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Rundbrief 23, Februar 1998

Beseligt fühlte ich mich immer in jenen felsigen
Hochregionen der Grimsel und,
wie nirgends, zuhause.

Franz Josef Hugi, Alpenforscher, 1830


Liebe Mitglieder, Freundinnen und Freunde!

Alle Neuen seien herzlich begrüsst! Und gedankt sei all denen, die uns seit langem mit Treue und Durchstehvermögen unterstützen, auch in wenig spektakulären Zeiten.
Diesem Rundbrief, wie gewohnt im Frühling, liegt ein Einzahlungsschein bei, wir bitten Euch, den Mitgliederbeitrag 1998 zu begleichen. Er ist seit zehn Jahren gleich geblieben - wer kann, möge bitte einen extra Batzen spenden.
Das Präsidium liegt seit der Generalversammlung 97 in vier Händen: Adolf Urweider will im Herbst 98 nach elf Jahren als Präsident zurücktreten und teilt im Hinblick auf die Übergabe seines Amts die Aufgaben im laufenden Vereinsjahr mit Katharina von Steiger.
Tel/Fax Adolf Urweider: 033 971 62 93 Tel/Fax Katharina von Steiger: 033 971 36 06

Mitteilungen:

Moorschutz-Debakel: Am 14. Januar 98 hat der Bundesrat die Flachmoore von besonderer Schönheit und nationaler Bedeutung unter definitiven Schutz gestellt - ausser einem einzigen: Mederlouwenen an der Grimsel. Das zweite Grimsel-Flachmoor, Chessibidmer, liegt ausserhalb der geplanten neuen Staumauer und ist in dieser Logik der reinen Willkür aufgenommen worden ins Schutzinventar. Verfassungsrechtlich ist dieser Entscheid skandalös. Hingegen: dass das Val Madris nun definitiv geschützt ist, freut uns sehr - das werden wir feiern!
Im Fall der Grimsel ist es unverständlich, dass der Bundesrat nicht einmal heute, wo dem Bund Milliardenforderungen der Elektrizitätswirtschaft „für nicht amortisierbare Investitionen“ ins Haus stehen, den Mut hat, seiner Pflicht nachzukommen: die Verfassung zu vollziehen und mit dem Schutz der Grimselmoore eine weitere Fehlinvestition zu verhindern. - Hierzu ist folgende Beurteilung bemerkenswert: im Rahmen einer Bonitätsanalyse der BKW hat Kurt Hess, Analyst der Crédit Suisse, festgehalten, dass der Widerstand der Umweltschützer gegen Grimsel West die BKW vor nicht amortisierbaren Investitionen in Milliardenhöhe verschont habe (Der Bund, 14.1.98). Das hatten wir ja schon geahnt - und dass wir von berufener, weiss Gott unverdächtiger Seite bestätigt werden, freut uns natürlich sehr!
Die Dinge stehen jetzt so: der provisorisch geltende Moorschutz an der Grimsel wird erst dann neu erwogen, wenn die Notwendigkeit des Pumpspeichers Grimsel West für die Landesversorgung nach 2015 nachgewiesen oder glaubhaft bestritten wird. Die KWO wollen demnächst darlegen, dass Grimsel West unverzichtbar ist. Wir haben seit Jahren auf Alternativen hingewiesen. Und wir sind beileibe nicht die Einzigen: Grimsel West wird in einer Studie des Kantons Bern als eine von 15 Varianten (hier für den Ersatz des in Mühleberg produzierten Stroms) diskutiert - was die Existenz von alternativen Lösungen bereits nachweist.
Wir warten vorerst die Beurteilung der Energie-Begleitgruppe des Kantons Bern ab, deren Bericht im Juni 98 publiziert werden soll. Und wenn das Projekt 96 endlich vorliegt, werden wir dem Bundesrat nachweisen, dass Grimsel West auch nach 2015 überflüssig ist für die Landesversorgung.

Grossratswahlen: Im Kanton Bern finden am 18./19. April Grossratswahlen statt: wählt grimsel-verträgliche KandidatInnen! Dies sind im Grimsel West - Amtsbezirk Oberhasli: Rosmarie Bühler SP, Clarisa Budmiger und Jakob Gretener Grüne/Freie Liste.
Es gibt natürlich auch in andern Amtsbezirken aktive und zuverlässige Grimsel-VerteidigerInnen - erkundigt Euch, macht Grimsel West zum Wahlkampf-Thema und bestellt den Grossen Rat, Konzes-sionsbehörde, mit umweltbewussten ParlamentarierInnen.

Energie-Initiativen: Zusätzlich zu den Energie-Umwelt- und Solar-Initiativen lancieren 30 Umweltorganisationen im April neue Ausstiegs-und Moratoriumsinitiativen. Wir legen Euch all diese Initiativen ans Herz - Schritte auf dem Weg zu einer umwelt- und sozialverträglichen Energieversorgung. Näheres bei: Verein Strom ohne Atom, Heinrichstr. 147, Postfach 2322, 8031 Zürich, Tel 01 447 41 85.

Verein „Feuer in den Alpen“: Der Grimselverein übernimmt Präsidium und Organisation des Vereins „Feuer in den Alpen“. Wir bitten Euch, die schöne Tradition dieser Feuerkette in den europäischen Alpen neu zu beleben und am 8. August Eure Mahnfeuer gegen die Zerstörung des Alpenraums zu entzünden. Informationsmaterial und Plakate bei: Peter Anderegg, Grimselverein, Postfach 509, CH- 3860 Meiringen. Tel 0041 33 971 12 54, Fax 971 12 45.
Bitte meldet uns Eure Feuer bis spätestens 25. Juli 98!

Vorhaben für die kommenden Monate
Aaregletscher ins UNESCO-Verzeichnis „Welterbe“
: Im Welterbe-Verzeichnis sind Objekte von weltweiter landschaftlicher oder kultureller Bedeutung. Es sind Bestrebungen im Gang, einer Teil der Berner- und Walliser-Hochalpen neu aufzunehmen. Seit langem sind wir der Meinung, dass vor allem die Gletscherlandschaft der Aare in dieses Inventar gehört. Sie ist zweifellos eine der grossartigsten und geschichtsträchtigsten Gebirgslandschaften der Schweiz. Ihre Gipfel tragen die Namen der bedeutenden Alpen- und Gletscherforscher und bezeugen damit, dass diese Landschaft auch ein wissenschaftshistorisches Objekt von weltweiter Bedeutung ist. Im März werden wir mit einer Eingabe den Bundesrat offiziell auffordern, bei der UNESCO Antrag zu stellen, dass die Gletscherlandschaft der Aare ins UNESCO-Verzeichnis „Welterbe“ aufzunehmen sei.
Solarstrom: Bereits mit der Realisierung einer Solarstrom-Anlage in der Ecole d’Humanité auf dem Hasliberg haben wir an diese Zukunftsenergie einen Beitrag geleistet. Jetzt haben wir grünes Licht für die Verwirklichung einer zweiten Anlage auf dem Hasliberg: wenn wir im Netzbereich des fortschrittlichen EW Meiringen genügend KundInnen finden, die eine gewisse Menge teuren Solarstroms abonnieren, wird das EW eine Fotovoltaik-Anlage bauen und betreiben - solche Modelle funktionieren schon vielerorts erfolgreich. Vorerst werden wir unsere Mitglieder im Bereich des EW Meiringen als potentielle Solarstrom-KundInnen anschreiben.

Ausflüge und Spektakel 1998
Seit 1988 haben wir jedes Jahr eine mehrtägige Exkursion für Mitglieder durchgeführt, um Interessierten die gefährdeten Gebiete zu zeigen, um neben Sitzungs- und Papierkram zusammen schöne Tage zu erleben und um einander den Rücken zu stärken. Heuer, zum zehnjährigen Jubiläum, und weil wir fast platzen vor Tatendrang, bieten wir sowohl im Frühling als auch im Herbst je einen dreitägigen Gebirgsausflug an. Kommt mit, geniesst mit uns gute Zeiten in den Bergen!

Skitourentage 24. - 26. April 98
Wir wollen die Frühlingsexkursion als Skitourentage im Grimselgebiet durchführen. Wir werden uns in der Wahl der Tourenziele und der Routen nach den aktuellen Verhältnissen richten und ziehen gern auch Wünsche der InteressentInnen in Betracht. Die TeilnehmerInnen sollten ein wenig Erfahrung mit Skitouren haben, sich etliche Stunden Aufstieg zutrauen und auch in widrigem Schnee sicher fahren. Übernachten werden wir in SAC-Hütten. Wer sich anmeldet, erhält im April ein detailliertes Programm, inkl. Angaben zu Ausrüstung und Kosten.
Adresse für Auskünfte und Anmeldungen: Grimselverein, Postfach 509, 3860 Meiringen. Oder: Dres Schild, Tel 031 921 56 96 (G: 322 26 58).

Solar-Wanderung am Hasliberg 27. Juni 1998
Wir haben etwas ganz Besonderes auf dem Programm: auf einer leichten, ca 4-stündigen Wanderung werden interessante Alternativ-Energieanlagen besichtigt und diskutiert: Warmwasser- und Heizenergiegewinnung mit Sonnenkollektoren, Stromgewinnung mit Fotovoltaik, sowie ein Wasser-Klein-kraftwerk. Ausserdem bietet auch das traditionelle Hasliberger Bauernhaus Anschauungsunterricht in Bezug auf Sonnenenergie! - Mittagsverpflegung aus dem Rucksack, die Teilnahme ist gratis, Treffpunkt: 10 00 Uhr MHB Station Hasliberg Reuti, Dauer bis ca 16 00 Uhr.
Die Exkursion wird geleitet von Hans Peter Thöni, Architekt, Tel G 033 971 22 77, P 971 43 33, Anmeldungen bis 26.6.98.

Gletscherweib 4. Juli 98
Wir lassen nicht locker: alle Jahre im Frühsommer, heuer das zehnte Mal, ersteht die schützende, bergende Steinfrau auf dem Unteraargletscher wieder neu, wird geschmückt mit Gebetsfahnen und gefeiert: ein sichtbares Zeichen für beharrlichen Widerstand. Wir lassen uns auch von leidem Wetter nicht abhalten von dieser jährlichen kleinen Gebirgsfahrt, treffen uns auf dem ersten Postauto (unbedingt Fahrpläne konsultieren!) Richtung Grimsel. Wer will, kann einen zweitägigen Ausflug, mit Übernachtung in der SAC-Hütte Lauteraar, draus machen, mit Klettern im Eldorado oder einer kleinen Hochtour.
Anmeldungen (nicht zwingend, aber willkommen) und Auskünfte: Grimselverein, Postfach 509, 3860 Meiringen. Oder: Tel Kathrin von Steiger: 033 971 36 06

L’art pour l’aar 1998/99
Der Schweizerische Alpenclub SAC führt Kunstanlässe zum Thema Alpen durch, bisher vor allem in Form von Ausstellungen in schweizerischen Kunstinstituten. Die Kulturkommission des SAC möchte im Jahr 1999 dieser „alpinen Kunst“ eine neue Form geben und ist mit dem Vorschlag für ein ge-meinsames Projekt an l’art pour l’aar herangetreten. Als mögliches Thema haben wir vorgeschlagen, den weiten Bereich der Alpen- und Gletscherforschung künstlerisch zu bearbeiten, vor allem mit Werken in der Landschaft mit anschliessender Dokumentation in einer Ausstellung. Wir werden interessierte KünstlerInnen informieren, meldet Euch!
L’art pour l’aar 98 wird darin bestehen, dass KünstlerInnen, die am Projekt SAC/l’art pour l’aar Interesse haben, sich in der Woche vom 3.-8. August für einige Tage im Grimselgebiet treffen und Konzepte für 1999 erarbeiten. Interessierte melden sich bitte: Grimselverein, l’art pour l’aar, Postfach 509, 3860 Meiringen, oder: Adolf Urweider Tel/Fax 0041 33 971 62 93.

Feuer in den Alpen am 8. August 98
Das traditionelle Feuer auf dem Sidelhorn, mit Musik, Ansprache, Speis & Trank und Fackeln, ein Gipfelerlebnis mitten in der grossartigen Grimsellandschaft, gehört zu den unbestrittenen Höhepunkten unseres Vereinsjahrs. Wir treffen uns wie üblich um 15 30 Uhr auf der Grimsel Passhöhe, wandern in ungefähr anderthalb Stunden (Gebirgsweg) auf das Sidelhorn - und jedes trägt ein Bündel Holz hinauf. Wer auf der Grimsel übernachten möchte, findet Gelegenheit z.B. im Hotel Grimsel Passhöhe, hat auch Massenlager. - Nähere Angaben und das Programm verschicken wir an die Mitglieder im Kanton Bern im Frühsommer.
Interessierte von ausserhalb des Kantons Bern melden sich bitte: Grimselverein, Postfach 509, 3860 Meiringen. Oder: Emil Feuz Tel 033 971 21 45.

Gelmertage für ALLE 2. - 4. Oktober 98
Wir werden von der Gelmerhütte SAC aus spazieren, wandern, klettern, Touren unternehmen, botanisieren. Die Biologin Erika Loser wird Interessierten zeigen und erklären, was es mit Gletschervorfeldern so Spannendes auf sich hat. Die Umgebung der Gelmerhütte ist wunderbar geeignet für alle möglichen Betätigungsgelüste und der Ort so paradiesisch schön, dass man auch einfach nur da sein kann. Kinder sind willkommen, wenn sie in der Lage sind, den etwa dreistündigen, zum Teil steilen Weg zur Hütte zu bewältigen.
Zu den Kosten können wir noch keine genauen Angaben machen. Für die Organisation benötigen wir bis 15. September Eure Anmeldungen mit Angaben zu den vorgesehenen Aktivitäten. Wer mitkommen will, soll bitte den Talon ausfüllen und schicken an: Grimselverein, Postfach 509, 3860 Meiringen. Oder: Tel. Ernst Rufibach 033 971 60 76.
Wir werden alles Weitere (Treffpunkt, Ausrüstung, Kosten etc.) rechtzeitig mitteilen.

Das Copräsidium grüsst Euch alle herzlich!