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Rundbrief 27, September 1999
Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde!
es geht uns gut: wir haben schöne, stimmungsvolle Sommeranlässe gefeiert. Und weil zur Zeit kaum um das Projekt Grimsel West gestritten wird, haben wir Gelegenheit, den Wert der einzigartigen Grimsellandschaft weiter bekanntzumachen, nun auch über die Landesgrenzen hinaus. Was die KWO im Schild führen, wenn sie „Optionen prüfen“, wissen wir nicht; sie halten das „Projekt 96“ nach wie vor unter Verschluss und haben den längst versprochenen Bedarfsnachweis für Grimsel West noch nicht geliefert. Von der Berner Regierung hört man seit längerem nichts zum Thema. Der Bundesrat wartet ab. Man hört allerlei kuriose Gerüchte und fragt sich, welcher Auftritt hinter den Kulissen vorbereitet wird...
Mitteilungen und Aktualitäten
Anlässe seit Juni: Es steht ein neues
Gletscherweib, geschmückt mit Fahnen in kräftigen Farben - und macht sich gut! Im Rahmen der SAC-Kunstaktion
Gletscherblick 99, an der l’art pour l’aar beteiligt ist, sind 15 interessante, zum Teil witzige Werke geschaffen worden, manche auch sperrig - die Ausstellung in Gletsch dauert noch bis 3.10.99, vom 26.11.99 bis 12.12.99 wird die Ausstellung im Alpinen Museum in Bern (Helvetiaplatz) gezeigt werden, ein 80seitiger Katalog ist in Arbeit. Die vom Grimselverein initiierte
Solaranlage Haselholz des EW Meiringen ist im August mit einer kleinen Feier eingeweiht worden - Frucht einer erstmaligen direkten Zusammenarbeit zwischen Grimselverein und einem Elektrizitätswerk. Wir haben im Rahmen von
„Feuer in den Alpen“ trotz unfreundlicher Witterung mächtig gefeuert, uns an heiterer Musik gefreut und eine ermutigende Rede von Ursula Koch gehört. Manche von uns haben
Exkursionen begleitet, Schulklassen begrüsst - ein läbiger Sommer...
Die sehr unsichere, energiepolitische
Grosswetterlage für Grimsel West hat sich nicht nennenswert verändert, dafür gibt es
Mikroklimatisches zu berichten: Es wird im Hasli sichtbar und spürbar, dass die KWO einen neuen Direktor haben. Nicht nur präsentiert sich die Firma generell offener als früher - sie hat den erfolgreichen und allseits beliebten Tourismusdirektor Meiringen-Hasliberg/Brienz-Axalp, Ernst Baumberger, zum Leiter Kommunikation/PR des Unternehmens gewählt und dokumentiert damit die Entschlossenheit, ihr Image zu verbessern.
Es gibt hier im Tal zwei Organisationen, die beanspruchen, die Interessen des Oberhasli zu vertreten: die Landsgemeinde 2000, die sich zum Thema Grimsel West bewusst neutral hält und IG Oberhasli, seinerzeit als Gegenbewegung zum Grimselverein von Befürwortern des Projekts Grimsel West gegründet. Nun künden die beiden Organisationen öffentlich, wegen des guten persönlichen Einvernehmens ihrer Präsidenten (!) und weil sich die Diskussion um Grimsel West verflacht habe, ihre Zusammenarbeit an. Natürlich beteiligt sich der Grimselverein mit Begeisterung an dieser Bündelung der Kräfte; wir haben uns ja seit Jahren engagiert in wesentlichen Aspekten nachhaltiger Entwicklung im Hasli und wir haben einige Erfahrung darin, die Belange des Oberhasli auch nach aussen zu vertreten. Nun erwarten wir gespannt die Antwort der Landsgemeinde auf unsere Einladung zum Gedankenaustausch.
UNESCO-Kampagne: wir haben ausgewählte WissenschafterInnen aus aller Welt mit einer Dokumentation zur „Aufnahme der Aaregletscher in die UNESCO-Welterbeliste“ beliefert und sie gebeten, unserem Bundesrat zu erläutern, warum das vorgesehene Schutzgebiet „Jungfrau-Aletsch“ um die Aaregletscher erweitert werden muss (siehe Faltprospekt im letzten Rundbrief). Das Echo ist erfreulich, unser Anliegen ist in Forscher-, insbesondere Glaziologenkreisen bekannt und hat internationale Unterstützung bekommen. Besonders gefreut hat uns, wie sorgfältig und ausführlich unser UNESCO-Anliegen in der Berner- und lokalen Presse behandelt wurde. Hingegen haben sich die hiesigen Touristiker auch nach mehrmaligem Nachfragen nicht zu einer Stellungnahme durchringen können; vielleicht betrachten sie Schweigen in den komplizierten, verbundhäkelten Interessen- und Zielkonflikten als sicherstes Verhalten...
Moorschutz: es gibt nichts Neues unter der Sonne. Moorschutz ist in der Öffentlichkeit seit Monaten kein Thema. Die KWO konnten anlässlich ihrer Generalversammlung im Sommer seelenruhig über wirtschaftliche Erwägungen zu Grimsel West sinnieren, als wäre die Rentabilität das relevante Kriterium - und dass die Grimsel unter dem provisorischen Schutz der Verfassung steht, ist mit keinem Wort erwähnt worden, auch in der Berichterstattung nicht. In diesem Prozess des Totschweigens droht der Moorschutz aus dem öffentlichen Bewusstsein zu verschwinden - und man darf gespannt sein, wie das sich auswirken wird auf die Rechtslage!
Eidg. Wahlen: am 24. Oktober finden National- und Ständeratswahlen statt. Wir rufen Euch auf, die Anliegen von Natur und Umwelt an der Urne zu vertreten. Und den Mitgliedern im Kanton Bern legen wir eine Wahlempfehlung der Umweltorganisationen bei; vertreten sind Kandidatinnen und Kandidaten, die sich im Vorstand oder Stiftungsrat von Umweltorganisationen oder in Initiativkomitees engagieren oder zusammenarbeiten mit Umweltorganisationen (s.Beilage).
Vortragsreihe Aaregletscher: ab 1. November findet in Bern eine Vortragsreihe statt „Die Gletscher der Aare: Natur- und Kulturerbe“, jeweils am Montagabend. Wir freuen uns, an einer derart hochkarätigen Veranstaltungsreihe mitgewirkt zu haben und legen Euch diese Vorträge ans Herz (s.Beilage).
Klausur: der Vorstand geht anfangs 2000 in Klausur. Es gibt sehr unterschiedliche, sich widersprechende Stellungnahmen zur Zukunft von Pumpspeicherprojekten. Manche ÖkonomInnen halten eine Realisierung von Grimsel West für absolut chancenlos, manche JuristInnen sind fest überzeugt, dass der Moorschutz spätestens vor Bundesgericht durchgesetzt werden wird - wir sind nicht ganz so sicher, dass solch selbstsichere Zuversicht angebracht ist. Wir wollen die Grundlinien für die nächsten 10 Jahre Einsatz für die Grimsel erarbeiten. Wer Anregungen hat, soll bitte mit uns in Verbindung treten!
Termine 2000 zum Vormerken (damit niemand sagen muss, er habe es zu spät erfahren...)
Wer sich interessiert für die traditionellen Skitourentage im Frühling, melde sich bitte bei Dres Schild: 031 921 56 96. Das genaue Datum steht noch nicht fest, bei der Routenwahl können die TeilnehmerInnen wie üblich mitreden.
Gletscherweib:1.7.2000
Feuer auf dem Sidelhorn: 12.8.99
Der Vorstand grüsst Euch herzlich und hofft Euch in Scharen an die GV strömen zu sehen!