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Rundbrief 24, September 1998

Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde!

All halb Jahr wenden wir uns an Euch mit Informationen rund um das geplante Pumpspeicherwerk Grimsel West und Mitteilungen über unsere aktuellen Bemühungen, hier wirksamen Widerstand zu leisten, mit Aufrufen, Einzahlungsscheinen, Einladungen... Und natürlich hoffen wir, Euch das Richtige, genug und nicht zuviel davon, zu schreiben. Wir nehmen Kritik und Anregungen zu den Rundbriefen gern entgegen!
Der Grimselverein hat sich nicht nur national und kantonal einen Namen gemacht als ernstzunehmende Organisation in Umwelt- und Energiefragen, er hat sich auch als Verein im Oberhasli z’grächtem etabliert: zu unserer Freude sind wir wie alle hiesigen Vereine aufgefordert worden, dem Jodlerklub Meiringen für sein Vorhaben, das Bernisch-Kantonale Jodlerfest im Juni 2001 in Meiringen durchzuführen, tatkräftige Mithilfe zuzusichern. Das haben wir getan - obwohl wir ja hoffen, es müsse den Grimselverein dann gar nicht mehr geben...

Mitteilungen und Aktualitäten:

Ein Blick zurück auf unsere Anlässe: Wir haben Ende April eine abwechslungsreiche und genussvolle Frühlingsskitour im innersten Kern des Grimselgebiets durchführen können. Im Juni hat eine sehr gut besuchte Solarwanderung am Hasliberg stattgefunden. Das Gletscherweib steht seit Anfang Juli wieder - inzwischen wohl schon nicht mehr: der Gletscher schmilzt und bricht in beängstigendem Tempo. L’art pour l’aar hat zusammen mit dem SAC die Kunstaktion „Gletscherblick 99“ konzipiert. Am 8. August haben wir im Rahmen von „Feuer in den Alpen“ einen geradezu grandiosen Abend auf dem Sidelhorn verbracht - sicher der Höhepunkt unseres Vereinsjahrs! Einige von uns haben wie üblich Exkursionen in die Sunnig Aar begleitet, Referate gehalten - der Laden läuft.

Moorschutz: Es ist still geworden um den Moorschutz, und darin liegt eine Gefahr, die wir nicht unterschätzen sollten: man droht den skandalösen Nichtvollzug von Verfassungsrecht zu vergessen. Moorschutz??? - da war doch früher mal was... Jedenfalls bringt es die Berner Regierung in ihrem Schlussbericht Strompolitik zustande, Grimsel West die Maximalnote punkto „Kompatibilität mit kantonalen und CH-Abstimmungen“ zu erteilen. Es ist bereits soweit: dass die Sunnig Aar eine Moorlandschaft von besonderer Schönheit und nationaler Bedeutung ist, vom Bundesrat auch als solche anerkannt, hat die Berner Regierung schwups vergessen. Deshalb: hört nicht auf, vom Moorschutz zu reden, daran zu erinnern, dass die Sunnig Aar geschützt ist und dass jede Interessenabwägung der Verfassung widerspricht! Und nicht vergessen: die Grimsel bleibt auch neben dem Moorschutz eine geschützte Landschaft.

Solarstrombörse
Es freut uns, dass die Solarstrombörse im Haslital zustandekommt! Wir haben genügend Kunden des EW Meiringen und des EW Reichenbach Frey gefunden, die mit dem Kauf von (heute noch) teurem Solarstrom ihr ernsthaftes Interesse an einer umweltverträglichen Stromproduktion dokumentieren. Das EW Meiringen plant nun mit ausgesprochen innovativen Ideen das „Solarkraftwerk Haselholz“, eine 7 Kilowatt-Anlage mit Solarpanels, die quer über das Ausgleichsbecken montiert werden; so wird jeder Landverschleiss vermieden, und durch die Reflexion des Sonnenlichts durch das Wasser wird die Leistung der Anlage um 10% erhöht - erstmals nutzt ein Kraftwerk ein Ausgleichsbecken auch zur Produktion von Solarstrom. Die Anlage ist erweiterbar, wir hoffen auf Promotionsanstrengungen seitens der Elektrizitätswerke und auf wachsendes Interesse in der Bevölkerung.

Aaregletscher ins UNESCO-Verzeichnis „Welterbe“!
Wir haben mit einer ganz schönen Dokumentation dem Bundesrat beantragt, die Aaregletscher zur Auf-nahme ins UNESCO-Verzeichnis „Welterbe“ vorzuschlagen. Es wäre nach unserer Überzeugung geradezu grotesk, das „Jungfrau-Aletsch-Gebiet“wie vorgeschlagen in dieses Inventar aufzunehmen und das direkt anschliessende Gebiet der Aaregletscher auszuschliessen, damit es für die Zerstörung offen bleibt. Das wäre etwa so, als hätte man bei der Aufnahme der Berner Altstadt ins Welterbe der Kulturgüter das Münster aus-geschlossen, um dort die Option für einen Parkplatz offenzuhalten. Der Bundesrat hat uns unbefriedigende Antworten gegeben. Eine fachliche, inhaltliche Stellungnahme zu unserem Antrag steht noch aus. Aus politischen Gründen, und zwar, weil wegen des Projekts Grimsel West der Moorschutz-Entscheid sistiert ist, so schreibt Bundesrat Leuenberger und hofft auf unser Verständnis, kann der Bundesrat die Aufnahme der Aaregletscher ins UNESCO-Verzeichnis nicht befürworten... Grimsel West, dieser „tote Hund, den niemand begraben will“, beginnt nun direkt und handfest andere Vorhaben zu verhindern. Wir verfolgen die Angelegenheit weiter: wir insistieren darauf, eine von Bundesrat Cotti zugesicherte fachlich begründendete Stellungnahme zu unserem Antrag zu bekommen. Wir fragen weiter die Touristik-Organisationen der Region an, ob sie damit einverstanden sind, dass wegen eines Spekulationsprojekts der Elektrizitätswirtschaft das Haslital von einer weltweiten Gratiswerbung ausgeschlossen sein soll. Wir sorgen für eine weitere Verbreitung und Unterstützung unseres Anliegens - es darf nicht passieren, dass ausgerechnet die bereits heute nach geltendem Recht bestgeschützte Landschaft der Aaregletscher aus dem UNESCO-Verzeichnis ausge-schlossen wird.

Strombericht des Kantons Bern
Wie oben erwähnt: die Begleitgruppe Strompolitik des Kantons Bern hat anfangs August ihren Schlussbericht vorgelegt. Die publizierten Quintessenzen sind uns zunächst etwas gar banal vorgekommen: für 800’000 Franken hatte die Arbeitsgruppe herausgefunden, dass man sich betreffend Mühleberg, betreffend Grimsel West und betreffend Energieabgabe nicht einig ist!! Allerdings, und das macht diesen Schlussbericht wertvoll, findet man bei näherem Hinsehen eine Fülle von sorgfältig zusammengetragenen Fakten und Daten, die ohne weitere Interpretation direkt verwendbar sind als Argumente gegen den Ausbau an der Grimsel. Grimsel West schneidet in fast allen der untersuchten Dimensionen schlecht ab und fällt als Möglichkeit, via Stromabtausch den Schrottreaktor Mühleberg zu ersetzen, ausser Diskussion. - Die grosse Diskussion um den Moorschutz und die Kriterien, die der Bundesrat schlussendlich festgelegt hat, sind an der Begleitgruppe offenbar völlig wirkungslos vorbeigezogen; anders kann man sich die Äusserung, für den Bau von Grimsel West müsse die Wirtschaftlichkeit gegeben sein, nicht erklären, wenn man die Rechtslage bedenkt: die Moorlandschaft Sunnig Aar darf nämlich nur im Fall eines Energienotstands, der ausschliesslich mit dem Pumpspeicher Grimsel West abwendbar wäre, angetastet werden Tritt aber ein solcher Notfall ein, darf die Wirtschaftlichkeit keine Rolle mehr spielen. Bauen allein bei gegebener Wirtschaftlichkeit heisst aber, dass allenfalls auch verzichtet werden kann. - Wir haben bei der Berner Regierung gegen die Verschleierung von Tatsachen protestiert.

Appell an den Bundesrat
Ausserdem meinen wir, dass der Bernische Strombericht, verfasst von offizieller, unverdächtiger Seite, gut taugt als Grundlage für unser Vorhaben, dem Bundesrat glaubhaft zu machen, dass die Nutzung der Grimsel für die Energieversorgung ab 2015 nicht notwendig ist. Im Juni 97 hatte der Bundesrat die Sunnig Aar nur provisorisch geschützt. Dieser Sistierungsentscheid werde in Wiedererwägung gezogen, sobald "glaubhaft gemacht wird, dass die Nutzung der Grimsel aufgrund veränderter Rahmenbedingungen notwendig ist, um eine absehbare grosse Lücke in der Energieversorgung ab dem Jahre 2015 zu schliessen, oder wenn glaubhaft gemacht wird, dass eine solche Situation nicht eintreten wird". Wir wollen demnächst mit Bezug auf die Daten des kantonalen Stromberichts die Wiedererwägung beantragen und meinen, dass der Bundesrat ohne weiteren Verzug seinerPflicht nachkommen und den Moorschutz vollziehen kann.

Verein Bern ohne Atom BoA
Nicht nur mit nationalen Initiativen soll der Ausstieg aus der Atomenergie vorangetrieben werden: der Verein Bern ohne Atom will erreichen, dass das AKW Mühleberg nach abgelaufener Fristverlängerung bis Ende 2002 stillgelegt wird. Falls der im Oktober erwartete Bundesratsentscheid anders ausfällt, wird der Verein BoA eine Initiative lancieren.
Atomkraftwerke und Pumpspeicherwerke sind wegen des Pumpstroms ein unzertrennliches Paar, und wenn wir Grimsel West bekämpfen, müssen wir ein Interesse daran haben, dass die gefährliche und veraltete Atomtechnologie möglichst bald Vergangenheit ist. Ausserdem zeigt der Bernische Strombericht, dass ökologisch und volkswirtschaftlich bessere Alternativen vorhanden sind als Mühleberg und Grimsel West. Wir legen unseren Berner Mitgliedern die BoA-Initiative ans Herz. Im Fall ihrer Lancierung werdet Ihr (von uns selber adressierte!) Unterschriftenbogen erhalten.
Für nähere Auskünfte: Verein Bern ohne Atom BoA, Postfach 5403, 3001 Bern, Tel 031 301 23 58

Präsidiumswechsel
Nach elf Jahren tritt Präsident und Copräsident Adolf Urweider an der diesjährigen Generalversammlung zurück (Die Säzzerin bedauert). Vom Vorstand als Präsidentin vorgeschlagen wird die jetzige Copräsidentin Katharina von Steiger. Adresse: Obersteinstrasse 5, 3860 Meiringen, Tel 033 971 36 06

Termine zum Vormerken
Vom 12.-14. März 99 findet die Mitgliederexkursion 99 als geführte Skitour statt. Auf vielfachen Wunsch Aufbruch in Meiringen am Freitagmittag. Anmeldungen an unser Postfach oder an Dres Schild, Ittigenstr. 19, 3063 Ittigen, Tel G: 031 322 26 58, Teilnehmerwünsche werden berücksichtigt.
Das Gletscherweib wird am 3. Juli 99 neu erbaut werden.
Für das Feuer auf dem Sidelhorn, ist wie für alle „Feuer in den Alpen“ der 14. August 99 vorgesehen. Nähere Angaben zu den Feuern bei: ALPINFO, Feuer in den Alpen, Postfach, 3900 Brig. Oder: Peter Anderegg, Turenmattenstr. 6, 3860 Meiringen, Tel 033 971 12 54.

Wir grüssen Euch alle und hoffen Euch an der Generalversammlung zu sehen!
Der Vorstand