings stellen wir auch fest: Dialog passiert nicht automatisch, bloss, weil man es will - man muss schon wild entschlossen sein, trotz Stolpersteinen, Gestrüpp, sumpfigen Passagen und zweifelhaftem Wetter weiterzugehen... Übrigens hat das Bundesamt für Energie diesem Dialog eine Unterstützung von 10’000 Franken zugesagt. Der Konfliktlösungsdialog wird uns, falls er z’grächtem zustandekommt, über Jahre beschäftigen und ist vorläufig sehr viel aufwendiger als der gewohnte, bis anhin beschrittene Weg.
Jodlerfest
Im Winter 1999 wurde der Grimselverein wie alle anderen Haslivereine zur Mithilfe am kantonal bernischen Jodlerfest aufgefordert. Das hat uns, verschrien und beargwöhnt, wie wir damals noch waren, belustigt, und wir meldeten uns an, eher zum Jux: waren wir jetzt also doch zum offiziell anerkannten Verein avanciert??- Was schier als Versehen begonnen hat, wurde langsam konkret und immer realer. Nachdem sich einige um ihren Ruf sehr besorgte Vereine trotz unseres allseits beliebten und geachteten „Störenwirts“ Schmid Werner nicht entschliessen konnten, mit uns „Grünen“ zusammenzuarbeiten, fanden wir doch die nötige Unterstützung: wir werden am Wochenende vom 15., 16. und 17. Juni 2001 zusammen mit dem Skiclub Unterbach, den Feldschützen und dem Samariterverein, beide Guttannen, und dem Familienverein Oberhasli das grösste Zelt des Jodlerfestes, auf dem Casinoplatz Meiringen, bewirtschaften. Wir freuen uns auf diese ungewöhnliche Herausforderung!
Allen, die uns ihre Mithilfe in Service, Küche, Logistik etc. zugesichert haben, sei schon jetzt herzlich gedankt. (Ein besonderer Dank an Lehn Marianne und Werner für ihre riesige Arbeit! - Die Setzerin.) An alle andern: Kommt doch zu uns, in die „Hori-Pinte“, esst etwas Zmittag, schaut unsere Dekorationen an, verweilt in unserer Bar!! Mit diesem historischen Anlass reihen wir uns ein in die honorablen Haslitaler-Vereine und leisten unsern allg. verständl. Beitrag zum Gemeinwohl!
Der Gewinn, den wir hoffentlich erwirtschaften werden, fliesst in die Vereinskasse, für härtere Zeiten...
Gletscherweib
Am 7. Juli ist es wieder soweit: wir werden am Fuss des Unteraargletschers das Gletscherweib neu errichten, bereits zum 13. Mal, und werden die Steinfigur schmücken mit Gebetsfahnen. Wir gehen bei jedem Wetter hin; wenn’s schneit, sind wir nur eine Handvoll Leute... - Der Bau des Gletscherweibs bietet eine gute Gelegenheit für Ortsfremde, Arvenwald und Moorlandschaft der Lauteraar kennenzulernen im Rahmen eines begleiteten Ausflugs. Wir hoffen, dass auch heuer Kinder dabei sind - für einen Weg müssen sie etwa zweieinhalb Stunden wandern können. Vielleicht mit Übernachtung in der Lauteraarhütte? Der Gletscherweib-Tag lässt sich gut kombinieren mit Klettern im Eldorado oder mit einer Hochtour. Wer interessiert ist, soll sich bitte melden bei K. von Steiger: 033 971 36 06.
Parcours du Glacier de l’Aar
Wir freuen uns, wieder einmal ein Glanzstück zu präsentieren: le parcours du glacier de l’aar, Schulstube auf dem Gletscher! Schild Dres, Feuz Emil und Esther haben, unterstützt von einigen von uns andern und einem Team von WissenschafterInnen, dieses schöne Bildungs- und Exkursionsprojekt verwirklicht und Sponsoren gefunden (zu denen auch der SAC, das BUWAL und die KWO gehören) - Die Grimsellandschaft ist reich an faszinierenden Naturerscheinungen, an Forschungs-, Kunst- und Nutzungsgeschichte. Wer hier staunend und forschend lernen und verstehen will, und ausdrücklich sind hier auch Jugendliche gemeint, hat ab dem 11. August dieses Jahres günstige Gelegenheit dazu. In der Lauteraarhütte und im Grimsel Hospiz stehen ab 11.8.01 Rucksäcke bereit, worin nebst einem Parcoursführer mit Beobachtungs- und Versuchsanleitungen, Erklärungen und Wettbewerbsfragen etc. die nötigen Werkzeuge und Instrumente stecken. Gegen eine angemessene Gebühr könnt Ihr einen solchen Rucksack leihen und Euch ins Lernabenteuer wagen. Vom 6.-10. August 2001 wird als Eröffnungsanlass dieses Parcours ein Kurs angeboten. Wer daran interessiert ist, melde sich bei Emil Feuz, 3857 Unterbach, Tel/Fax 033 971 21 45 - falls noch Kursplätze frei sind, seid Ihr herzlich willkommen!
Sidelhorn - Feuer
Beachtet unbedingt die Beilage! Am 11. August werden wir im Rahmen von „Feuer in den Alpen“ wieder feuern und feiern auf dem Sidelhorn. Wir laden creti und pleti ein und wir freuen uns, wenn Ihr zuhauf kommt! Das Sidelhorn-Fest ist inzwischen mit dem mächtigen Feuer, mit Bräteln und Plagieren, mit Alphörnern, weitern musikalischen Vergnügungen und Ansprachen ein traditionsreicher Anlass geworden, ein first class summer event sozusagen... - Falls wegen dem Chapf-Felssturz die Grimselstrasse gesperrt sein sollte, wählen wir ausnahmsweise einen andern Standort.
Grimselgespräche
Im Zeichen des Miteinanderredens organisieren Grimselverein und KWO gemeinsam eine Tagung zum Thema „Schutz und Nutzung - verschiedene Konzepte und Modelle“. Ausgegangen sind wir von unserem Bemühen, die Aaregletscher in das Gebiet „Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn“ der UNESCO-Welterbeliste aufnehmen zu lassen und von der Tatsache, dass hier im Hasli, speziell auch bei den sogenannten Entscheidungsträgern, eine grandiose Ignoranz über Bedeutung, rechtliche Folgen, allfälligen Nutzen etc. des UNESCO-Schutzes herrscht. Wohl haben wir seit Frühling 98 in der Presse immer wieder informiert, vermuten aber, dass die Botschaft eher ankommt, wenn sie aus der richtigen Ecke kommt und sind deshalb froh, dass die KWO unser Anliegen aufgenommen hat. - Es gibt verschiedene für unsere Region möglicherweise interessante Schutz-Nutzungskonzepte zur nachhaltigen Entwicklung, die wir an der Tagung von kompetenten Rednern (tatsächlich: keine Frau dabei!!) vorstellen lassen wollen. Ziel der Tagung ist es, die Bevölkerung des Oberhasli, insbesondere Grundeigentümer, Vertreter von Korporationen, aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Umweltschutzorganisationen aus erster Hand über verschiedene Modelle informieren zu lassen, so dass in allfälligen künftigen Diskussionen zu diesen Fragen das notwendige Wissen vorausgesetzt werden kann. Wir hoffen damit einen Beitrag zu leisten zur politischen Kultur im Hasli, zu gegenseitigem Verständnis und Gesprächsbereitschaft.
Und damit das Ganze nicht eine Eintagsfliege bleibt, sehen Grimselverein und KWO unter dem Namen „Grimselgespräche“ auch für die Zukunft gemeinsam getragene Symposien vor: wiederkehrend, zum Beispiel jährlich, zu verschiedenen Themen. Die Grimselgespräche sollen den aktuellen Dialogbemühungen Kontinuität verleihen und ein Ort offener, direkter Diskussion, Auseinandersetzung und Kontroverse werden. Nächste Themen könnten sein: „Brienzersee“, „Arbeit, Erholung und Freizeit im Hasli“ u.a.m....
Erstmals finden die Grimselgespräche nun also statt am Freitag, 7. September 2001, im Grimsel Hospiz: tagsüber Referate, abends eine Podiumsdiskussion. Für Samstag, 8. September, wird die Öffentlichkeit eingeladen an eine Begleitausstellung und zu Exkursionen in die Umgebung und in die Kraftwerksanlagen. Interessierte mögen die Inserate in der Lokalpresse beachten oder sich erkundigen bei KWO oder Grimselverein.
Kleine Mitteilungen
Vorankündigung: Exkursion 2002
Es gibt hin und wieder Klagen über unsere Exkursionsangebote: sie seien nur für AlpinistInnen geeignet. Für nächstes Jahr stellen wir also eine normale geführte Wanderung ohne Pickel, Kletterplunder u.ä. in Aussicht, im Rahmen des Parcours du Glacier de l’Aar.
Ceterum censeo und drum sag ich’s noch einmal: es ergeht dem Grimselverein wie fast allen Umweltorganisationen: es hapert mit der natürlichen Verjüngung unseres Vorstands. Es dünkt uns nicht so schlau, einfach von Jahr zu Jahr weiterzuarbeiten, so, als würde sich das Nachwuchsproblem von selber lösen - bis wir eines Tages womöglich einfach keine Freude mehr haben und keine Energie, für die Grimsellandschaft einzustehen. Zur Zeit ist unsere Tätigkeit vielseitig und spannend, wir bewegen uns auf unbekanntem Terrain, die Zukunft ist offen: wer jetzt einsteigen möchte, trifft nicht nur ein gut eingespieltes Team an, sondern hat Mitwirkungs- und Gestaltungsmöglichkeiten. Mitglieder mit Wohnsitz im Hasli, die zwischen 20 und 30 Jahre alt sind und an einer Mitarbeit im Vorstand Interesse haben, sollen sich doch melden!
Die Präsidentin nimmt Urlaub und setzt sich ab nach Asien. Von August bis Ende Dezember sind zuständig:
für Vereinsführung und -geschäfte: Emil Feuz, Rosslaui, 3857 Unterbach, 033 971 21 45
für den Konfliktlösungsdialog: Dres Schild, Ittigenstr. 19, 3063 Ittigen, 031 921 56 96
Wir grüssen Euch alle!
Der Vorstand