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Rundbrief 19, Juni 1996
JETZT - oder viele Jahre nicht mehr!
Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde
Wir wenden uns mit einem ausserordentlichen Rundbrief an Euch alle, weil sich in diesem Sommer das Schicksal der Grimsel entscheiden könnte und wir Eure Unterstützung brauchen.
Der Bundesrat hat anfangs Mai auf Drängen des Bernischen Regierungsrats hin seine Entscheidung darüber, ob er den Verfassungsauftrag
Moorschutz erfüllen will, bis Ende August aufgeschoben. Hinter den Kulissen ist ein grosses Zwängen und Zerren im Gang - die definitive Rettung der Grimsellandschaft soll mit allen Mitteln hintertrieben werden. Neuerdings geht dies so weit, dass die AKW-Filiale Grimsel West in völliger Entstellung der Wirklichkeit als möglicher Ersatz für das AKW Mühleberg ausgegeben wird. Wir setzen uns auf allen Ebenen dafür ein, dass dieser Schwindel den Bundesrat nicht davon abhalten kann, den Volkswillen zu vollziehen. Andernfalls steht uns ein jahrelanger Kampf bevor, den schliesslich das Bundesgericht entscheiden wird. Wir brauchen Eure Hilfe: mit Nachdruck und vieltausendstimmig wollen wir den Bundesrat dazu auffordern, die Grimsel definitiv zu schützen - es ist eine schwer erträgliche Vorstellung, dass es Kreisen der Elektrizitäts- und der Bauwirtschaft gelingen sollte, in diesen fachlich und juristisch eindeutigen Fragen Verfassungsrecht nach Belieben zu beugen. Deshalb doppeln wir mit unserer
Kartenaktion nach und rufen Euch auf: überflutet den Bundesrat mit Karten, sorgt für eine beeindruckende Kundgebung, lasst Freunde, Kinder, Bekannte unterschreiben. Und falls Ihr schon im April geschrieben habt, tut es wieder, nach der Devise:
drum sag ich's noch einmal!!
Die BKW haben ihren Bericht zur künftigen Strombeschaffung vorgestellt und darin als Ersatz für das veraltete AKW Mühleberg neben den Varianten Stromimporte und Gaskombikraftwerk auch Grimsel West genannt. Ein Pseudo-Ersatz! Grimsel West würde keinen zusätzlichen Strom produzieren, sondern nur zu einem Drittel, und nur indirekt, Mühleberg ersetzen durch den Abtausch von Grimsel-Spitzenstrom gegen importierte Bandenergie. Wir behaupten, dass Grimsel West der reinen Importvariante entspricht. Ausserdem haben wir gute Argumente für die Überzeugung, dass der CO2-Ausstoss in Europa mit dem Betrieb von Grimsel West zunehmen würde und von sauberer Wasserkraft eben nicht die Rede sein darf. Grimsel West wäre also nicht umweltfreundlicher als ein Gaskombikraftwerk. - Wir lassen die Fragen der Importbilanz und der CO2-Bilanz in einer Expertise untersuchen - ob es uns passt oder nicht: die Moorschutz-Entscheidung des Bundesrats wird von energiewirtschaftlichen Aspekten mitbestimmt. Für die Finanzierung dieser Studie sind wir auf Eure Hilfe angewiesen und bitten um grosszügige
Spenden!
Demnächst werden die KWO ihr "neues" Projekt der Öffentlichkeit vorstellen, es soll zu Spitzennachfragezeiten
noch mehr Strom in
noch kürzerer Zeit liefern können. Es wird also munter drauflos projektiert (die KWO haben bisher 9 Mio Franken verprojektiert und der Verwaltung immense Kosten verursacht), als hätte es nie eine Rothenthurm-Abstimmung gegeben, als erfülle die Sunnig Aar nicht beispielhaft die Kriterien für eine Moorlandschaft von besonderer Schönheit und nationaler Bedeutung - nicht nur die Landschaft muss hier und heute verteidigt werden, sondern auch die Basis der Demokratie.
Alle Jahre brennen am zweiten Samstag im August zwischen Wien und Nizza Hunderte von Feuern, die warnen sollen vor der Übernutzung der Alpen durch Transitverkehr, Kraftwerke und Tourismus. Mit diesem Rundbrief wollen wir Euch einladen und bitten, zahlreich zum
Feuer auf dem Sidelhorn zu kommen und mit Eurer Teilnahme zu demonstrieren für die Moorlandschaft Grimsel. Wir setzen uns dafür ein, dass der Moorschutz an der Grimsel heuer zum Schwerpunkt von
Feuer in den Alpen gemacht wird. Die Sidelhorn-Feuer sind eindrückliche Erlebnisse und vergnügliche Feste, auch für Kinder, denen der anderthalb- bis zweistündige Aufstieg zumutbar ist.
L'art pour l'aar: die KünstlerInnen werden heuer Original-Ansichtskarten schaffen und an einem Stand auf der Grimsel-Passhöhe vom 5. bis und mit 10. August verkaufen.
Im Raum Bern suchen wir Mitglieder, die für das
Wasserfest (1.-10. August 96) ein Engagement in unserer Zusammenarbeit mit der SWISSAID übernehmen können.
Die SWISSAID bittet uns um folgenden Aufruf:
Aarelüüchte am 1. August 96: schickt Euer Lichtschiffchen auf die Reise! - mit dieser Aktion möchten wir eine alte Berner Tradition wieder aufleben lassen und Tausende von kerzenbestückten Papierschiffchen auf die Aare setzen. Lichterfeste werden in vielen Völkern der Erde gefeiert - Wasser und Licht stehen für das Leben und für die Hoffnung, die uns verbindet.
Für den Verkauf dieser Lichtschiffchen an zwei Marktständen in der Stadt (Neuengasse, Marzili) suchen wir noch StandbetreuerInnen als Mithilfe.
Vorverkaufsdaten: 18.,19.,20.,25.,26.,27.,28.,.30.,31. Juli und 1. August.
Gegenleistung: 50 Rp pro Schiffchen (10%) gehen an den Grimselverein. Gratiseintritt am Wasserfest für StandbetreuerInnen. Ausserdem könnte der Grimselverein auf dem Festgelände das Aareweib, Figur aus Steinen, errichten und Informationsmaterial auflegen oder auf andere Weise die Wiege der Aare und ihre Gefährdung ins Gedächtnis rufen. Wer aktiv werden will, soll bitte kontaktieren: Thomas Lips, Swissaid Wasserfest, Altenbergstrasse 8a, 3013 Bern, Tel 031 331 63 81
Ebenfalls zum Wasserfest gehört:
So cool ist Helfen selten! - Unter diesem Motto veranstaltet SWISSAID am 10. August ein Sponsorschwimmen in der Aare bei Bern zugunsten Wasserprojekten im Süden. Weitere Informationen und Prospekte mit Anmeldetalon bei: SWISSAID, Postfach, 3000 Bern 6, Tel 031 351 33 11
Wir hoffen, Viele von Euch zu sehen auf dem Sidelhorn - und vielleicht können wir mit dem nächsten Rundbrief einladen zum FEST...!?
Mit freundlichen Grüssen
Der Vorstand