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Rundbrief 18, April 1996

Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde!

Dies wäre, wenn alles mit rechten Dingen zuginge, der Volkswille noch öppis gelten täte hierzulande und die Schweizerische Bundesverfassung auch, der letzte Rundbrief - siehe Kapitel Moorschutz! Dennoch:

Jahresbeitrag 1996
Bitte benutzt den Einzahlungsschein für den Jahresbeitrag 96 und für grosszügige Spenden. Achtung! Unser Kassier ist besorgt: in den letzten paar Jahren hat nur jedes dritte Mitglied regelmässig einen Jahresbeitrag bezahlt. Wir sind, Rezession hin oder her, auf Eure Beiträge angewiesen, wenn wir unsere Arbeit wirkungsvoll tun wollen. Zahlungen nach November 95 gelten als Jahresbeitrag für 1996.

Moorschutz
November 95: Staatsrechtsprofessor Kölz erstellt in unserem Auftrag ein Rechtsgutachten, das besagt: die Grimselmoore erfüllen alle Kriterien der Mooren und Moorlandschaften von besonderer Schönheit und nationaler Bedeutung gemäss Bundesverfassung. Eine Interessenabwägung zwischen dem Kraftwerkprojekt und dem Moorschutz ist nicht statthaft, weil diese im Verfassungsartikel bereits zugunsten des Moorschutzes vorweggenommen ist.
November 95: die Berner Regierung ersucht den Bundesrat, den Moorschutz an der Grimsel bis Ende 1996 hinauszuschieben. Sie begründet diesen Antrag damit, dass ein KWO-eigenes Moorgutachten zu überprüfen und der BKW-Schlussbericht zur zukünftigen bernischen Energieversorgung abzuwarten sei. Gestützt auf das Gutachten Kölz ist eine Verschiebung aus energiepolitischen Gründen aber verfassungswidrig!
Dezember 95: wir erhalten vom Kanton Bern das KWO-Moorgutachten auf Verlangen zur Einsicht und stellen beruhigt fest: es rechtfertigt keinesfalls den Ausschluss der Grimselmoore aus den Schutzinventaren.
März 96: in den KWO-Partnerstädten Bern, Basel und Zürich werden auf unsere Veranlassung hin Postulate eingereicht mit der Aufforderung an die Stadtregierungen, sich einzusetzen für eine rasche Beendigung der kostspieligen Projektiererei an der Grimsel und einen fristgerechten Vollzug des Moorschutzes in Übereinstimmung mit der Bundesverfassung.
April 96: in der zweiten Aprilhälfte fallen beim Bundesrat Entscheide zu den Moorlandschaften. Mit Briefen an's BUWAL, an Frau Bundesrätin Dreifuss und die Herren Bundesräte Leuenberger und Koller versuchen wir, Moorschutz-Entscheide zugunsten der Grimsel zu erreichen. Kartenaktion! Wir haben 80'000 prächtige Postkarten gedruckt und verschicken sie mit Unterstützung der Greinastiftung, der Naturfreunde und von Mountain Wilderness. Helft dafür sorgen, dass der Bundesrat diese farbige Petition nicht übersehen kann und sieht, wieviele Leute die Grimsel mithilfe des Moorschutzes endlich und endgültig schützen wollen - unterschreibt, lasst unterschreiben und schickt die Karten sofort an den Bundesrat.
Es wäre unverständlich, wenn der Bundesrat seine Fachleute nicht unterstützen und die Grimselmoore - die Teil einer bereits mehrfach geschützten Landschaft bilden (Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung BLN, Kantonales Naturschutzgebiet, Kantonales Landschaftsschutzgebiet, Kantonales Hochalpen-Schutzgebiet, Jagdbanngebiet!!) - nicht schützen würde, um einem unsinnigen Kraftwerkprojekt den Weg zu ihrer Zerstörung offenzulassen! An eine Realisierung von Grimsel West kann nur denken, wer bereit ist, Verfassungsrecht zu beugen.

Vermischte Mitteilungen seit Oktober 95
Während die Pumpspeicherprojekte Madris und Val Bercla sistiert wurden, und Mauvoisin trotz Baubewilligung vorläufig nicht ausgeführt wird (Stromschwemme in Europa!), künden die KWO AG ein überarbeitetes Projekt an. Hat man sich vielleicht hinter den Kulissen politisch darauf geeinigt, dass Grimsel West das noch auszuführende Pumpspeicherwerk sein soll?? Das für Ende 96 angekündigte Projekt soll laut Aussagen von Franz Benelli (KWO-Direktor) gleich viel Strom wie das Projekt 90 zum halben Preis produzieren... Glaubwürdig?? - Die geplanten Zerstörungen an der Grimsel blieben jedenfalls die gleichen.
Mühleberg-Ersatz: Die BKW AG sehen im Abtausch von Grimsel-Spitzenstrom gegen importierte Bandenergie eine Möglichkeit, das auslaufende AKW Mühleberg teilweise zu ersetzen. Ein ökologischer Unsinn: die mit Mühleberg wegfallende Strommenge würde in französischen AKWs oder östlichen Kohlekraftwerken produziert und zusätzlich würde die Grimsel für die "Veredelung" geopfert. Gewinnmaximierung für die BKW Energie AG aufkosten einer geschützten Landschaft... Gegen die BKW Energie AG haben wir für den Betrag von Franken 11'953.75 die Betreibung eingeleitet. Soviel hat uns ein Inserat gekostet, mit dem wir eine vom Bundesgericht gerügte BKW-Lüge im Abstimmungskampf zur Aareschutzinitiative korrigieren mussten. Wir harren der Dinge...

Attraktionen 1996

Gletscherweib
Am 6. Juli 96 werden wir auf dem Unteraargletscher die schützende, bergende Steinfrau, Symbol für Widerstand und Hoffnung, neu errichten. Alle Jahre wieder, heuer bereits zum achten Mal. Der Bau des Gletscherweibs gehört zu den Höhepunkten unserer Tätigkeit. Oft sind Kinder dabei, und manche der Teilnehmenden nehmen die Gelegenheit für einen zweitägigen Gebirgsausflug wahr und übernachten in der Lauteraarhütte. Wer mitkommen möchte, erhält auf Anfrage ein Informationsblatt mit allen nötigen Angaben.

Feuer auf dem Sidelhorn 10. August 1996
Das traditionelle Feuern auf dem Sidelhorn hat in den beiden vergangenen Jahren zu unserem allergrössten Bedauern wegen miserablem Wetter nicht stattfinden können. Wie immer ist der zweite Samstag im August dafür reserviert - an diesem Abend brennen zwischen Wien und Nizza tausende von Mahn- und Warnfeuern gegen die Übernutzung der Alpen. Zu unserem Fest gehören Musik, Bräteln, Ansprache, Gebetsfahnen und Fackeln. Wir treffen uns wie immer um 15 30 Uhr auf der Grimsel Passhöhe und wandern gemeinsam auf das Sidelhorn (ca 1 1/2 Std. Gebirgsweg). Warme Kleider, Essen und Trinken, Riemen zum Holztragen und Licht für den Abstieg nicht vergessen!
Wer näher informiert werden möchte über Programm, Ausrüstung, Übernachtungsmöglichkeiten etc. erhält auf Anfrage eine Einladung mit allen nötigen Angaben.

L'art pour l'aar
In der ersten Augustwoche wird diese erfolgreiche Kunstaktion in der Grimsellandschaft in neuer Form zum fünften Mal durchgeführt. InteressentInnen sind willkommen! Die Arbeiten von l'art pour l'aar 95 sind noch bis Ende Mai im SP-Zentralsekretariat Bern, Spitalgasse 34, öffentlich ausgestellt.

DAS FEST, falls...(siehe Briefanfang)

Allen liebe Grüsse!
Der Vorstand