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Rundbrief 17, Oktober 1995
Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde!
Das muss nun auch einmal gesagt sein: es ist beispielhaft, wie Ihr, viele von Euch seit 1987, uns die Treue haltet, obwohl der Einsatz für die Grimsel inzwischen mehr Knochenarbeit als Spektakel ist und zähes Standhalten über Jahre mehr Kraft kostet als mal kurz Feuerwerken. Herzlichen Dank für die Unterstützung, die uns kostbar und unverzichtbar ist!
Mitteilungen seit März 95
Wir haben in der Lauteraar, auf einem weissen Steinschiff, ein hübsches
Gletscherweib gebaut, und das war wie immer wunderschön - ein echter Höhepunkt des Vereinsjahrs!
Mitte Juli haben wir, eine aufsehenerregende Delegation aus dem Hasli, teilgenommen am Eröffnungsakt der
"Landschaft des Jahres" der Naturfreunde und am Alpenfest in Oberwald. Wir sind in Haslitrachten und Halbleingewand von der Grimsel heruntergewandert, die Mannen haben auf Räfen das Dessert für's Fest, Méringues, getragen, und wir waren ein beliebtes Fotosujet an diesem Tag. Wir haben dafür gesorgt, dass nicht die Grimsel gefeiert wird ohne Hinweis auf die drohende Zerstörung.
Leider hat uns wüster Regen zum Verzicht auf's
Feuer auf dem Sidelhorn gezwungen - jammerschade. Wir haben uns in Guttannen versammelt, uns gegenseitig getröstet und auf dem Sattel ein Feuer angezündet. Nun hoffen wir auf nächstes Jahr: möge am 10.8.96 Sidelhorn-Wetter sein!
Die vom Grimselverein initiierte
Solaranlage in der Ecole d'Humanité ist eingeweiht worden. Inzwischen hat der Grimselverein zwei Aktien des Meiringer Fernheizkraftwerks erworben: unser Beitrag zu vernünftiger Energiepolitik.
Die
KOWA hat ihre Arbeit mit mässigem Erfolg abgeschlossen. Gegen den Widerstand der E-Wirtschaft ist es nicht gelungen, die Pumpspeicher-Projekte in die Wasserkraftplanung zu integrieren und den dort gültigen Bedingungen zu unterstellen. Zumindest haben wir erreicht, dass dieses Manko samt unseren Argumenten im Schlussbericht erwähnt ist. in einer ARGE Gewässerschutz, welche die Arbeit der KOWA fortführt, macht der Grimselverein aus Arbeits- und Kostengründen nicht mehr mit, wird aber auf dem Laufenden gehalten.
Was geht an der Grimsel?
Moorschutz
Noch heuer will der Bundesrat endgültig über den Schutz der Grimsel-Moore entscheiden und könnte damit auch Grimsel West ein für allemal erledigen. Die KWO geben sich nicht einfach geschlagen, obwohl alle zuständigen Fachstellen die Moore als eindeutig schutzwürdig beurteilen. Sie haben ein eigenes Gutachten machen lassen. Dieses kommt (wer hätte das ahnen können??) zum Schluss, dass Arvenwald und Moore nicht von nationaler, sondern nur regionaler Bedeutung seien und deshalb ersäuft werden dürfen. Berner Regierung und Fachstellen erachten es als ihre Pflicht, die Argumente der KWO zu überprüfen - schliesslich seien sie die Grundeigentümer. Das Gutachten ist noch unter Verschluss. - Anlässlich einer Anhörung haben wir, Grimselverein, NVB und WWF Bern, drei Regierungsratsmitgliedern unsere Argumente zum Moorschutz vorgetragen und angemeldet, dass wir alle rechtlichen und politischen Mittel ausschöpfen würden in dieser Sache. Beim Staatsrechtler Prof. Kölz haben wir eine Untersuchung in Auftrag gegeben: er soll untersuchen, ob die Berner Regierung mit einer angekündeten Interessenabwägung zwischen Moorschutz und Grimsel West nicht gegen die Bundesverfassung verstossen würde.
Energietagung
Die angekündigte Tagung Energie-Moorschutz findet nicht statt. Ihre Teilnahme zugesagt hatten auch Regierungsrärin Dori Schär und KWO-Direktor Franz Benelli. Dieser hat seine Zusage später zurückgezogen. Trotz unserer Intervention bei den zuständigen VR-Präsidenten wollten BKW und KWO auch keinen Ersatz stellen. Diese Dialogverweigerung ist - nach der Verschleppung des lange versprochenen Wirtschaftlichkeitsberichts - ein weiteres Zeichen grosser Unsicherheit bei den Planern von Grimsel West. Wer eigentlich soll das Projekt noch öffentlich verteidigen??
L'art pour l'aar 95
Dreiundzwanzig KünstlerInnen haben sich heuer an der Kunstwoche an der Grimsel beteiligt und die Aktion zu einem grossen Erfolg gemacht - es reichte sogar zu einem Tagesschaubeitrag bei SF DRS. L'art pour l'aar ist inzwischen ein wichtiger Bestandteil unseres Kampfes gegen das monströse Kraftwerkprojekt an der Grimsel geworden. In zwei Ausstellungen werden die Arbeiten, die diesen Sommer entstanden sind, der Öffentlichkeit vorgestellt - Einladungskarte liegt bei. Vernissage-Reden werden halten: Pfr. Andreas von Rütte in Unterseen und Nationalrat Helmut Hubacher in Basel. Ein schöner Katalog wird erscheinen, mit Unterstützung vom BUWAL und verschiedenen Umweltorganisationen. Mit der Bestellung des Katalogs könnt ihr mithelfen, dass ihr uneigennütziger Einsatz die KünstlerInnen nicht allzuviel Geld kostet.
Verschiedenes
Bei der Revue Suisse ist eine
Sondernummer zur Landschaft des Jahres Furka-Grimsel-Susten erschienen, mit einem Artikel zu Grimsel West und Interviews mit Einheimischen. Bestellung mit untenstehendem Talon.
Wir haben beschlossen, keine Wahlempfehlungen für die NR-Wahlen abzugeben - wir kennen ja unsere PappenheimerInnen...
Achtung: Wer sich interessiert für die Exkursion 1996, geführte Skitouren-Tage im bedrohten Gebiet, soll die Daten vormerken: 12.-14.April 96 und uns bis Weihnachten schreiben, damit wir anständig planen können.
Allen liebe Grüsse!
Der Vorstand