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Rundbrief 26, Juni 1999

Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde!

Der Sommer naht, wir freuen uns auf eine Reihe von Veranstaltungen und laden Euch ein, teilzunehmen, mitzuwirken! Persönliche Begegnungen, Feste und Ausflüge unter dem hohen Himmel an der Grimsel sind Lebensnerv unseres Widerstands.

Mitteilungen in aller Kürze:

Moorschutz/Appell an den Bundesrat: Zur Erinnerung: wir haben im Herbst den Bundesrat mit sorgfältiger und ausführlicher Begründung aufgefordert, die Verfassung nun zu vollziehen, die erst provisorisch geschützte Grimsel definitiv ins Inventar aufzunehmen. Herr Bundesrat Leuenberger hat uns im März mitgeteilt, der bundesrätliche Sistierungsentscheid vom Juni 97 könne nicht in Wiedererwägung gezogen werden. Aus der Begründung: ...„die aktuelle energiepolitische Situation befindet sich in einem Umbruch. Das betrifft sowohl die Energieproduktion, den Energiemarkt als auch den Energieverbrauch.“... Der nämliche Herr hat 1996 wörtlich gesagt: „wenn die Grimsel eine Moorlandschaft ist, hat es dort für nichts anderes Platz. Darum muss zuerst diese Frage entschieden werden.“ Und auf den Hinweis, dass der Antrag des Buwal eindeutig ist: es handelt sich um eine Moorlandschaft: „Wenn dem so ist, dann erübrigt sich jede energiepolitische Debatte. Die Frage, ob Moorschutz oder nicht, kann nicht von energiepolitischen Überlegungen beeinflusst werden.“ - Soll man über diesen Glaubwürdigkeitsbeweis des Politikers schmunzeln? Soll man einen entrüsteten Aufschrei in die Medien schicken? Sich dégoûtiert abwenden?? Wir haben beschlossen, Herrn Leuenberger einen persönlichen und aufrichtigen Brief schreiben. Jedenfalls hätten wir in Sachen Moorschutz lieber eine Handvoll Macht als einen Koffer voll Recht...
Die KWO-Partnerstadt Basel distanziert sich mit Nachdruck von Grimsel West, und der Verwaltungsratspräsident Schmid meint, das ändere nichts an der Ausgangslage für das KWO-Pumpspeicherprojekt: die Einstimmigkeitsklausel in den KWO-Statuten bedeute nicht, dass alle Aktionäre zustimmen müssen, sondern nur, dass kein Aktionär zum Mitmachen gezwungen werden könne. Eine juristische Stellungnahme zu diesem eigentümlichen Rechtsverständnis liegt vor: Herr Schmid ist im Irrtum. Mit dem Vorhaben Grimsel West würde also nicht nur Umweltrecht verletzt, sondern auch Aktienrecht. Wirwerden mithilfe dieses juristischen Berichts in Basel für eine Fortsetzung der Diskussion sorgen und hoffen, Basel lasse sich nicht einfach so kaltstellen.
CIPRA - Internationale Alpenschutzkommission: Wir sind Mitglied der CIPRA geworden, mitwirkend, gestärkt und aufgehoben in einem alpenweiten Bündnis von Organisationen, die sich für den Schutz der Alpen einsetzen.
Das Val Curciusa ist gerettet - ein erfreulicher Akt der Vernunft! Ein Pumpspeicherwerk nach dem andern, noch vor wenigen Jahren als notwendige Einrichtung angepriesen, erweist sich als verzichtbar. Die Bedeutung des Curcuisa-Verzichts für die letzte der geplanten AKW-Filialen, Grimsel West, ist nicht klar, zumal das „neue“ Projekt 96 noch nicht publik ist. Wir legen zu diesem Thema einen Weltwoche-Artikel bei, der die aktuelle Diskussion gut wiedergibt und zeigt, wie voreilig eine Entwarnung wäre.
Die Preussen kommen: der Kanton Bern verkauft BKW-Aktien an PreussenElektra, den viertgrössten Stromkonzern in Europa. Die Beteiligung der Preussen an der BKW, die die Hälfte der KWO-Aktien hält, steigt damit auf 18%. Über diese vertiefte Zusammenarbeit ist man bei der BKW wegen der besseren Position im europäischen Stromhandel glücklich; die BKW hat in den bisher zwei Jahren Zusammenarbeit den Stromhandel um 70% gesteigert. Und die Preussen haben mehr als einmal öffentlich ihr Interesse am Pumpspeicher Grimsel West bekundet. (Klammerbemerkung: das geplante Werk soll nicht mehr Pumpspeicher-Kraftwerk heissen, sondern Saisonspeicher-Kraftwerk; man soll Grimsel West mit „einheimisch, Wasserkraft, erneuerbar und sauber“ in Verbindung bringen, und nicht mit Pumpverlusten, AKWs, osteuropäischen Dreckschleudern, Verschwendung... - also Achtung: bitte nennt das Kind beim Namen und lasst Euch nicht auf diesen Etikettenschwindel ein!!)
Die Kampagne mit dem Ziel, die Aaregletscher in die UNESCO-Welterbeliste aufnehmen zu lassen, läuft. Wir legen ein Informationsblatt bei. Mit umfangreicheren Unterlagen rufen wir international bekannte Forscherpersönlichkeiten auf, dem Bundesrat die wissenschaftshistorische Bedeutung der Aaregletscher zu erläutern und placieren unser Anliegen und Informationen im Internet: http://www.Aaregletscher.ch. Im Weiteren organisieren wir zusammen mit der Naturforschenden Gesellschaft Bern und der Volkshochschule mit Beginn am 1.11.99 eine fünfteilige Vortragsreihe zu den Aaregletschern (Mehr im nächsten Rundbrief).

Veranstaltungen:
Das Gletscherweib wird am 3. Juli 99 von Grund auf neu erbaut werden - wir brauchen Eure helfenden Hände! Wir treffen uns um 10 Uhr beim Grimsel Hospiz (Postauto Meiringen ab: 9 10 Uhr), gehen etwa zwei Stunden zu Fuss, bauen und feiern und kehren zum Hospiz zurück (Postauto ab 17 00). Oder übernachten in der Lauteraarhütte, bitte bei Vreni Kübli reservieren: 033 971 12 33. Auskunft: 033 971 36 06 v.Steiger
Für das Feuer auf dem Sidelhorn, ist wie für alle „Feuer in den Alpen“ der 14. August 99 vorgesehen. Lasst Euch von der beiliegenden Einladung g’luschten und kommt in Scharen! Die Kunstaktion von SAC & l’art pour l’aar Gletscherblick 99 beginnt bald mit der Installation der Kunstwerke. Die Mehrzahl der Werke wird in den ersten zwei Augustwochen geschaffen werden, besonders während der Aktionswoche vom 7.-13. August 99. Was wann wo genau stattfindet, kann man vom 31.7.99 bis 3.10.99 in einer Ausstellung im alten Posthaus in Gletsch (neben dem Hôtel Glacier du Rhône) erfahren. Oder im Infoblatt zur Kunstaktion, gratis erhältlich bei der Geschäftsstelle SAC, Postfach, 3000 Bern 21, Tel 031 370 18 18. Dort kann man auch eine wunderschöne Serie Faltkarten mit vier verschiedenen Sujets aus der Pionierzeit der Gletscherforschung bestellen (Format A5, inkl Couverts 16 Fr), sowie nach Abschluss der Aktion im Oktober einen attraktiven Katalog. Am Freitag, 13. August 99, von 16 - 20 Uhr, findet im Hotel Glacier du Rhône in Gletsch die öffentliche Vernissage und das Fest zu Gletscherblick 99 statt.
Die Berner Biologin Erika Loser leitet am 15.8.99 (nach dem Sidelhorn-Feuer) eine etwa vierstündige Exkursion in die Sunnig Aar - besonders eingehen wird sie auf die aussergewöhnliche Pflanzenwelt. Treffpunkt: 10 15 Grimselhospiz (Postauto Meiringen ab 9 10 Uhr, Hospiz ab 17 00 Uhr). Anmeldungen bitte bis 11.8.99 am liebsten schriftlich an unsere Adresse Postfach 509, 3860 Meiringen oder telefonisch an Ruth Schläppi 033 973 11 80 oder Katharina von Steiger 033 971 36 06.

Wir grüssen Euch herzlich
Der Vorstand