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Rundbrief 22, September 1997
Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde!
Wir sind noch da, die Grimsel auch, und wir haben uns erholt vom Entsetzen über das kleinmütige Zaudern unserer Landesregierung. Wir freuen uns, auch jetzt Neumitglieder begrüssen zu dürfen - dass der Verein wächst, ermutigt uns! Vielen Dank allen, die uns tatkräftig, mit Interesse und mit manchmal grosszügigen Zustüpfen unterstützen.
Standortbestimmung: wo steht Grimsel West? Wo stehen wir?
Der Bundesrat anerkennt, dass die Sunnig Aar eine Moorlandschaft von nationaler Bedeutung ist und dass keine Interessenabwägung mit der Energiegewinnung zulässig ist. Trotzdem drückte er sich am 16. Juni 97 erneut um seine Pflicht, die Moorlandschaft Grimsel zu schützen: verfassungsrechtlich ein Skandal. Die Sunnig Aar bleibt provisorisch geschützt, bis
"glaubhaft gemacht wird, dass die Nutzung der Grimsel aufgrund veränderter Rahmenbedingungen notwendig ist, um eine absehbare grosse Lücke in der Energieversorgung ab dem Jahre 2015 zu schliessen, oder wenn glaubhaft gemacht wird, dass eine solche Situation nicht eintreten wird". Das Ganze also nochmal von vorn - bis glaubhaft dargelegt wird, wem geglaubt werden soll...
Trotz diesem "Unentschieden" können wir die Hände nicht in den Schoss legen. Die KWO setzen die Arbeit an ihrem Projekt 96 fort. Es ist zu erwarten, dass sie dieses in naher Zukunft beim Kanton einreichen werden. Um eine Stromlücke nach 2015 mit Grimsel West schliessen zu können, müsste ja im Jahr 2000 mit dem Bau begonnen werden. Im liberalisierten Strommarkt hat das teure Bauvorhaben im Moment zwar keine Realisierungschance, aber die Option Grimsel West und damit die Möglichkeit, auch in Zukunft um Gewinne im Stromhandel zu spekulieren, soll unbedingt offen bleiben. Deshalb darf der Moorschutz nicht vollzogen werden - Verfassung hin oder her.
Dabei ist die entscheidende Frage, ob der Kanton Bern auf das Begehren der KWO eintritt und das Konzessionsverfahren bis und mit Volksabstimmung durchziehen wird. Dies würde sowohl für die Verwaltung wie für uns einen Riesenaufwand mit sich bringen. Weil Entscheide um das KWO-Projekt bekanntlich politisch und nicht fachlich begründet gefällt werden, sind wir ernsthaft besorgt. Auch wenn zur Zeit niemand dran denkt, Grimsel West wirklich zu bauen, würden es KWO und Kanton Bern sicher vorziehen, ein bereits konzessioniertes Projekt in den Schubladen liegen zu haben... Darum ist das Schlimmste zu befürchten.
Weigert sich hingegen der Kanton, angesichts der unsicheren Lage auf dem Strommarkt, den Aufwand eines Konzessionsverfahrens auf sich zu nehmen, dürfte es für uns etwas ruhiger werden. Getreu unserem Motto: "Grimsel West - NIE!" werden wir versuchen - und zwar so, dass auch der Bundesrat kapieren muss - unsere Überzeugung zu untermauern, dass Alternativen zum KWO-Projekt vorhanden sind. Zukünftige Energieprobleme müssen nicht ausgerechnet aufkosten dieser einmaligen geschützten Landschaft gelöst werden!
Abstimmung Renaturierungsfonds vom 23. November 1997
Am 23. November wird im Kanton Bern über einen Volksvorschlag abgestimmt. Das neue Wassernutzungsgesetz soll mit einem Artikel ergänzt werden, der 10% der Konzessionsabgaben der Kraftwerke einem Fonds zuführt. Jährlich würden rund 3 Millionen Franken für die Wiederherstellung von unnatürlich verbauten und kanalisierten Gewässern freigestellt. Ein Beitrag sowohl zugunsten unserer Bäche und Flüsse als auch zugunsten kleiner und mittlerer Bauunternehmen. Wir bitten Euch, den Renaturierungsfonds im Abstimmungskampf und mit einem JA am 23. November zu unterstützen.
l'art pour l'aar 97
Zehn KünstlerInnen haben mit einem "künstlerischen Achselzucken" den Nullentscheid des Bundesrates kommentiert und gleichzeitig angekündigt, dass sie sich nicht von der Grimsel verabschiedet haben: Kartontäfelchen mit der Aufschrift "WIR SIND GLEICH ZURÜCK" wurden in der Landschaft deponiert.
"l'art pour l'aar 97" und unser traditionelles Feuer auf dem Sidelhorn waren dem Fernsehsender 3sat eine fünfminütige Sendung wert.
Sidelhornfeuer und Gletscherweib
Heuer war uns endlich wieder einmal ein Feuer auf dem Sidelhorn vergönnt - an einem überwältigend schönen, wild&milden Sommerabend, mit Musik, Reden, Gebetsfahnen. Unerwartet viele Gäste sind gekommen. Wir danken herzlich für Eure Teilnahme - zusammen feiern stärkt den Widerstandsgeist mächtig!
Das Gletscherweib ist neu errichtet und mit Fahnen geschmückt. Das lausige Wetter hat uns, und mit uns zwei Kinder, nicht von Weg und Arbeit abhalten können.
Exkursionen
Als Exkursion für unsere Mitglieder haben wir eine zweitägige Skitour durchgeführt - auch diesmal ein vergnüglicher Anlass! An dieser Stelle möchten wir Euch bitten, allfällige Vorschläge für Ausflüge im nächsten Jahr mitzuteilen; vielleicht ist unser Angebot manchen etwas zu alpinistisch...?
Auch in diesem Sommer haben wir Schulen, Seminarien, Gymnasien, politische Parteien und Gremien etc in grosser Zahl in die Grimsellandschaft geführt. Wer die Sunnig Aar mit offenen Sinnen erlebt hat, wird sich für sie wehren.
Wir grüssen Euch alle und freuen uns, wenn ihr zahlreich an die Generalversammlung kommt!
Der Vorstand