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Rundbrief 15, Oktober 1994
Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde!
Wir freuen uns, Euch mitteilen zu können, dass der Grimselverein weiter wächst. Die Mitgliederzahl beträgt jetzt über 2200.
Mitteilungen seit April 1994
Wir haben unsere Informationstätigkeit mit Vorträgen, Exkursionen und Publikationen weitergeführt.
Generalversammlung KWO: Entgegen unserer kühnen Hoffnungen haben die KWO das Grimselprojekt, trotz des Preiszusammenbruchs auf dem übersättigten europäischen Strommarkt, nicht zurückgezogen. Sie haben aber die angekündigte Veröffentlichung der vom Kanton verlangten Wirtschaftlichkeitsprüfung um ein Jahr verschoben. Offenbar zweifelt zumindest ein Teil der KWO-Partner daran, dass sich der teure Grimselstrom überhaupt noch gewinnbringend würde verkaufen lassen.
Gletscherweib: Im Juli haben wir unsere Symbolfigur, das schützende Gletscherweib auf dem Unteraargletscher, neu aufgebaut. Die Steinfigur ist zum Thermometer für die Klimaveränderung geworden: der schwindende Gletscher lässt sie immer wieder einstürzen. Solange aber nicht der geplante Grimselsee ihren unsicheren Standplatz für immer überflutet, bauen wir sie mit Freude jährlich wieder auf, als Zeichen für unseren bisher erfolgreichen und nicht erlahmenden Widerstand.
Feuer in den Alpen: In diesem schönen Sommer regnete es ausgerechnet am Augustwochenende, als in Europa über 1000 Mahnfeuer brannten gegen die schleichende Zerstörung der Alpen. Statt auf dem Sidelhorn, wo es an diesem Abend schneite, feuerten und feierten wir bei strömendem Regen oberhalb des Dorfs Guttannen und hatten eine Trostveranstaltung mit schöner Geigenmusik im Bären.
Energietag in Meiringen: Wir haben uns zusammen mit dem Gewerbe und den Elektrizitätswerken am Energietag mit einem Stand beteiligt, über Alternativenergien orientiert und Unterschriften gesammelt für die Solar- und Umweltinitiativen.
Aktion L'art pour l'Aar: Organisiert vom Grimselverein und von der IG Kultur Berner Oberland fand sich bereits zum dritten Mal eine Gruppe von Kunstschaffenden zu einer Arbeitswoche an der Grimsel zusammen. Überzeugt davon, dass Kunst ebenso stark ist wie Argumente, versuchen sie mit Werken in der Landschaft auf die drohende endgültige Zerstörung dieses geschützten Gebiets aufmerksam zu machen. Das Echo auf die Aktion an der Grimsel und auf die nachträgliche Ausstellung in Meiringen war gross. Ein Stein im Mosaik der vielen Anstrengungen, dem bestehenden Schutz Nachachtung zu verschaffen und die Grimsel endlich unberührbar zu machen. - Ein attraktives Plakat, 50 x 90 cm, ist für 20.- über den Grimselverein erhältlich.
Gaulitage: Anfangs Oktober verbrachten wir mit zahlreichen Mitgliedern schöne herbstliche Tage im Gauli; manche erklommen das Ewigschneehorn, etliche freuten sich an der spannenden Führung von Heinz Wäspi und Erika Loser durch das Gletschervorfeld, manche badeten im Träjensee, waren auf dem Chipfenstock - von der Erinnerung an solche Tage kann man zehren...
Was im Gang ist:
Europäische Landschaft des Jahres: Die Naturfreunde Internationale haben die Alpen zur "Europäischen Landschaft der Jahre 95/96" erkoren. Wegen seiner besonderen Schönheit exemplarisch ausgewählt wurde das Gebiet Grimsel/Furka/Susten. Im Rahmen dieses grossen Projekts sollen die verschiedensten Aktivitäten stattfinden, mit Beteiligung der einheimischen Bevölkerung und der Behörden. Das Projekt wird vom BUWAL unterstützt.
Bei der Erarbeitung eines ersten Konzepts wurde der Grimselverein als bedeutendste einheimische Landschaftsschutzorganisation von den Naturfreunden beigezogen. Dies ergab Schwierigkeiten, weil es im Oberhasli nicht allen passt, dass das Thema Grimsel West im Gesamtprogramm seinen Platz haben soll. Wir sind der Überzeugung, dass es nicht angeht, gleichzeitig eine Landschaft wegen ihrer Schönheit zu feiern und dabei möglichst zu vertuschen, dass ausgerechnet ein geschützter Teil von ihr von der Zerstörung bedroht ist. Wir werden die Gelegenheit nutzen, im Rahmen des Naturfreundeprojekts in gewohnt sachlicher Weise auch über Grimsel West zu informieren.
Einem ausgewogenen Gesamtprogramm würden wir unsere Aktivitäten 1995/96 anpassen.
Diverses:
- Umweltverträglichkeit: Der Kanton hat Nachuntersuchungen gefordert, die KWO lassen zur Zeit von einem Ingenieurbureau abklären, wie weit die Fragestellungen überhaupt berechtigt sind.
- Die 3 kW-Solaranlage, welche die Gemeinde Meiringen als Geschenk des Grimselvereins nicht angenommen hat, wird auf der Ecole d'Humanité am Hasliberg gebaut. Die Finanzierung ist gesichert, wir sind massgeblich beteiligt mit einer vom WWF Schweiz vermittelten Spende. Bauherr ist der neu gegründete Verein Pro Solar. Die Einweihung findet im Frühjahr 95 statt.
- KOWA: Die Arbeit der von Energieminister Ogi eingesetzten "Konfliktgruppe Wasserkraft" ist voraussichtlich Ende 94 abgeschlossen - wir sind trotz eigener Mitarbeit nicht glücklich mit dem vorläufigen Ergebnis, weil der internationale Stromhandel, somit auch die Pumpspeicherung, ungenügend behandelt wurde. Wir werden Näheres berichten.
- "Die Stromer schwimmen - rudern wir!" - unter diesem Titel findet in Salecina eine Tagung zur Entwicklung des europäischen Strommarkts und den Auswirkungen auf unsere Gebirgstäler statt (10.-13.11.94), mitgetragen vom Grimselverein. Interessierte können Näheres erfahren bei: WWF, Energietagung, Postfach, 8010 Zürich.
- An die Umweltministerin Ruth Dreifuss haben wir einen Brief geschrieben: wir haben dagegen protestiert, dass an der Grimsel auf Betreiben des Kantons Bern eine unannehmbare Verwässerung des Moorschutzes im Gang ist; wir fordern die Bundesrätin auf, dem Rothenturmartikel Nachachtung zu verschaffen und sich einzusetzen für den Schutz der Sunnig Aar, einer "einzigartigen Moorlandschaft von nationaler Bedeutung". Im weitern bitten wir Frau Dreifuss, das Gauligebiet endlich aufzunehmen ins "Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung BLN" - auf unsere Eingabe von 1989 reagierte Bundesrat Cotti positiv, seither ist nichts mehr geschehen.
Wir planen
Für nächstes Jahr sind die traditionellen Aktivitäten vorgesehen: Gletscherweib, Mahnfeuer auf dem Sidelhorn, mehrtägige Exkursion, Beteiligung am Projekt "Landschaft des Jahres" der Naturfreunde.
Achtung: Wir wollen die Exkursion 1995 als Skitourentage im Grimselgebiet durchführen: 21.-23. April 95. Wer mitkommen möchte, sollte Kondition haben für etwa sechs Stunden Aufstieg und auch in widrigem Schnee sicher fahren können. InteressentInnen mögen sich bitte anmelden bis Ende Jahr, damit wir Näheres rechtzeitig planen können.
Allen liebe Grüsse!
Der Vorstand