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Rundbrief 11, März 1993

Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde

mit der Abstimmung über die Aareschutz-Initiative liegt ein entscheidendes, aber auch kostspieliges Jahr vor uns. Im Zeichen von Rezession und Arbeitslosigkeit bläst auch dem Grimselverein der Wind kälter ins Gesicht und wir sind auf Eure Mitgliederbeiträge und Spenden mehr denn je angewiesen.

Mitgliederbeitrag 1993
Diesem Versand liegt der Einzahlungsschein für den Jahresbeitrag 1993 bei. Zahlt wenn möglich per Post, damit wir alle Eure Angaben genau erhalten. Zahlungen, die nach der Generalversammlung von 14.11.92 gemacht wurden, gelten als Jahresbeitrag 93.
Es liegen auch Informationsblatt, Schreibkarten und Kleber zur Unterstützung der Aareschutz-Initiative bei. Mit einem Zuschuss zum Jahresbeitrag 93 könnt Ihr diese wichtige Aktion unterstützen: von Beträgen, die den Mitgliederbeitrag von 20 Franken überschreiten, werden maximal 5 Franken abgezweigt für das Werbematerial "Ja zur Aare".
Dieses Werbematerial könnt Ihr gratis oder gegen eine Spende nachbestellen bei: Komitee "Ja zur Aare", Weltistr. 32, Postfach 627, 3000 Bern 31.

Aareschutz-Initiative
Am 26. September 93 wird wahrscheinlich die Aareschutz-Initiative zur Abstimmung kommen. Mit ihrer Annahme würde die bereits intensiv genutzte Aare vor weiteren grossen Eingriffen geschützt und auch Grimsel West würde endlich ein Ende gesetzt. Die Initiative ist ausgewogen, schränkt z.B. die bestehende Stromproduktion nicht ein und verbaut auch den KWO eine massvolle Verbesserung ihrer Anlagen nicht.
Abstimmungskampf: wir werden HelferInnen brauchen im ganzen Kanton. Alle, die aktiv etwas zum Abstimmungskampf beitragen möchten, mögen sich bitte bei uns melden. Wir brauchen Leute oder Organisationen, die:
- Flugblätter verteilen, verschicken, austragen
- mal einen Stand hüten
- Transparente malen für Aarebrücken usw.
- bereit sind, bei der Organisation von Festen mitzuhelfen
Wir brauchen aber auch originelle Ideen für den Abstimmungskampf und Leute, die in ihrem Bekanntenkreis Überzeugungsarbeit leisten. Ein Argumentenkatalog ist beim Komitee "Ja zur Aare" erhältlich.
Aarestafette: dem Lauf der Aare folgend vom Gletscher bis Bern soll eine Stafette mit allerlei Attraktionen und sportlichen Aktivitäten stattfinden. Sie beginnt mit unserem traditionellen Sidelhorn-Feuer am 14.8.93 und dauert bis zum 29.8.93, mit Schwerpunkten jeweils an den Wochenenden: Aare-Feste in Bern und Biel. Für Lokaltermine, auch unter der Woche, braucht es Helferinnen und Helfer, die bereit sind, für einen kurzen Einsatz mitzuarbeiten: bitte meldet Euch! Es geht um die Wurst!! Reserviert Euch die Daten; ein Detailprogramm verschicken wir im Juli.

Und unsere traditionellen Vereinsaktivitäten
- Gletscherweib: Alle Jahre wieder! Wir wollen die Steinfrau, Symbol für den ungebrochenen Widerstand gegen die Zerstörung des Gletschers, neu errichten, am 3. Juli 93 (1 Tag nach der KWO Generalversammlung). Bitte meldet Euch, wenn Ihr dabeisein und mithelfen möchtet!
- Feuer auf dem Sidelhorn: 14. August 1993 (und nicht, wie irrtümlich im letzten Rundbrief angekündigt, eine Woche vorher): unser traditionelles Mahn- und Warnfeuer findet statt im Rahmen der Aktion "Feuer in den Alpen" und als Auftakt der Aarstafette - genaue Angaben folgen im Juli., im Programm "Aarestafette".
- Gauli-Tage: Wir führen auch heuer, seit 1988 bereits zum sechsten Mal, eine mehrtägige Exkursion für Mitglieder durch. Vom 1.-3.10.93 gehen wir ins Gauli. Diese starke Landschaft ist im Spätherbst besonders faszinierend. Dem Träjen-Bach folgen, das Gletschervorfeld kennenlernen...-Mit dabeisein werden auch Heinz Wäspi und Erika Loser; sie werden die Tage mit ihrem gletscherkundli-chen und biologischen Wissen bereichern können. Alpinistische Aktivitäten sind selbstverständlich auch möglich. Bitte meldet Euch, falls Ihr Interesse habt (wir würden dann Reservationen beim Hüttenwart vornehmen).

Hinweis: 17.-24. Juli 93: der WWF Bern veranstaltet im Rahmen der Abstimmungskampagne Aareschutz-Initiative eine Stern-Velotour, mit einer Etappe von der Grimsel nach Bern. Nähere Information beim WWF Bern, Bollwerk 35, 3011 Bern

Das Wichtigste seit dem letzten Rundbrief vom September 92
- Am 14.11.92 konnten wir eine sehr gut besuchte GV abhalten. Wir danken allen für die zuverlässige und beständige Unterstützung!
- Im Dezember beantwortete die Berner Regierung eher unverbindlich und mit Bedingungen die KWO-Forderung nach einer klaren Stellungnahme zum Projekt Grimsel West; zudem seien die geforderten Nachuntersuchungen zur Umweltverträglichkeit auszuführen, bevor eine Interessenabwägung stattfinden könne. Die KWO werten die zurückhaltende Antwort der Regierung als positives Signal.
- KOWA: die ersten Sitzungen der "Konfliktlösungsgruppe Wasserkraft" haben stattgefunden. Je 6 VertreterInnen des Bundes, der Kantone, der Elektrizitätswirtschaft und der Umweltorganisationen (der Grimselverein ist durch den Präsidenten vertreten) haben die Aufgabe, konkrete Vorschläge zu erarbeiten, wie die Ziele von "Energie 2000" bei der Wasserkraft zu erreichen seien. Die Umweltorganisationen haben ihre Position bei Einstieg in die Verhandlungen wie folgt definiert: diskutieren muss die KOWA in erster Linie die Möglichkeiten einer Nachfragesenkung für Strom. Bei der Produktion ist als erstes das Potential der Erneuerung und Verbesserung bestehender Werke zu ermitteln. Gleichzeitig sind Kriterien für die Beurteilung der Werksverbesserungen zu erarbeiten.
- Hetze gegen den Grimselverein: in einem üblen, ohne Namen publizierten Pamphlet haben ein paar Oberhasler Gewerbetreibende und Baumeister versucht, ProjektgegnerInnen einzuschüchtern und dem Grimselverein die Schuld an Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Misere in die Schuhe zu schieben. Sie fordern die Arbeitslosen auf, die Verantwortlichen des Grimselvereins zur Rechenschaft zu ziehen: Sündenböcke ernennen und zu ihrer Bestrafung aufrufen war schon immer gäbiger als denken, würde angesichts der landesweiten Krise heissen, differenziert nach Ursachen und konstruktiven Lösungen suchen. (OberhaslerInnen, die auf das Pamphlet hin persönliche Konsequenzen ziehen möchten, gezielt entscheiden wollen, bei wem sie in Zukunft z.B. Blumen, Brot und Autos kaufen, erhalten bei uns die Liste der Unterzeichner des Pamphlets). Das Problem der Arbeitslosigkeit lässt sich heute nicht dadurch lösen, dass sich das lokale Baugewerbe mit einem Grossprojekt noch weiter aufbläht - und in ein paar Jahren noch schlimmer dran ist als jetzt. Wir werden ohne schlechtes Gewissen unser demokratisches Recht wahrnehmen und uns für die geschützte Grimsellandschaft und bestehende Umweltgesetze wehren!

Allen liebe Grüsse!
Der Vorstand