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Rundbrief 20, Oktober 1996
Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde!
wir sind sehr froh über alle Hilfe, die wir im Kampf um die Grimsellandschaft erfahren. Rund 18'000 farbige Aufrufe, die Moorlandschaft Sunnig Aar zu schützen, hat der Bundesrat erhalten - wir danken Euch herzlich für die Unterstützung dieser Kartenaktion! Die Grimsel war in den letzten Wochen, weil es nun doch auf die grosse Entscheidung zugeht, sehr präsent in den Medien. Dies hat uns auch neue Mitglieder und hochwillkommene Spenden gebracht - diese Beiträge sind unverzichtbar jetzt, wo wir alle Mittel und Kräfte einsetzen für die Rettung der Grimsel - DANKE!
Mitteilungen seit Juni 96
Moorschutz
Vor Mitte November dürfte der Bundesratsentscheid über die Aufnahme der Sunnig Aar ins Inventar der Moorlandschaften von besonderer Schönheit und nationaler Bedeutung fallen. Weil dies das Ende des unsinnigen Monsterprojekts wäre, haben KWO und Berner Regierung alle Mittel eingesetzt, um den endgültigen Schutz zu hintertreiben. Dies, obwohl als letzte offizielle Instanz, übereinstimmend mit allen andern offiziellen Gutachten, auch die
Fachkommission Moorschutz des Kantons Bern in ihrer Beurteilung festhält, dass die Sunnig Aar eindeutig alle Kriterien einer schützenswerten Moorlandschaft erfüllt.
Als Entgegnung auf unser Rechtsgutachten Kölz, das eine
Interessenabwägung Energieproduktion-Moorschutz ausschliesst, haben auch die KWO ein juristisches Gutachten erstellen lassen. Weil sich dazu, wie publik geworden ist, trotz Anfragen kein unabhängiger Rechtsexperte hergeben mochte, ist der oberste Chef der KWO, Verwaltungsratspräsident der BKW Dr. Fritz Kilchenmann, eingesprungen und hat zu unserer allergrössten Überraschung zweierlei herausgefunden: erstens ist die Grimsellandschaft nicht schützenswert und zweitens ist eine Interessenabwägung zwingend. - und zu allem Überfluss wurde dieses Gutachten noch mit einem professoralen Lobmäntelchen von Ulrich Zimmerli behängt.
Diese
Gefälligkeitspapiere legte die Berner Regierung ihrem Antrag an den Bundesrat, die Moorschutzentscheidung zu vertagen, bei: vorher sei abzuklären, ob Grimsel West nicht das AKW Mühleberg ersetzen könne, wie die BKW behaupten.
Wir haben prompt reagiert, denn für die Grimsel geht es nun wirklich um
Alles oder Nichts: unser Fürsprecher Tobias Winzeler hat im Kilchenmann-Gutachten grobe Mängel festgestellt und auch das professorale Mäntelchen, das diese Blössen bedecken sollte, zu kurz befunden - seine entsprechende Stellungnahme ist dem Bundesrat zugestellt worden.
Zusätzlich haben wir zuhanden des Bundesrats bei der renommierten Firma kiefer und partners die angekündigte
Energiestudie erstellen lassen. Sie untersucht die Eignung von Grimsel West als möglichen Mühleberg-Ersatz. Es bestätigt sich Folgendes:
Grimsel West ist untauglich als Mühleberg-Ersatz-Variante, unter Einschluss der Pumpverluste müsste mehr Strom importiert (abgetauscht gegen Spitzenstrom) werden als bei der reinen Importvariante. Ausserdem würde wegen der Pumpverluste und der zu ersetzenden KWO-Sommerproduktion Grimsel West mindestens ebensoviel oder mehr CO2 ausstossen wie die ebenfalls vorgeschlagenen Mühleberg-Ersatzvarianten "Gaskombikraftwerk" oder "Reine Stromimporte". Damit dürfte das Märchen "saubere Wasserkraft von Grimsel West" endgültig begraben sein; das KWO-Vorhaben entpuppt sich als ökologisch doppelt unsinnig: nicht nur würde unwiederbringlich eine grossartige Landschaft zerstört, Grimsel West würde auch allen erklärten und beschlossenen Zielen, die Treibhausgas-Emissionen zu senken, zuwiderlaufen. Natürlich befürworten wir auch nach dieser Studie nicht den Bau eines Gaskombikraftwerks oder reine Stromimporte - wir setzen uns weiterhin ein für mehr Energieeffizienz und innovative, dezentrale Produktion.
Es gibt aus unserer Sicht nach unseren beiden Gutachten weder juristische noch energiepolitisch vertretbare Gründe, den Schutz der Moorlandschaft aufzuschieben. Wir erwarten, dass der Bundesrat die Sunnig Aar aufnimmt ins Inventar der Moorlandschaften. Sollte dies wider Erwarten nicht ge-schehen, bleibt uns die Hoffnung, dass der für 1997 vorgesehene Entscheid zum
Flachmoor Mederlouwenen die Ausbaupläne Grimsel West erledigen wird.
Wir sind in unseren Anstrengungen nicht allein. Auch die nationalen Umweltorganisationen haben mit Eingaben und viel Öffentlichkeitsarbeit dem Bundesrat nahegelegt, den verfassungsmässigen Moorschutz an der Grimsel fristgerecht zu vollziehen.
Verschiedenes
Greenpeace hat anfangs August mit einer Aktion in der Aareschlucht einen Beitrag zum Widerstand geleistet: hässliche Stromvampire haben der Aare Wasser abgesogen - damit wurde hingewiesen auf die klägliche Restwassermenge, die nach dem Bau von Grimsel West noch durch dieses berühmte Naturwunder fliessen würde.
Grimsel West wird ins
Internet aufgenommen und wird nächstens abrufbar sein unter: http://hasli.ch/GrimselWest/
Unsere
Studie kiefer und partners: "Stromabtausch/Grimsel West - eine Alternative zum Kernkraftwerk Mühleberg?" kann zum Preis von 20.- bei uns bestellt werden.
Exkursion: Wir führen vom 25.-27. April 97 geführte Skitourentage im gefährdeten Gebiet durch. InteressentInnen mögen sich bitte bald, spätestens bis Ende März 97, bei uns melden. Wir werden bei der Planung Eure Wünsche berücksichtigen.
Achtung: bitte meldet uns
Adressänderungen! Wir verlieren Mitglieder, wenn Ihr ohne Angabe der neuen Adresse umzieht...
Allen liebe Grüsse!
Der Vorstand