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Rundbrief 25, März 1999

Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde!

Während wir diesen Rundbrief schreiben, sind die Strassen nach Gadmen und Guttannen nach schlimmen Lawinen-Niedergängen und bei anhaltender Gefahr gesperrt. Die Folgen dieser Naturgewalt sind schwer. Und es kommt uns merkwürdig vor, JETZT zu berichten von Geschichten rund um Grimsel West - als wäre der Streit um die Grimsel vor der Wirklichkeit etwas Fiktives. - Wer im Frühling helfen kann beim Räumen, soll sich melden: Gemeindeschreiberei, 3864 Guttannen (033 973 13 33) - es wartet eine immense Arbeit. -

Wir begrüssen herzlich die Neumitglieder und die vielen Treuen, die ihre Unterstützung über Jahre aufrechterhalten. Auch wenn alle Zeichen gegen das monströse Pumpspeicherprojekt stehen und niemand mit einem Bau rechnet: der Kampf um die Unversehrtheit der Sunnig Aar ist noch nicht gewonnen - wir brauchen Euch auch weiterhin!
Wir bitten Euch, den Mitgliederbeitrag 99 mit beigelegtem Einzahlungsschein zu begleichen und den Betrag, der seit der Gründung vor bald zwölf Jahren unverändert ist, möglichst grossherzig aufzurunden!
Es gibt eine neue Ansichtskarte vom Gletscherweib 91, wir legen sie zusammen mit einer farbigen aus unserem Bilderfundus bei. Von den neuen schwarz/weiss-Karten könnt Ihr gern nachbestellen, dem Symbol unseres Widerstands zu Verbreitung und Bekanntheit verhelfen.

Mitteilungen und Aktualitäten

Generalversammlung und Verabschiedung von Adolf Urweider aus dem Vorstand
Im November trafen sich gegen 80 Mitglieder unseres Vereins zur Generalversammlung im Hotel Sauvage in Meiringen. Die Verabschiedung von Adolf Urweider nach zehn Jahren Präsidium und einem Jahr Copräsidium nahm einige Zeit in Anspruch - alle GV-TeilnehmerInnen mussten an die frische Luft, denn draussen wurde Adolf Urweider von seinem Vorstandskollegen Emil Feuz ein läbiger Bänz geschenkt, zum Dank für seine engagierte Arbeit für die Grimsel. Jetzt ist Katharina von Steiger alleine Präsidentin und froh um das bestens eingespielte, kompetente Vorstandsteam.

Solarstrombörse: neue AbonnentInnen willkommen!
Die Solarstromanlage im Haselholz wird im Frühsommer 1999 auf unsere Initiative hin gebaut. Wir danken allen SolarstrombezügerInnen im Haslital dafür, dass sie sich den teuren Oekostrom leisten und damit den Tatbeweis für ihr Interesse an anständig produziertem Strom liefern! Zusätzliche SolarstromabnehmerInnen sind willkommen: es gilt zu zeigen, dass progressive Entwicklungen nicht nur in städtischen Zentren möglich sind. Für mehr Informationen wendet Euch bitte direkt an das Elektrizitätswerk der Dorfgemeinde Meiringen, Kreuzgasse 4, 3860 Meiringen.

Aaregletscher ins UNESCO-Verzeichnis „Welterbe“!
Der Grimselverein hat im Mai dem Bundesrat beantragt, die Aaregletscher in das geplante Gesuch um Aufnahme der Jungfau-AletDsch-Region in die UNESCO-Liste des Erbes der Welt einzuschliessen. Mit dem Hinweis auf noch nicht entschiedene energiepolitische Fragen um Grimsel West hat der Bundesrat den Antrag vorläufig abgelehnt: Grimsel West ist nicht nur ein Hindernis auf dem Weg zu einer gescheiten, umweltfreundlichen Stromversorgung, sondern auch ein Bremsklotz für andere Vorhaben. - Wir lassen in unseren Anstrengungen, die Aufnahme der Aaregletscher in die UNESCO-Liste vorzubereiten, nicht locker. Zur Zeit sind wir daran, eine internationale Kampagne vorzubereiten: wir wollen AlpenforscherInnen, GlaziologInnen, interessierte WissenschafterInnen mit unserer bebilderten Broschüre beliefern und aufrufen, dem Bundesrat die wissenschafts- und kunsthistorische Bedeutung der Aaregletscher klarzumachen. Daneben sind als Kurzinformation Faltprospekte im Entstehen - wir werden sie dem nächsten Rundbrief beilegen und weitherum verteilen. Zusammen mit der Naturforschenden Gesellschaft Bern planen wir eine Vortragsreihe über den Unteraargletscher in Geschichte, Kunst und Forschung. Eine Zeitlang war nun in erster Linie von der gefährdeten Moorlandschaft die Rede; wir möchten jetzt vermehrt auch den Gletscher, der da überstaut werden soll, wieder ins öffentliche Interesse rücken.

Strombericht des Kantons Bern
Wir haben protestiert gegen die Beurteilung von Grimsel West im Strombericht, und haben von der Regierungsrätin Frau Dori Schaer eine sehr ausführliche, erläuternde Antwort erhalten. In einer unglaublichen Verkennung der Rechtslage wird in diesem Brief behauptet, der Bundesrat habe über die rechtliche Qualifikation der Moorlandschaft Grimsel noch nicht entschieden, d.h. habe sich noch nicht festgelegt in der Frage, ob die Sunnig Aar überhaupt eine Moorlandschaft von besonderer Schönheit und nationaler Bedeutung sei oder nicht. In diesem Punkt irrt die Berner Regierungsrätin, und wir haben ihr im Dezember durch unseren Anwalt eine kleine Rechtsbelehrung zukommen lassen. - Wer Interesse hat an diesen Auseinandersetzungen hinter den Kulissen, kann die Briefe über unser Postfach bestellen.

Moorschutz/Appell an den Bundesrat
Wir haben dem Bundesrat beantragt, auf den Moorschutz-Sistierungsentscheid vom Juni 97 zurückzukommen. Der Bundesrat beschloss damals, den Entscheid neu zu erwägen, „wenn glaubhaft gemacht wird, dass die Nutzung der Grimsel aufgrund veränderter Rahmenbedingungen notwendig ist, um eine absehbare grosse Lücke in der Energieversorgung ab dem Jahre 2015 zu schliessen, oder wenn glaubhaft gemacht wird, dass eine solche Situation nicht eintreten wird.“ Es gibt nun keinen Grund, das Moorschutz-Provisorium zu verlängern: für alle absehbaren energiepolitischen Entwicklungen sind taugliche Lösungen da, die Sunnig Aar braucht nicht angetastet zu werden. Wir haben von der Bundeskanzlei die Zusicherung erhalten, unsere Eingabe werde geprüft und der zuständigen Instanz zum Entscheid vorgelegt. Das kann dauern...

Die KWO-Partnerstadt Basel distanziert sich von Grimsel West
Im Januar hat der Grosse Rat von Basel Stadt die Regierung beauftragt, auf den Verzicht auf das Grossprojekt Grimsel West hinzuwirken. Und das Parlament hat den Willen, nicht bloss eine Absichtserklärung abzugeben, sondern wirklich Einfluss zu nehmen, dokumentiert mit einer Änderung des Finanzhaushaltgesetzes: künftig unterstehen Erwerb, Aufstockung, Austausch oder Verkauf von Kraftwerk-Aktienkapital dem Beschluss des Parlaments. Dies ist ein Meilenstein auf dem Weg zur Rettung der Grimsel-Landschaft! In ersten Reaktionen hat der KWO-Verwaltungsratspräsident Peter Schmid getan, als ginge diese Basler Entscheidung die KWO nichts an: der Beschluss ändere nichts an der Ausgangslage für Grimsel West. Erstaunlich, wenn man Artikel 3 der KWO-Statuten bedenkt: „Für die Erstellung neuer sowie die wesentliche Veränderung bestehender Anlagen im Kostenbetrag von über 50 Mio Franken im Einzelfalle ist die schriftliche Zustimmung sämtlicher Aktionäre erforderlich“. Und die KWO haben flugs die Bedeutung dieser Einstimmigkeitsklausel neu erfunden: sie wolle bloss verhindern, dass ein KWO-Partner gezwungen werde, sich an Grossinvestitionen zu beteiligen und sei nicht ein Vetorecht. Für Laien eine überraschende Auslegung! Den Fragen, ob Basel nicht doch eine Sperrminorität hat und ob die KWO-Lesart der Einstimmigkeitsklausel vereinbar ist mit dem Schweizer Aktienrecht, wollen wir nachgehen. - Die Reaktionen der KWO-Verantwortlichen zeigen leider, dass mit den personellen Wechseln keine Neuorientierung stattgefunden hat; man klammert sich an ein Vorhaben, das vor den internationalen Entwicklungen in Stromproduktionstechnologie und Wirtschaft längst zum Fossil geraten ist.
Die Stadtparlamente der beiden andern Partnerstädte der KWO, Bern und Zürich, je mit einem Sechstel beteiligt, haben vor zwei Jahren ihre Regierungen ebenfalls beauftragt, sich zu distanzieren von Grimsel West, allerdings haben sie lediglich unverbindliche Postulate überwiesen und ihrer Aufforderung bisher nicht den nötigen Nachdruck verliehen. Wir haben einzelne ParlamentarierInnen gebeten, dem Basler Beispiel zu folgen und Nägel mit Köpfen zu machen. Es ist für uns unverzichtbar, in den Städten starke Verbündete zu haben, und wir danken allen, die unser Ziel, die Grimsel zu schützen, mittragen und mit ihrer Arbeit unterstützen!

Verein Bern ohne Atom BoA
Wir haben darüber berichtet: der Verein Bern ohne Atom will erreichen, dass das AKW Mühleberg nach abgelaufener Fristverlängerung bis Ende 2002 stillgelegt wird und hat die Initiative Bern ohne Atom lanciert. - Wir erinnern an unsere Gründe, an der Unterschriftensammlung mitzuwirken: Atomkraftwerke und Pumpspeicherwerke sind wegen des Pumpstroms ein Tandem. Wer Grimsel West nicht will, muss ein Interesse daran haben, dass die gefährliche und veraltete Atomtechnologie möglichst bald abgeschafft wird. Der Bernische Strombericht hat ausserdem gezeigt, dass ökologisch und volkswirtschaftlich bessere Alternativen vorhanden sind als Mühleberg und Grimsel West. Wir legen unseren Berner Mitgliedern die BoA-Initiative ans Herz: bitte helft mit bei der Sammlung!

Arbeitsplätze
Im Hasli wird von manchen Leuten in einer oft wenig bedachten Weise als Argument für den Ausbau an der Grimsel die Schaffung von Arbeitsplätzen genannt. Es kommt vor, dass (jedenfalls am Stammtisch) der Ruf nach Arbeitsplätzen jede Diskussion erstickt. Wir möchten einen Beitrag zur Belebung und Vertiefung dieser Auseinandersetzung leisten, und wollen eine Serie zum Thema in der Lokalpresse anregen. Es ist uns nicht egal, wie im Hasli gestritten wird; eine ernsthafte, fundierte Debatte verschiedener Vorstellungen ist uns lieber als der unfruchtbare Abtausch von Schlagwörtern.

CIPRA - Internationale Alpenschutzkommission
Der Vorstand des Grimselvereins hat beschlossen, der CIPRA Schweiz beizutreten. Die CIPRA Schweiz ist ordentliches Mitglied der Internationalen Alpenschutzkommision (CIPRA International). Sie setzt sich für den Schutz der alpinen Natur und Landschaft und für eine nachhaltige Wirtschaftsweise in den Alpen ein. Grimsel West ist ein Projekt des europäischen Stromhandels. Seit bald zwei Jahren ist mit 10% BKW-Aktien auch das erste ausländische Unternehmen, Preussen Elektra, beteiligt. Die zahlreichen Unternehmens-Fusionierungen über Landesgrenzen hinweg haben uns in den letzten Jahren gelehrt, dass lokaler Widerstand allein nicht mehr genügt, wir brauchen alpenweite Zusammenarbeit. Wir erhoffen uns von der CIPRA internationale Kontakte und Rückendeckung im Kampf für die Grimsel. Im März müssen wir uns in Bern einer „Aufnahmeprüfung“ unterziehen - und hoffen der Mitgliedschaft würdig zu sein...

„natur & mensch“
Voraussichtlich im Juni werden unsere Mitglieder eine Probenummer der Zeitschrift „natur & mensch“ des Rheinaubunds (Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Natur und Heimat) im Briefkasten finden. Diese Zeitschrift leistet seit ihrem ersten Erscheinen 1958 Hervorragendes im Schweizerischen Landschafts- und Gewässerschutz, liefert fundiertes Wissen und sachkundige Argumente - wir würden „natur & mensch“ gern zu einigen NeuabonnentInnen verhelfen. (Klammerbemerkung zum Datenschutz: wir stellen dem Rheinaubund die Mitgliederadressen nicht zur Verfügung, sondern kleben die Couverts selber).

Termine zum Vormerken

Wir haben vor, im Frühsommer einen Rundbrief mit Einladung und näheren Angaben zu den Sommerspektakeln zu verschicken. Hier für die Planung der Sommerferien die Daten:
Das Gletscherweib wird am 3. Juli 99 neu erbaut werden, Auskunft: 033 971 36 06 v.Steiger
Für das Feuer auf dem Sidelhorn, ist wie für alle „Feuer in den Alpen“ der 14. August 99 vorgesehen. Näheres: ALPINFO, Feuer in den Alpen, Postfach, 3900 Brig. Oder: Peter Anderegg, Turenmattenstr.6, 3860 Meiringen, Tel 033 971 12 54.
Die Kunstaktion von SAC & l’art pour l’aar Gletscherblick 99 wird im Hotel Glacier du Rhône in Gletsch mit öffentlicher Vernissage und Fest abgeschlossen am 13. August 99.
Für unsere Mitglieder und andere Interessierte führt die Berner Biologin Erika Loser am 15.8.99 (nach dem Sidelhorn-Feuer) eine Exkursion in die Sunnig Aar durch - wir empfehlen allen, die etwa vier Stunden wandern mögen, an diesem geführten Ausflug ins Paradies teilzunehmen.
Die Generalversammlung 99 wird am 21. November 99 stattfinden.

Wir grüssen Euch herzlich!
Der Vorstand